21. August 2012, 10:20 Uhr

Gelungene Neuauflage eines Science-Fiction-Klassikers

Colin Farrell spielt in dem düsteren Film einen Mann ohne Vergangenheit, der gegen seine Unterdrücker aufbegehrt. Len Wisemans Neuauflage von "Total Recall" überzeugt mit Action und Humor.

Können wir unseren Erinnerungen trauen? Ist die Vergangenheit nicht immer nur ein Konstrukt, das sich jeder nach Belieben zurechtbiegt? Auch um diese philosophischen Fragen kreist die sehenswerte Neuauflage des Science-Fiction-Klassikers "Total Recall" von 1990 - in erster Linie aber legt Regisseur Len Wiseman ("Underworld") einen knalligen, kurzweiligen Actionfilm mit prominenter Besetzung vor. Dabei rückt er wieder näher an den Plot der Vorlage, die Kurzgeschichte "Erinnerungen en gros" des US-Autors Philip K. Dick, heran.

Colin Farrell spielt den Arbeiter Douglas Quaid, der am Ende des 21. Jahrhunderts in einer regenverhangenen Kolonie ein tristes Malocherdasein führt. Oft wird er von Alpträumen gequält, in denen er sich auflehnt und zusammen mit der Rebellin Melina (Jessica Biel) gegen seine Unterdrücker kämpft. Aber seine attraktive Ehefrau Lori (Kate Beckinsale), die so gar nicht zu dem tristen Umfeld des Arbeiters zu passen scheint, beschwichtigt ihn immer wieder. Als Quaid sich bei der Firma "Rekall" neue, perfekte Erinnerungen implantieren lassen will, geht einiges schief. Von einem Moment auf den anderen wird der unauffällige, gutmütige Fließbandarbeiter zum Gejagten, und sein härtester Gegner wird seine vermeintliche Ehefrau Lori.

Mit dem Fahrstuhl einmal durch die Erde

"Total Recall" entwirft das düstere Szenario einer weitgehend von chemischen Waffen zerstörten Welt, in der eine hochtechnisierte Herrscherkaste ihre Widersacher bis in die mentalen Bereiche hinein kontrolliert und ausbeutet. Ein gigantischer Fahrstuhl mitten durch die Erde, der sogenannte "Fall", verbindet das leblos kalte, neonhelle Reich der Herrscher mit der traurigen, aber lebendigen Kolonie am Ende der Welt, in der Guerillas im Untergrund unter der Führung des charismatischen Matthias (Bill Nighy) den Widerstand wachhalten.

Dieser fernöstlich angehauchte Ort der Dunkelheit ähnelt mit seinen roten Lampions und verrauchten Kaschemmen an das Los Angeles der Zukunft aus Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker "Blade Runner" (1982), der ebenfalls auf einer Story von Philip K. Dick beruht. Eine gute, detailverliebte Arbeit der digitalen Produktionsdesigner.

Fremd im eigenen Leben

Natürlich wird geballert und geprügelt, was das Zeug hält. Aber zum Glück zieht sich auch eine Spur von sarkastischem Humor durch diesen Film. Der Kampf zwischen Quaid und seiner Ehefrau wird auch zum versteckten Ehekrieg, der im verflixten siebten Jahr endlich entschieden werden muss. Kate Beckinsale mutiert vom süßen Püppchen zur Kampfmaschine, Jessica Biel steht ihr als coole Rebellin in nichts nach.

Da kann es für den zunehmend verdutzten Protagonisten, der keine eigene Erinnerungen hat, zwischen Explosionen und Handkantenschlägen schon einmal unübersichtlich werden. Colin Farrell verkörpert diese Figur mit einer glaubwürdigen Mischung aus Naivität und Entschlossenheit. Der Arbeiter Douglas Quaid heißt eigentlich Carl Hauser, ein Mann ohne Vergangenheit, ein Ausgesetzter wie sein deutscher Namenspatron Kaspar Hauser. Fremd im eigenen Leben.

Philip K. Dicks visionäre Kurzgeschichte, die in den 1960er Jahren entstanden ist, beflügelt auch heute noch die Fantasie. Und übersteht mühelos ein filmisches Update, das eindeutig auf ein Publikum zielt, das eher an Computerspielen als an philosophischen Fragen von Identität und Bewusstsein interessiert ist.

Johannes von der Gathen, DPA
 
 
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