Zur Veröffentlichung des überarbeiteten Gesamtwerks der Pop-Pioniere Kraftwerk gab Gründungsmitglied Ralf Hütter eines seiner seltenen Interviews. Mit stern.de sprach der passionierte Radfahrer über Maschinen, elektronische Volksmusik und das Herz des Roboters.
In diesem Jahr bin ich nicht gefahren. Wir waren sehr viel auf Tournee, da hatte ich keine Zeit, mich in Form zu bringen. Das wäre Quälerei geworden.
Zuerst gab es die Begeisterung. Das fing gegen Ende der 70er an, als wir am Album "Die Mensch-Maschine" arbeiteten. So sahen wir das Radfahren - der Mensch in Einheit mit der Maschine. Und dann gab es erste vage Ideen, das auch musikalisch umzusetzen.
Nein. Doping ist in unserer Gesellschaft überall präsent, natürlich auch im Leistungssport. Wir betreiben das ja als Gesundheitsprogramm. Die "Tour de France" ist für uns mehr eine Art Poesie, eine Idee. Wie ein mobiles Orchester, das durch die Lande fährt.
Für uns ging es immer um die Bewegung als solches, um einen Schwebezustand. Es geht gar nicht darum, irgendwo anzukommen, sondern um unablässiges Fortbewegen. "Endlos, Endlos" ist der Song, der es auf den Punkt bringt. Statik passt einfach nicht zu unserer Musik.
Oh, ich werde leicht seekrank, und ich bin wasserscheu. Außerdem geht es um Dynamik, um ein Kontinuum, nicht um eine Zielerreichung. Wir sind ja kein Reisebüro.
Nein, ganz und gar nicht. Ende der 60er haben wir als Studentenband angefangen, das hatte offene Strukturen. Mit dem Start unseres KlingKlang-Studios änderte sich das. Wir hatten unseren Raum, unser Konzept. Elektronisch erzeugte Volksmusik aus dem Rhein-Ruhrgebiet. Wir haben uns aber nicht im geringsten abgegrenzt, im Gegenteil: Die Musik ging immer um die Dinge, die uns umgaben. Was wir sahen, waren nicht Palmen, sondern Schlote, Autos und Züge.
Diese Gleichförmigkeit, die Rhythmik, die daraus entsteht, das hat uns einfach immer fasziniert. Dabei war immer das Sinfonische im Vordergrund. Kurze Songs, Singles - das hat uns eigentlich nie interessiert.
Ja, die Deutschen machen sich das vielleicht etwas zu schwer. Heute ist das aber schon anders als früher. Wir machen das jetzt seit 40 Jahren, eine lange Zeit also, in der einfach unglaublich viel passiert ist.