12. April 2010, 22:48 Uhr

Quartals-Talker mit Töpfchen-Theorie

Ob Jugendkriminalität, Rechtsextremismus oder Amoklauf - Christian Pfeiffer hat die Ursache längst erkannt: Killerspiele. Wo es nur geht, ist der Kriminologe mit seinen Thesen zur Stelle. Teil vier der Serie, in der stern.de sechs Geißeln der Talkshows vorstellt. Von Wolfgang Röhl

Christian Pfeiffer, Talkshow, Geißeln der Talkshow

Vertritt oft und gerne seine Meinung zu allen Formen der Gewalt: Der Kriminologe Christian Pfeiffer©

Christian "T." Pfeiffer - T wie Töpfchen -, ist der Quartals-Talker des Fernsehens. Er ist nicht durchgehend auf Sendung. Aber wehe, wenn! Wenn etwa Jugendliche an Schulen oder sonst wo Amok laufen, und dann auch nur der nebulöseste Verdacht besteht, sie könnten zuvor Computerspiele geguckt haben, galoppiert Pfeiffer mit seinen Lieblingssteckenpferden durch alle Fernsehrunden. Der kurzzeitige Justizminister von Niedersachsen, Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (Spezialgebiet: die Erkundung von lukrativen staatlichen Geldquellen für Forschungsprojekte), propagiert unbeirrbar die These, dass "Killerspiele" unsere Jugend abstumpfen, verrohen und zu schrecklichen Dingen treiben können. Unter Fachkollegen ist er mit derlei Kausalitäten höchst umstritten. Zumal seine Kenntnisse der Computerspielewelt zu wünschen übrig lassen, wie ein Auftritt bei "Hart aber fair" mal belegte. Aber Pfeiffers knackiges Schlagwörterarsenal ("mediale Verwahrlosung", "dramatische Einbußen an Sensibilität für die Leiden der Opfer" usw.) machen ihn unentbehrlich, wenn nach spektakulären Verbrechen die üblichen hastig zusammengetrommelte Quasselrunden quicke Erklärungen versuchen. Zwischentöne sind nur Krampf im Quotenkampf, davon profitiert er.

Immer eine These im Ärmel

Er kann in Endlosschleife über seine Sujets diskutieren, dabei die Hände vor der Brust gegeneinander halten, Fingerspitzen gegen Fingerspitzen, ab und zu sparsame Gesten mit den Händen schaufeln. Ja, er könnte gut und gerne drei Stunden am Stück reden. Was Talkshowmacher am meisten fürchten, - die plötzliche Stille, in der keinem mehr was einfällt -, ist mit Pfeiffer an Bord unmöglich. Unterbricht man ihn nach einer Weile, springt er auch willig auf jedes andere Thema, das gerade durchs Dorf getrieben wird. Kurz, er ist ein Moderatorentraum.

Pfeiffer hat eine Nase wie Pinocchio und immer irgendeine tolle These im Ärmel. Etwa, dass der Rechtsextremismus bei Jugendlichen total populär geworden sei. Die Studie, welche das belegen sollte, wurde freilich weithin verrissen. 1999 hatte er für die relativ hohe Zahl ausländerfeindlicher Gewalttaten in Ostdeutschland die autoritäre Erziehung in den DDR-Kindergärten mit verantwortlich gemacht, wo die Kleinen sogar gemeinsam aufs Töpfchen hätten gehen müssen. Schaumige Spekulationen statt harter Wissenschaft, aber die Ostdeutschen regten sich furchtbar darüber auf. Schwupps, war Pfeiffer wieder im Gespräch.

Pfeifers größte Fehleinschätzung

Ein Jahr später, im Fall Sebnitz, verhob sich der Töpfchen-Theoretiker schwer. Da attestierte er einer Mutter Glaubwürdigkeit, die hartnäckig behauptet hatte, ihr achtjähriger Junge sei drei Jahre zuvor von Rechtsradikalen im Freibad der sächsischen Stadt vor 200 gleichgültigen Zeugen ertränkt worden. Auf Pfeiffers Expertise hin machten die Medien - allen voran "Bild" - ein gewaltiges Fass auf. Ein weltweiter Sturm der Entrüstung über das angeblich naziverseuchte Deutschland brach los. Ein betroffener Bundeskanzler Schröder empfing die Mutter. Wenig später entpuppte sich der Tod ihres Kindes als tragischer Unfall aufgrund mangelnder Aufsicht. Die Presse war zerknirscht. Bei den Rechtsextremen knallten die Korken.

Natürlich hat der Skandal Pfeiffer nicht geschadet. Nicht in den Talkshow-Redaktionen. Dort nimmt man an, das Gedächtnis der Zuschauer gleiche einem Sieb. Und deshalb ist Professor Töpfchen nach wie vor ein gern gebuchter Gast in der Phrasenhölle der Fernsehdebattenkultur, sobald irgendwas mit Jugendgewalt, Killerspielen, schärferen Waffengesetzen und verkorksten Kindern aufs Tapet kommt. Dann spielt er das immergleiche Lied vom Tod, der aus der Playstation kommt.

