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1. Dezember 2011, 10:04 Uhr

Auferstehung zu Weihnachten

An der Musik der Kelly Family schieden sich in den 90er Jahren die Geister. Nachdem die meisten von ihnen in den letzen Jahren eigene Wege gingen, stehen jetzt fünf Geschwister wieder gemeinsam auf der Bühne. Ob man sie mag oder nicht - der Premierenabend war ein Erfolg. Von Rebecca Brockmeier

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Zwischen seinen Schwestern Patricia und Kathy singt Paddy: die Kelly Family am Premierenabend im Hamburger CCH© Markus Scholz/DPA

Zugegeben, wer in den 90ern kein Fan der Kelly Family war, dem schießen bei der Nachricht, dass ein Teil der zwölf Geschwister wieder auf Tour geht, so einige Assoziationen durch den Kopf: Das sind doch die mit den seltsamen Klamotten. Das sind die, die mit der rauf und runter gespielten Schnulze "An Angel" nervten und die, die irgendwann mal auf einem Hausboot wohnten. Ja, alles richtig. Aber auch wer die Kellys und ihre Musik einfach nicht mochte und dennoch aus irgendeinem Grund in ein Konzert der "Stille Nacht"-Tour stolpern sollte, könnte überrascht werden. Denn singen können sie nun mal, diese Kellys. Und fernab von Schmalzigem wie "Roses of Red" und "I Can't Help Myself" gibt es auch noch eine andere Seite dieser Musikerfamilie. Besonders folklorelastige Songs, wie der spanische "Peces", liegen ihnen einfach - und "Lord of the Dance", das auch zum Repertoire gehört, ist sowieso gut.

Paddy Kelly, der die "Stille Nacht"-Tour organisiert hat und mit seinen Geschwistern Patricia, Kathy und Paul auf die Bühne bringt, stellt die Weihnachtsgeschichte in den Mittelpunkt. Die Inszenierung ist Geschmacksache: Nicht jedem wird die Idee des in altertümliche Gewänder gehüllten Erzählers gefallen, der in mehreren Etappen zwischen den Liedern die Geschichte von Maria, Josef und der Geburt Jesu erzählt. Und auch die Darstellung von Patricia Kelly als Heilige Maria mit dem Kind und ihrem Bruder Paul als Josef mit Hirtenstab werden viele als übertrieben oder unangemessen empfinden.

Auch wem das alles nicht gefällt - irgendwie springt der Funke dennoch über und zwar nicht nur bei den Fans. Keine zehn Sekunden dauerte es in Hamburg - das erste Lied war noch gar nicht richtig in Fahrt gekommen -, da springen an die 1500 Zuhörer im fast ausverkauften CCH bereits von ihren Plätzen, klatschen und feuern die Geschwister an, als seien sie nie von der Bildfläche verschwunden. Am meisten Jubel bekommt der frühere Mädchenschwarm Paddy, der nach sechs Jahren hinter Klostermauern deutlich erschlankt auf der Bühne erscheint und froh darüber zu sein scheint, nach seiner Sinnkrise wieder da zu sein.

Die heilige Familie

Neben rockigen Nummern wie "One More Happy Christmas" und "White Christmas" stimmen die fünf mit Titeln wie "Ave Maria" oder "Mama" auch immer wieder leise Töne an. An diesem Premierenabend ist auch Joey Kelly mit dabei, der in den letzten Jahren fast ausschließlich als Extremsportler und Raabs Dauerwettkampfrivale in Erscheinung getreten ist. Hatte er zu Beginn noch relativ unbeteiligt mit seiner Gitarre am Bühnenrand gestanden, taut er später auf und singt auch solo. "Ich bin froh, dass ich dabei sein und mit meinem Bruder Paddy auf einer Bühne stehen darf", sagt der introvertierte Sportler. Auch die übrigen Geschwister scheinen großen Spaß daran zu haben, wieder gemeinsam Musik zu machen. "Wir finden es ganz toll, dass die Kellys wieder zusammen auftreten, die reißen einen richtig mit", freuen sich auch Michael Larssen und Ingelore Eisenschmidt, die zusammen das Konzert besuchen.

Noch 19 Mal stehen die Geschwister bis Ende des Jahres mit dem Weihnachtsprogramm in ganz Deutschland auf der Bühne. Bei manchen Auftritten wird Joey dabei sein. Ein kommerzieller Erfolg ist die Tour schon jetzt: Von insgesamt 35.000 Karten sind laut Veranstalter bereits 30.000 verkauft. Einen Teil des Erlöses stiften die Kellys für einen guten Zweck.

Von Rebecca Brockmeier
 
 
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