"Ich empfinde mich als normal"

19. Juni 2013, 15:20 Uhr

In dem ARD-Vierteiler "Zeig mir deine Welt" nimmt Kai Pflaume am Alltag von Menschen mit Down-Syndrom teil. Einer von ihnen ist Sebastian Urbanski. Im Interview erzählt er von seinem Leben und Beruf.

Kai Pflaume, Sebastian Urbanski, "Zeige mir deine Welt", ARD

"Zeig mir Deine Welt" heißt das vierteilige Unterhaltungsformat der ARD. Darin begleitet Kai Pflaume Menschen mit Down-Syndrom in ihrem Alltag. Einer von ihnen ist der Schauspieler Sebastian Urbanski.©

Sebastian, in der ARD zeigt Kai Pflaume das Leben von Ihnen und anderen Menschen mit Down-Syndrom. Wie hat er Sie gefunden?
Er muss von mir gehört haben und hat zuerst meine Eltern in Pankow besucht. Die haben ihm erzählt, was ich so mache und dass ich Theater spiele. Da wollte er mich dann haben für seine Sendung.

Und wie war es mit Kai Pflaume?
Die Dreharbeiten haben Riesenspaß gemacht. Kai Pflaume hat sich viel Zeit genommen, um mit meiner Familie und mit meinen Freunden im Theater und in der WG ausführlich zu sprechen. Er und sein Team waren richtig toll.

Jetzt sitzen wir hier in der Kantine an Ihrem Arbeitsplatz, dem Theater Ramba Zamba im Prenzlauer Berg. Wollten Sie schon immer Schauspieler werden?
Das hat sich so ergeben. Nach der Schule habe ich in verschiedenen Werkstätten gearbeitet, auch im Hotel. Aber da hatte ich zum Beispiel Probleme mit dem Bettenmachen. Irgendwann habe ich Gisela Höhne getroffen, die künstlerische Leiterin und Regisseurin an diesem Theater. Die hat mich dann in verschiedenen Stücken ausprobiert.

Offenbar haben Sie Frau Höhne überzeugt.
Sie hat gemerkt: Der kann was. Und schließlich gesagt: Der ist so gut, den muss ich haben. Sie hat viel mit mir gearbeitet, damit ich vorankomme, damit ich auch größere Stücke spielen kann, Stücke der Weltliteratur. Und dann hat sie mich auch vorgeschlagen für Kino- und Fernsehfilme, weil ich mich in ihren Augen wie ein Profi verhalte.

Wie lernen Sie Texte, haben Sie da Tricks?
Das geht immer einfach. Ich brauche da nur ein-, zweimal draufzugucken. Die Regisseurin ist dann oft baff, dass es so schnell geht bei mir. Sie weiß immer: Ich schaffe das.

Im neuen Theaterstück von Ramba Zamba geht es um Menschen mit Down-Syndrom, die Sorgen haben, dass es von ihnen immer weniger gibt. Deshalb kidnappen sie "normale" Männer, um mit ihnen Nachwuchs zu zeugen. Ist das auch eine Ihrer Sorgen: dass es immer weniger Menschen mit Down-Syndrom gibt?
Ja, das ist so. Wir haben das Stück "Am liebsten zu dritt" gemacht, weil es heute mit den Gentests immer einfacher ist, Babys vor der Geburt auszusortieren. Darum werden wir immer weniger. Aber wir sind auch Menschen und leben sehr gerne.

Merken Sie im Alltag, dass Sie ein bisschen anderes sind als andere?
Manchmal schon, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, die auch das Down-Syndrom haben, werden wir gelegentlich schief angeguckt.

Müssen Sie sich dann auch unfreundliche Bemerkungen gefallen lassen?
Das passiert schon mal.

Was ist für Sie "normal"?
Also ich empfinde mich eigentlich als normal. Durch die Entwicklung, die ich durchgemacht habe, dank meiner großartigen und lieben Eltern und natürlich meiner großartigen Chefin Gisela Höhne, kann ich, können auch meine Freunde hier am Theater zeigen, dass auch Menschen mit Down-Syndrom zu sehr viel in der Lage sind. Wir beweisen, dass ihnen alle Türen offen stehen.

Zur Person Sebastian Urbanski, 35, ist Schauspieler und lebt in Berlin. Er spielt an der Seite von Juliana Götze in dem ARD-Film "So wie du bist" (Mittwoch, 19.6., 20.15 Uhr) die Hauptrolle. Kai Pflaume besucht ihn in seiner Künstler-WG in Friedrichshain.

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