Fernsehen macht gewalttätig

Einer seiner größten Sorgen ist, dass rund die Hälfte der 13- bis 15-Jährigen einen eigenen Fernseher im Zimmer stehen haben, auf dem sie stundenlang Filme mit jugendgefährdenden Inhalten glotzen und dabei "ihr Leben versäumen." Die Tonalität kennen ältere Zeitgenossen noch aus den Sechzigern, als ein gewisser Adolf Süsterhenn mit seiner "Aktion saubere Leinwand" die Jugend "vor Schmutz und Schund" bewahren wollte. Wer dann kam, waren übrigens die 68er.

Dass Fernsehkonsum die Kids dumm und gewalttätig mache, gehört zu Pfeiffers Grundannahmen. Nun ja - ob gewalttätig, darüber werden die Experten wohl ewiglich streiten. Dass Fernsehen dumm macht, scheint dagegen evident. Man merkt es an jenem leeren Gefühl im Kopf, wenn man nach einem Amoklauf eine Talkshow gesehen hat, in der mal wieder Christian Pfeiffer saß.

 
 
KOMMENTARE (10 von 87)
 
Administrator (14.04.2010, 14:58 Uhr)
Liebe User,
wir möchten uns noch einmal für die sachliche und anregende Debatte bedanken!

Leider gab es in den letzten Stunden mehrere regelwidrige Beiträge, so dass wir das Gefühl haben, dass es besser ist, die Diskussion zu schließen.

Wir empfehlen Ihnen, einfach nicht auf beleidigende Kommentare einzugehen. Wenn wir ein Posting löschen, entfernen wir auch immer alle sich darauf beziehenden Antworten, um den Kontext nicht komplett zu verfälschen. Im Falle dieser Diskussion wären das dann leider fast alle Beiträge gewesen.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
STR_EDDS (14.04.2010, 14:26 Uhr)
@Preston
Sie haben hier die Formatvorlage für das Buch "Wie diskreditiere ich mich öffentlich selbst - zum Affen in nur 24 Stunden" zum Besten gegeben. Meine Güte. Und dann auch noch mit Tiefschlägen, die eines Mannes der ernstgenommen werden will, unwürdig sind, auf 16-Jährige losgehen. Ein Erklärungsmuster warum man Leuten mit Ihrem Weltbild nicht zuhören will, haben Sie zumindest unfreiwillig geliefert.
.
Ich konnten das Anliegen im Leserkommentar des jugendlichen Foristen zumindest sehr gut verstehen und er konnte sich, im Gegensatz zu Ihnen, mit nachvollziehbaren Argumenten Gehör verschaffen. Wohingegen Ihnen nur noch hilfloses Umherschlagen zweckdienlich erscheint. Völlig am Thema und an der Sachlichkeit vorbei. Na danke.
.
Und wissen Sie was? Ich glaube in Ihrem Büro hängt ein Pfeiffer-Starschnitt. Womöglich noch mit Autogramm.
iosono (14.04.2010, 14:20 Uhr)
Wie gefährlich sind Internetpornos?
da preston auch pornos im netz verdammt,sollte er sich mal focus online durchlesen-gerade ist das thema online unter obigen titel.
nicht das ich allen zustimme was dort steht-nur das es auch andere experten und andere meinungen gibt als die des herrn pfeiffer.
bR4iNST0RM (14.04.2010, 13:55 Uhr)
@Preston
"... weil er damit praktisch Politiker UND Polizist ist,... "
- bitte was?! Sie leben in einer wirklich merkwürdigen Welt!
"Und trotzdem gibt es Menschen, die das Internet sehr gut kennen, mit Horrorfilmen und FSK-Spielen mehr vertraut sind, als ihnen lieb ist - und die ihm TROTZDEM, nein: gerade deshalb recht geben."
- Stimmt! Bezweifelt auch niemand.
Und Sie gehen auch weiter davon aus, dass hier nur Minderjährige Kommentare schreiben?! Das ist nicht nur lächerlich, sondern absolut absurd!
Dass der Pfeiffer Professor für Kriminalistik und Lehrstuhlinhaber an einer Universität ist, bedeutet für Sie also, dass er über jede Kritik, jeden Zweifel erhaben ist und grundsätzlich keine Fehleinschätzung abgibt?! Selten so gelacht!
iosono (14.04.2010, 13:40 Uhr)
Pfeiffer
ist experte für alles.
das ist ja das problem-ob bei n-tv,n-24,in jeder öffentlich-rechtlichen debatte----wenn irgendwo etwas passiert ist pfeiffer zu stelle.
deutschland hat anscheinend nur einen ''experten'',das hat nix mit meinungsvielfalt zu tun.
hier wurden noch andere ''experten'' aufgelistet die zu anderen schlüssen kommen-pfeiffers meinung ist nur eine expertenmeinung unter vielen.
auch andere experten haben studiert ,sind professoren oder haben eine lehrstuhl und kommen zu anderen schlüssen.
was bei einer klimadebatte normal ist,das verschiedene experten zu verschiedenen ergebnissen kommen-ist beim thema internet,pc-spiele,jugendkriminalität.....nicht möglich.
entweder pfeiffers meinung wird akzeptiert weil er ja professor ist, oder du bist ein dummer hilfsschüler mit 85% hirnblockade.
Preston (14.04.2010, 13:18 Uhr)
daß Pfeiffer "keine fundierte Kenntnis der Materie hat..."
Klar, er ist ja auch nur Professor für Kriminalistik und Lehrstuhlinhaber an einer Universität - das ist für die Spielsüchtigen hier im Forum nur ein Grund, ihn NOCH MEHR zu beschimpfen (weil er damit praktisch Politiker UND Polizist ist, quasi ein ein Anführer der "dämlichen Elite, die vom Internet keine Ahnung hat", das Schlimmste also, was es gibt).
Und trotzdem gibt es Menschen, die das Internet sehr gut kennen, mit Horrorfilmen und FSK-Spielen mehr vertraut sind, als ihnen lieb ist - und die ihm TROTZDEM, nein: gerade deshalb recht geben.
Das könen die Kiddies hier nicht ab; da kriegen sie Schaum vor den Mund.
Was für ein Glück, sage ich nur - daß die meisten (noch) nicht wählen können.
bR4iNST0RM (14.04.2010, 12:55 Uhr)
Preston.. es ist genug!
Sie werfen schon wieder alles in einen Topf, beleidigen und sind kindisch. Sachliche Diskussionen sind nur mit Ihnen nicht möglich. Jeder hier hat mindestens einen Versuch unternommen Ihnen zu erläutern, dass der Pfeiffer etwas verteufelt, von dem er erstens nichts Beweisbares vorlegen kann, und zweitens keine fundierte Kenntnis der Materie hat.
Das ist etwas, was Sie und der Pfeiffer gemein haben. Und auch die Tatsache, sich mit solcher Unverschämtheit über jegliche Gegenmeinung hinwegzusetzen ist eine Gemeinsamkeit, die Sie auf die gleiche Stufe stellt, auf die Herr Pfeiffer schon seit längerem ausgelacht bzw. bedauert wird.
Ich habe nichts gegen Kritik. Wenn sie sachlich und im angemessenen Ton geführt wird und Sie haben mehr als einmal bewiesen, dass Sie dazu nicht in der Lage sind. Frei nach dem Motto: ?und ich habe vergessen, daß man mit 16jährigen
noch keine sachlichen Diskussionen führen kann, weil sie von Internetpornos, Horrorfilmen und FSK-18 Spielen so beeindruckt sind, daß ihr Hirn zu 85% blockiert ist.?
Danke für Ihren ?sachlichen? Beitrag! Es ist genug! Ich weiß nun, wo ich Sie einordnen darf.
iosono (14.04.2010, 12:24 Uhr)
16 jährige lesen Stern?
na das ist doch schon mal was.
schmutz (14.04.2010, 10:13 Uhr)
Was ich noch vergessen habe..
Ich finde es Interessant zu sehen, das man eine Diskussion über Computer-/Videospiele auch zum Großteil sachlich führen kann.

