Die ARD trennt sich von ihrem Gesundheitsexperten Hademar Bankhofer. Das bestätigte eine Sprecherin des WDR stern.de. Der Kölner Sender produziert das "ARD-Morgenmagazin", in dem Bankhofer, der sich von einer Kampagne überrollt fühlt, wöchentlich Tipps zur richtigen Ernährung gab. Von Daniel Bouhs

Hademar Bankhofer: ein Pharma-Vertrag wurde ihm zum Verhängnis© ARD
Hademar Bankhofer ist ein freundlicher Mann. Die Markenzeichen des 67-Jährigen sind seine Halstücher und seine permanent gute Laune. Seit Jahren tourt der graumelierte Österreicher durch die TV-Sender im deutschsprachigen Raum und macht uns den Ernährungsexperten. So ist er schon seit gut zehn Jahren Stammgast im "ARD-Morgenmagazin". Dort erklärt er, welche Tees helfen, wenn wir vor Übelkeit nicht aus dem Bett kommen. Oder er flüstert uns, welche Fruchtsäfte es in sich haben, um mit bester Stimmung durch den Tag zu kommen. Kurzum: Wer Bankhofer sieht, fühlt sich gut.
Doch jetzt das: Die anonymen Weblogs Stationäre Aufnahme und BooCompany haben ein Video ins Netz gestellt, das den Sympathieträger gar nicht gut aussehen lässt. Sie nennen Bankhofer "Mr. Schleichwerbung". Zu sehen ist etwa diese Szene vom 25. August 2005 im "Morgenmagazin": Bankhofer unterwegs in einem Kräutergarten in Bottrop. Ein Reporter hält ihm das Mikro hin. Und dann passiert's: Bankhofer preist "die Melisse, die Klostermelisse" an, wie er sich selbst korrigiert.
Dann spult der Ernährungsexperte sein Repertoire ab. Die Klostermelisse sei reich an 22 ätherischen Ölen und helfe bei Nervosität und Erkältungen. Klingt plausibel? Klar, schließlich kennt fast jedes Kind den vor allem zu Wintertagen fleißig beworbenen "Klosterfrau Melissengeist". Das Problem ist nur: Die Klostermelisse ist eine eingetragene Marke der Maria Clementine Martin Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH. Und die steht auch hinter eben jenem Heilsaft, der seine Kraft wiederum vor allem jener Klostermelisse zu verdanken hat, einer bestimmten Zuchtform der Melisse.
Wenn Bankhofer von der "Klostermelisse" spricht, empfiehlt er also nicht ein bestimmtes Kraut, sondern ein Markenprodukt. Und das wurde Bankhofer jetzt zum Verhängnis: Der WDR, der das "Morgenmagazin" produziert, beendete am Donnerstag die Zusammenarbeit mit ihrem Gesundheits-Experten - und das mit sofortiger Wirkung.
Der Kölner Sender weist zwar den Vorwurf der Schleichwerbung zurück. Nachdem stern.de am Mittwoch beim WDR anfragte, ob an dem Vorwurf etwas dran sein, fragte der Sender Bankhofer, ob er mit dem "Klosterfrau"-Produzenten im Geschäft sei. Daraufhin versicherte Bankhofer der "Morgenmagazin"-Redaktion schriftlich, er habe "mit keiner Firma, die mit dem Thema Gesundheit, Nahrungsergänzungen und Arzneimittel - zu tun hat, einen Werbe- und PR-Vertrag" abgeschlossen. Außerdem sei "von Seiten einer Firma für meine Arbeiten kein Geld geflossen". Der Pharma-Produzent teilte stern.de zeitgleich aber mit, dass da sehr wohl etwas sei. Das Unternehmen hat nämlich mit Bankhofer einen Berater-Vertrag geschlossen.
Der "Klosterfrau"-Produzent teilte zwar mit, der Vertrag beziehe sich "nicht auf Werbe- und PR-Verträge" und Bankhofer berate das Unternehmen "wie auch diverse weitere Wissenschaftler, Mediziner und Pharmazeuten" lediglich in "Gesundheitsthemen, Naturstoffe, Vitalstoffe, prophylaktische Maßnahmen und Studien". Und auch Bankhofer selbst versucht zu beschwichtigen, wenn er sagt: "Der Vertrag enthält einen Anhang, in dem wir Werbeauftritte gänzlich ausgeschlossen haben, auf meine Initiative hin."
Dem WDR ist das aber schon viel zu viel. Die gebührenfinanzierten Sender sind nämlich in dieser Sache nach den vielen Schleichwerbe-Eskapaden der vergangenen Jahre – man denke auch an die Fälle von Produktplacement in der Serie "Marienhof" - höchst sensibel. Deshalb hat der Sender jetzt auch die Notbremse gezogen, zum einen, weil zumindest "der Anschein auf Schleichwerbung" gegeben sei und weil Bankhofer "unterschiedliche Aussagen zu dem Sachverhalt" gemacht habe.
Bankhofer sagt, er habe erst durch die neuerlichen Vorwürfe erfahren, dass die Klostermelisse geschützt sei. Einer der Blogger berichtet im Netz aber davon, was passiert, wenn sich der Name als wohlklingendes Synonym für die einfache Melisse in den Köpfen der Leute festsetzen sollte. Auf die Frage, welches Produkt denn verfügbar sei, das Klostermelisse enthalte, soll seine Apothekerin nach einem Blick in ihre Datenbank gesagt haben: "Mit Klostermelisse ist hier nur Klosterfrau Melissengeist aufgeführt." Das gleiche Spiel mit einem anderen Präparat, der Königsartischocke, die Bankhofer ebenfalls in einem Beitrag erwähnte.
Das Video dokumentiert aber auch andere TV-Auftritte, etwa in der Sendung "Die gesunde halbe Stunde" auf dem Spartensender TW1. Der hängt ebenfalls an einem öffentlich-rechtlichen Programm, zwar nicht an der ARD, dafür aber am Österreichischen Rundfunk, kurz ORF. In den Ausschnitten von diesem Frühjahr plaudert Bankhofer mit Herstellern neuer medizinischer Präparate. Mal ist das ein Pulver für Diät-Drinks, dann wieder ein Mittel, um den Cholesterinspiegel zu senken.
Die Kritiker erwähnen in ihrem Video, das sie auf Youtube gestellt haben, auch teils "weitaus billigere" Konkurrenzprodukte. Der indirekte Vorwurf: Bankhofer verschweigt sie - und damit ist das doch auch Werbung. Im Video haucht eine Stimme permanent den Ausruf "Kauf mich!".