Mann trägt Shorts

27. Januar 2013, 21:45 Uhr

Trotz der bisweilen absurden Handlung: Devid Striesows Debüt im Saarland-"Tatort" macht Lust auf mehr. Denn sein Jens Stellbrink ist einer der schrägsten Vögel unter den TV-Kommissaren. Von Carsten Heidböhmer

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So sieht der Neue aus: Devid Striesow als Hauptkommissar Stellbrink, der ab sofort im Saarland-"Tatort" ermittelt©

Der "Tatort", so sagt man, spürt regelmäßig aktuelle gesellschaftliche Trends auf und webt sie in seine Geschichten ein. Wenn das so ist, dann macht sich gerade eine sehr merkwürdige Mode breit: arbeiten, noch bevor der Dienst offiziell begonnen hat. Ähnlich wie beim Debüt des Schweizer Kommissars Reto Flückiger nimmt auch der neue Saarbrücker Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) die Ermittlungen auf, noch bevor er offiziell seinen neuen Job angetreten hat.

Es ist Samstagnachmittag, Stellbrink ist in seinem - gewöhnungsbedürftigen - Freizeit-Outfit unterwegs: gelber Friesennerz, karierte Bermuda-Shorts und Gummistiefel. So fährt er auf seinem knallroten Motorroller zum Baumarkt, wo er noch ein paar Dinge für seine neue Saarbrücker Wohnung einkaufen will. Da fällt ihm ein elternloses Mädchen auf. Es heißt Melinda, stammt aus dem arabischen Raum, spricht kein Wort deutsch - und wirkt verängstigt. Warum, erfährt der Neu-Saarländer kurz darauf, als er von drei finster aussehenden Männern verfolgt und beschossen wird. Stellbrink flüchtet mit Melinda in den Wald, wo sie sich in einem stillgelegten Märchenland verstecken.

Und auf einmal gewinnt dieser hart und realistisch gestartete Fall eine neue Ebene, dreht sich ins Zauberhafte: Die Fremde aus dem Morgenland und der lustig gekleidete Clown inmitten des verwunschenen Kinderparadieses - kurzzeitig vergisst der Zuschauer, dass er sich im Sonntagabendkrimi befindet und wähnt sich in einer Traumwelt.

Absurde Verfolgungsjagd

Zumal alles auf ein schnelles Happy End rauszulaufen scheint: Die Polizei rettet die beiden aus den Fängen der Verfolger. Das Mädchen wird in Sicherheit gebracht - ein Dolmetscher kommt und will das Kind seinem Vater, einem hohen Diplomaten seines Heimatlandes überstellen. Weil Melinda ängstlich ist, kommen Jens Stellbrink Zweifel. Kurzerhand entführt er die Kleine - und reißt die bis dahin gute Folge aus der Ebende des Traumhaften in eine bisweilen comichaft überdrehte Action, bei der man nie weiß, ob sie ernst gemeint ist.

Da der Kommissar gegen die ausdrückliche Anweisung der Staatsanwältin (übertrieben gespielt von Sandra Steinbach) gehandelt hat, sind ihm nicht nur die finster dreinschauenden Araber auf den Fersen, sondern die gesamte Polizei des Saarlandes. Eine nette ältere Dame gewährt den beiden Unterschlupf, doch deren Ehemann verpfeift sie bei der Polizei. Und schon geht die absurde Verfolgungsjagd durch die Straßen Saabrückens weiter.

Derweil kommen seiner neuen Kollegin, Kommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück), Zweifel, ob Stellbrück wirklich so verrückt ist - oder nicht vielleicht doch Recht hat. Langsam kommen beide hinter das Geheimnis des Mädchens: Melinda wurde als Drogenkurierin eingesetzt, die dem Stoff in ihrem Magen ins Land schmuggelt.

Kiffender Yoga-Kasper

Dennoch scheitern die Ermittlungen letztlich in einem entscheidenden Punkt: Gegen die bösen Araber mit Diplomatenausweis kann der Neue nichts ausrichten - zumal sie sich mit Melinda über die französische Grenze flüchten konnten.

Kommissar Stellbrink bleibt da nur noch der zweifelhafte Rekord, sich noch vor dem ersten offiziellen Arbeitstag eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingehandelt zu haben. Doch das bereitet dem schrägen Vogel keine Sorgen: Stellbrink ist tiefenentspannt. Er macht Yoga, raucht gelegentlich Joints, und sieht in seinem Unterbewusstsein nach. Der Lebensstil bekommt ihm gut: Er ist zu allen freundlich und stets optimistisch gestimmt. Also ein Kerl, den man einfach gernhaben muss.

Und deshalb darf man sich trotz des durchwachsenen Drehbuchs schon auf seinen zweiten Fall freuen. Oder wie es seine Kollegin Lisa Marx sagt: "Ich bin schon gespannt, wie du in richtigen Hosen aussiehst."

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