Schade ist allerdings, das User wie Preston als eine Art "Agent Provocateur" auftreten und versuchen die Diskussion so zu beeinflussen, das sie andere User zu unbedachten Äußerungen verleiten wollen, die sie dann als Beweis ihrer Thesen vorbringen. So etwas sollte unterlassen werden, bzw. man sollte sich nicht davon reizen lassen.
schmutz (14.04.2010, 10:07 Uhr)
Studien zum Thema Gewalt durch Videospiele
Allen die sich wirklich mit diesem Thema beschäftigen wollen sollten sich auch die Studien von Dr. Julia Knerr (Universität Köln) und von Christina Regenbogen und Thorsten Fehr (Universität Bremen) anschauen. Verglicht man diese mit den Studien von Herrn Pfeiffer und Herrn Manfred Spitzer, dann kommt man zu dem Schluß das sämtliche Untersuchungen zum Thema Computer-/Videospiele nicht umfassend genug sind, um ein genaues Bild über die Wirkung von Computer-/Videospielen machen zu können. Hier fehlt es an Langzeitstudien. Im Moment gibt es nur kontroverse Meinungen. Was Herrn Pfeiffer aber unseriös erscheinen läßt, ist die Tatsache das er z.B. seine Studie über die Prüfpraxis der USK bereits vor Veröffentlichung als bewiesen deklariert hat. Eine Studie gilt erst dann als bewiesen, wenn sie von anderen Wissenschaftlern überprüft und ihr Ergebnis bestätigt worden ist. In diesem Fall kann einem der Gedanke kommen, das Herr Pfeiffer eher die staatliche Förderung die die USK für ihre Arbeit bekommt, eher an das KFN umleiten möchte da die Grundfinanzierung des Instituts über das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur kommt. Diese Behauptung ist natürlich unbewiesen, wurde aber von Herrn Pfeiffer nicht kommentiert. Betrachtet man die Arbeitsweise von Herrn Pfeiffer ist der kritische Bericht über seine Person durchaus gerechtfertigt.
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