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Diese Satiren lösten Krisen aus

Weil ein Clip des NDR-Magazins "extra 3" den türkischen Staatspräsidenten Erdogan verspottet, wurde der deutsche Botschafter einberufen. Nicht das einzige Beispiel für Satire, die politische Verwicklungen auslöst.

Erdogan, Kebekus, Ayatollah: Drei Beispiele für Satire, die Verwicklungen auslöste

Recep Tayyip Erdogan, Carolin Kebekus, Ayatollah Khomeini: Manchmal löst eine harmlose Satire politische Verwicklungen aus

Wie Rudi Carrell den Ayatollah verärgerte

Er gehörte in den 70er und 80er Jahren zu den großen Spaßmachern im deutschen Fernsehen. Rudi Carrell war bekannt dafür, die Fernsehnation mit harmlosen Witzen und Unterhaltungssendungen zum Lachen zu bringen. Dass der Holländer mit einem einzigen Gag internationale Verwerfungen auslösen würde - damit hätte er selbst wohl am allerwenigsten gerechnet. Doch genau das geschah am 15. Februar 1987 in seiner Comedy-Sendung "Rudis Tagesshow". Mit einem Beitrag, der gerade mal 14 Sekunden dauerte. Anlässlich des achten Jahrestags der iranischen Revolution zeigte Carrell eine Bildmontage, in der verschleierte Frauen Unterwäsche warfen. "Ayatollah Khomeini wird von der Bevölkerung gefeiert und mit Geschenken überhäuft", kommentierte er den kurzen Clip.

Der iranische Botschafter zeigte sich empört und forderte von der deutschen Bundesregierung eine Entschuldigung. Doch die blieb aus - und so zog der Iran seinen Botschafter ab und wies umgekehrt mehrere deutsche Diplomaten außer Landes. Doch damit nicht genug: Das Teheraner Goethe-Institut musste schließen, Rudi Carrell erhielt Morddrohungen.

Mohammed-Karikaturen bringen arabische Welt in Rage

Noch größere Wellen schlugen die Mohammed-Karikaturen, die am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht wurden. In der Folge wurden dänische Produkte in einigen arabischen Ländern boykottiert, Libyen und Saudi-Arabien zogen ihre Botschafter ab. Es gab in vielen islamischen Ländern Demonstrationen, am 4. Februar brannten die Botschaften von Dänemark und Norwegen in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Satire vergleicht den polnischen Präsident mit einer Kartoffel

Regelrecht harmlos waren dagegen die Folgen, die ein satirischer Text auslöste, der im Sommer 2006 in der "taz" veröffentlicht wurde. Immerhin: Auch hier gab es internationale Verwicklungen. In dem Text wurde der damalige polnische Staatspräsident Lech Kaczynski mit einer Kartoffel verglichen. Ausweisungen und Morddrohungen gab es zwar keine, aber der beleidigte Präsident sagte ein Treffen des "Weimarer Dreiecks" mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac ab - offiziell gab er eine "Magenverstimmung" als Grund an.

Kebekus zwingt den WDR zur Zensur

Carolin Kebekus' Clip "Dunk den Herrn" führte immerhin dazu, dass der WDR ihre Sendung "Kebekus" zensierte und dieses Video aus dem Programm nahm. In dem Film sang die Komikerin als Nonne und Messdiener verkleidet einen kirchenkritischen Rapsong und sparte nicht mit frivolen Gesten. Gegen das Video gingen rund 100 Anzeigen ein, nachdem die traditionalistische Piusbruderschaft auf ihrer Homepage zu Anzeigen wegen Verstoßes gegen den Blasphemie-Paragrafen aufgerufen hatte. Im Gegensatz zum WDR blieb die Kölner Staatsanwaltschaft standhaft - und stellte das Verfahren ein.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo