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18. September 2011, 21:45 Uhr

Ein Mordfall für Teamplayer

Kommissar Thiel und Professor Boerne vom Münster-"Tatort" waren in Hochform: Zwischen Kalauern am laufenden Band gelingt die Abhandlung des Themas Intersexualität in Kombination mit der Lösung eines Kriminalfalls. Bravourös und nur ein bisschen eklig. Von Swantje Dake

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Der Fuß mit dem abstehenden Zeh bringt Professor Boerne in dem Fall "Zwischen den Ohren" auf die richtige Spur© WDR

Sonntagabend, geschafft vom Wochenende, genervt vom Gedanken an den Wochenbeginn lässt man sich aufs Sofa plumpsen - und ist nach Verklingen der "Tatort"-Melodie sehr erleichtert. Denn der geneigte Zuschauer erkennt Münster. Wunderbar. Wenigstens was Heiteres, bevor der Alltagstrott wieder beginnt. Lustig - das können die aus Münster ja.

"Die aus Münster" - das sind Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers). Sie gehören zu den beliebtesten "Tatort"-Kommissaren der Republik, gar Grimme-Preis geadelt. Und Thiel begibt sich eingangs des neuen Falls "Zwischen den Ohren" auf Zuschauerniveau: In Schlapperpulli und mit 'ner Flasche Bier lässt er sich auf der Couch nieder. Zurücklehnen, Chips futtern, Abend genießen. Während Thiel nicht lange so verweilen kann, darf der "Tatort"-Fan 90 Minuten so verharren.

Fast stets erheiternd, selten bedrückend

Kommissar Thiels Fernsehvergnügen (natürlich ein St. Pauli-gegen-FC-Bayern-München-Spiel) wird wie üblich durch seinen Vater zerstört. Und auch für den Zuschauer ist die Heiterkeit kurzzeitig beendet, als Thiels Vater aus dem Kanal statt eines Fischs einen Fuß samt Schuh angelt. Igitt!

Aber bis der Fuß in der vierten Minute auf Professor Boernes Tisch liegt - und es richtig eklig wird - hat man schon ein paar Mal geschmunzelt und gegrinst. Über "Vaddern", der in Friesennerz auf dem Kanal fischt und dabei einen schornsteingroßen Joint pafft, und über seine Dialoge mit Sohnemann - frotzelnd, frech, ein bisschen platt, aber die Ansprüche sind nicht allzu hoch am Sonntagabend. Dann folgt der Schlagabtausch zwischen dem selbstverliebten Boerne, seiner kleinwüchsigen Assistentin Alberich und Thiel. Man kennt es, man mag es, auch und gerade weil den Münsteraner äußerst selten die staatstragenden Themen und Betroffenheitsthematiken ins Drehbuch geschrieben werden.

Ernsthaftigkeit folgt auf dem Fuße

Doch diesmal schleicht sich in Trippelschritten ein ernsthaftes Thema ein: Intersexualität. Anhand des Mordopfers, Boernes Schulfreundin Susanne, und der jungen Tennisspielerin Nadine Petri (Anna Bullards), wird gezeigt, wie es Menschen geht und ergeht, die mit Merkmalen beider Geschlechter geboren werden. Und wie es sich lebt, wenn man als Frau gerne ein Mann wäre. Und während vor zwei Wochen der Kölner "Tatort" durch diese Thematik sehr schwer wurde, gelingt es den Drehbuchautoren Thorsten Wettcke und Christoph Silber die Leichtigkeit zu erhalten, dabei aber nicht in die Geschmacklosigkeit abzudriften, sie allenfalls kurz zu streifen. Wenn die Grenze zur Niveaulosigkeit in Sichtweite ist, wird der Zuschauer aus der Heiterkeit herausgerissen, so wie Kommissar Thiel gleich mehrere Male aus dem inzwischen aufgezeichneten Fußballspiel. Besonders Axel Prahl gelingt der Wechsel zwischen Kalauern und Ernsthaftigkeit.

Frank und Karl-Friedrich und die Bruderschaft

Der Verdächtigen gibt es viele - und diesmal lösen sich deren Motive nicht in Luft auf. Der Mord wurde in feinster Teamarbeit begangen. So lösen auch Kommissar und Rechtsmediziner den Fall - gemeinschaftlich. Darauf trinken Karl-Friedrich Boerne und Frank Thiel Brüderschaft. Ach? Die haben Vornamen? Erstmals nimmt der Zuschauer die Vornamen der beiden Ermittler wahr, die sich in bislang nie erreichter Bravour die Bälle zuspielen. Das geht so weit, dass Thiel Wein trinkt und Boerne das aufgenommene Fußballspiel guckt, das Thiel auch nach dem vierten Versuch noch nicht gesehen hat. Daran scheitert die Brüderlichkeit der beiden Münsteraner dann gleich wieder. Denn als Thiel zum fünften Mal die Zuschauerposition einnimmt, um das Fußballspiel zu gucken, teilt Boerne ihm eher beiläufig das Ergebnis mit. Thiel, der sich gerade ein paar Chips eingeschmissen hat, schaut ihn entgeistert an und schreit mit offenem Mund: "Boeeeeeeeeeeeeerne". Das ist auch "igitt", aber diesmal ist es zum Schmunzeln.

Von Swantje Dake
 
 
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