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16. Dezember 2008, 10:21 Uhr

"Weihnachten will man Hitler tot sehen"

Die PR für "Walküre" war von Anfang an schrill - im Guten wie im Schlechten. Dagegen war die Weltpremiere des Films über den Hitler-Attentäter Stauffenberg in New York fast zurückhaltend. Tom Cruise feierte mit Stars, ein paar Fans und Scientology-Gegnern.

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Tom Cruise freut sich über die Weltpremiere von "Walküre" in New York© Lucas Jackson/ Reuters

Nach dem Tumult im Vorfeld hätte man mehr erwartet. Tom Cruises Film "Walküre", über Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Attentat auf Hitler, war bereits verrissen und gelobt worden, bevor auch nur eine Szene zu sehen war. Für die Amerikaner war es "ein weiterer Nazi-Film", für die Deutschen eine drohende Geschichtsklitterung, und dann auch noch mit dem berühmtesten Scientologen der Welt in der Hauptrolle. Stauffenberg-Sohn Berthold forderte, der Schauspieler solle "die Finger von seinem Vater lassen", während sich "Das Leben der Anderen"-Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck vor Begeisterung kaum halten konnte und verkündete, der Film tue mehr für das Ansehen Deutschlands als "zehn Fußball-Weltmeisterschaften".

Die Premiere war gegen diesen Tumult eher zurückhaltend. Nicht in einem großen Premierenkino, sondern in einem kleineren Saal des New Yorker Lincoln Center am Broadway präsentierten Cruise und Regisseur Bryan Singer ihr Helden-Spektakel der Öffentlichkeit. Mit dabei waren die Co-Stars Carice van Houten, Kenneth Branagh, Bill Nighy und Tom Wilkinson. Auch die deutschen Mitspieler Christian Berkel und Thomas Kretschmann waren angereist. Sebastian Koch begleitete seine Freundin van Houten, Cruises Gattin Katie Holmes zeigte sich dagegen nicht auf dem roten Teppich, sie wartete im Kinosaal.

Scientology-Gegner hinter Gitter

Vor dem Theater standen neben den Journalisten und Fotografen, die fürs Kommen bezahlt werden, auch ein paar Dutzend Fans im Nieselregen. Allerdings waren es Scientology-Gegner, die für den Premierenlärm sorgten, als sie durch ein Gitter abgeschirmt gegen Cruise protestierten.

Der grinste sich jedoch teflonglatt wie immer durch den Abend und nannte seinen Film über die Wehrmachtsoffiziere, die am 20. Juli 1944 vergeblich versuchten, Hitler mit einem Sprengsatz zu töten, "einen zeitlosen Thriller". Ob er damals auch in den Widerstand gegangen wäre? "Wir alle hoffen, dass wir es getan hätten". "USA Today" zitiert den "Mission Impossible"-Star auch noch mit dem verqueren Satz: "Weihnachten will man Hitler tot sehen". Das klappt im Film bekanntermaßen zwar nicht, aber die Premieregäste waren trotzdem begeistert.

Die Kritik ist sich derweil bis auf ein paar Ausreißer einig: Tom Cruise hat solide Arbeit abgeliefert, wie immer eben. Nur spielt Hollywoods Strahlemann diesmal einen Nazi.

In den USA ist "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" ab dem 25. Dezember zu sehen. In Deutschland kommt der Film am 22. Januar 2009 in die Kinos

sal
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
felice4711 (18.12.2008, 17:06 Uhr)
Soso, das Bild der Deutschen in der Welt verbessern können,
und die bis dahin bereits Millionen Vergasten, Getöteten, Weggebombten hätte man aufgrund der noblen Tat der ostpreußischen Landjunker wahrscheinlich gar nicht mehr so schlimm gefunden.
Vincent_Vega (18.12.2008, 10:25 Uhr)
Stauffenberg hätte vielleicht nicht DIE Demokratie eigenführt...
aber es war ja ohnehin schon zu spät. In der Konferenz von Jalta 1943 war die "Bedingungslose Kapitulation" der Deutschen für die Allierten schon festgeschrieben. Also selbst wenn Stauffenberg und seine Gruppe die Macht in Deutschland hätten übernehmen können, an der Kapitulation und der Besetzung Deutschlands wären sie vermutlich nicht vorbeigekommen. allerdings hätten viele nachkommende Schlachten nicht stattgefunden, die Vertreibung der Deutschen aus den damaligen Ostgebieten wäre sicher zivilisierter abgelaufen.
Aber all das ist Spekulation.
Das Bild der Deutschen in der Welt hätte sich aber bestimmt auch verbessern können.
felice4711 (17.12.2008, 10:09 Uhr)
@testsieger, @kaisergarten
Natürlich war Stauffenberg ein Nazi, sonst hätte er es im Militär doch gar nicht so weit gebracht. Außerdem ist das doch nun nicht wirklich was Neues. Oder sollten das Scherzfragen bzw. Scherzanmerkungen sein? Stauffenberg war doch kein Weltverbesserer, wäre das Attentat gelungen, da glaubt ihr doch wohl nicht, dass es mit Feudalherrschertum und Militärregime vorbeigewesen wäre und CvS etwa Demokratie und soziale Marktwirtschaft eingeführt hätte. Ich lach mich schepp... Aber das zeigt eigentlich nur auf, warum es mit Deutschland seinerzeit überhaupt so weit kommen konnte.
waru (16.12.2008, 23:47 Uhr)
Rückkehr zur Vernunft
Endlich steht wieder die schauspielerische Leistung von Tom Cruise im Vordergrund und nicht eine primitive Vorverurtelung, bloß weil er sich zu einer Religonsgemeinschaft bekennt, die einigen nicht passt. Diese Rückkehr zur Vernunft lob ich mir.
muemmelfrau (16.12.2008, 15:36 Uhr)
verstehe nicht was es da zu meckern gibt...
tom cruise hat schon einige gute filme abgeliefert und ich denke mir das er auch als staufenberg eine gute figur macht.
das er die rolle wegen seiner "glaubensrichtung" nicht spielen soll finde ich lächerlich. berufsverbot wegen des "falschen" glaubens, daß ist ja wie bei den nazis und wäre sicherlich nicht im sinne staufenbergs und seiner mitstreiter gewesen.
MissSophieCheerio (16.12.2008, 12:41 Uhr)
Interessante Entwicklung.
Noch vor den Dreharbeiten liefen die Berliner, samt Stauffenberg-Nachfahren, Amok, weil Sekten-Tom dort drehen wollte. Angeblich wurde
aber dann NATÜRLICH keine Drehgenehmigung erteilt. Alles war gut. 3 Monate später begannen die Dreharbeiten doch. Hmmm... Wieviel hat Hollywood wohl zahlen müssen, um das zuständige Ministerium blind zu stimmen?!
kaisergarten (16.12.2008, 12:19 Uhr)
?? hä ??
Naja, auch der Stern hat wohl ein sehr simples Weltbild. Alle Deutschen - hier auch Stauffenberg waren Nazis. Aha.
bR4iNST0RM (16.12.2008, 11:38 Uhr)
Tom wer?
Kann man solche Wichte nicht einfach in eine Rakete setzen und in die Sonne schießen?
Dudu (16.12.2008, 11:34 Uhr)
Werbung
Weshalb macht der Stern eigentlich noch Werbung für diesen Sektenführer?

Meine Forderung: Einfach Totschweigen
testsieger2006 (16.12.2008, 11:14 Uhr)
hä?
Zitat:"Nur spielt Hollywoods Strahlemann diesmal einen Nazi."
Aha, der Stauffenberg also auch!
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