Nicki Minaj wirkt etwas überrumpelt, als Donald Trump ihr am Mittwoch bei seinem "Trump Account Summit" anbietet, zu ihm auf die Bühne zu kommen. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber was ich sagen kann: Ich bin wahrscheinlich der größte Fan des Präsidenten, und das wird sich nicht ändern", verkündet die Rapperin vor jubelndem Publikum.
Auftritte wie dieser hinterlassen einen bitteren Beigeschmack, vor allem bei den Fans, die maßgeblich für den Erfolg der Rapperin verantwortlich sind: die aus der LGBTQ-Community.
Queere Anhänger haben Nicki Minaj nicht nur groß gemacht, sondern auch über die Jahre in der Relevanz gehalten. Die "Barbz", wie sich die Hardcore-Fans der Rapperin selbst nennen, streamten ihre Musik und verteidigten ihr Idol in öffentlichen Auseinandersetzungen, auch noch Jahre nach ihren größten Erfolgen. Genau diese Unterstützer dürften sich jetzt ordentlich hintergangen vorkommen.
Nicki Minaj vergisst, wer sie groß gemacht hat
Zum Höhepunkt ihrer Karriere in den frühen 2010er-Jahren war Nicki Minaj eine fast unumstößliche Ikone der Popkultur. Mit ihrer übertriebenen, hyperfemininen, polarisierenden Art schaffte sie es, besonders Frauen und queere Menschen abzuholen.
In dieser Zeit wusste Nicki Minaj auch noch genau, wer ihre Fans waren und wem sie ihren Erfolg zu verdanken hatte. So sprach sie sich regelmäßig für die Rechte queerer Menschen aus und verurteilte Donald Trump im Jahr 2016 für seine strenge Einwanderungspolitik.
Die in Trinidad und Tobago geborene Nicki Minaj kam selbst im Alter von fünf Jahren ohne Papiere in die USA. In ihrem Song "Black Barbies" rappte sie noch: "Inselmädchen, Donald Trump will, dass ich nach Hause gehe."
Vor diesem Hintergrund wirkt der Umschwung von Nicki Minaj ins rechtskonservative Lager unverständlich. Was jedoch auf den ersten Blick wie ein plötzlicher Sinneswandel erscheint, hat sich für aufmerksame Beobachter schon über die letzten Jahre angekündigt. Ein paar Momente stechen dabei besonders heraus und haben bei einigen "Barbz" auch schon vor ihrem Flirt mit Trump für einen Bruch mit der Rapperin gesorgt.
Öffentliche Gefechte gehören zum Tagesprogramm
Im Laufe der Jahre erschienen neue Künstlerinnen und brachten frischen Wind in die Musikindustrie. Die Musikerin bekam Konkurrenz. Statt ebenfalls mit der Zeit zu gehen, die Herausforderung anzunehmen, reagierte Nicki Minaj defensiv. Die Angst, als die "Queen of Rap" vom Thron gestoßen zu werden, ließ sie besonders an ihren Musikkolleginnen aus.
Bei den öffentlich ausgetragenen Gefechten wurde sie häufig persönlich, beleidigend und übermäßig ausfallend. So zog sie in ihrem Song "Bigfoot" über die Rapperin Megan Thee Stallion her und spottete unter anderem über deren verstorbene Mutter. So wurde Minaj langsam zum "Mean-Girl" der Musikindustrie, wurde als Person ohne Moral oder Gewissen wahrgenommen.
Twitter-Chaos und verurteilter Ehemann
Politisch eckte Nicki Minaj das erste Mal im Zuge der Coronapandemie an. In einem Post auf X, damals noch Twitter, bekundete die Rapperin ihre Sorge um die Covid-Impfung. Dabei erzählte sie die Geschichte eines Bekannten aus der Heimat, der ihr zufolge nach der Impfung impotent geworden sei.
Für den Tweet musste Minaj viel Kritik einstecken. Die Twitter-Nutzer warfen ihr vor, falsche Informationen zu verbreiten. Der Gesundheitsminister von Trinidad und Tobago dementierte einen solchen Vorfall.
Unabhängig von Minajs politischen Überzeugungen hatten die "Barbz" es in den vergangenen Jahren auch so schon vermehrt schwerer, ihr Idol zu verteidigen. Nicki Minajs Ehemann Kenneth Petty, mit dem die Rapperin seit 2019 verheiratet ist, stellt für viele Fans ein absolutes No-Go dar. Der hat nämlich eine ordentliche Vorstrafenliste: versuchte Vergewaltigung, Totschlag und Verstoß gegen die Meldepflicht als Sexualstraftäter.
Der finale Bruch, besonders mit der queeren Community, dürfte im Dezember 2025 stattgefunden haben, als sie die Bühne einer Veranstaltung der ultrakonservativen Organisation Turning Point USA betrat. Ab diesem Moment gab es keinen Interpretationsspielraum mehr, was die politischen Ansichten der Rapperin anging: Minaj hatte nun bei einer rechten Veranstaltung gesprochen und dabei öffentlich ihre Unterstützung für Donald Trump kundgetan.
Woher denn nun der Sinneswandel?
In gewisser Weise hat Nicki Minaj die Frage, woher ihr Umschwung kam, auf der Bühne von Turning Point USA selbst beantwortet. Der Geschäftsführerin Erika Kirk sagte sie in der Fragerunde, sie habe einfach keine Lust mehr gehabt, herumgeschubst zu werden. "Es ist uns nicht mehr erlaubt, eine andere Meinung zu haben. Wir dürfen unsere Gedanken nicht mehr laut aussprechen", klagte die Rapperin.
Die Kritik der vergangenen Jahre, sei es wegen ihres vorbestraften Ehemannes oder der öffentlichen Schlammschlachten, könnte diese Denkweise bei der Rapperin verankert haben. Im Trump-Lager rennt sie mit einer solchen Rhetorik jedenfalls offene Türen ein.
Die US-amerikanische Sängerin Lizzo hat noch eine weitere Theorie: In einem inzwischen gelöschten Tiktok-Post zeigt sie sich von Minajs Wechsel der politischen Lager nicht überrascht. Stattdessen erwartet sie in den nächsten Monaten und Jahren, dass sich weitere Prominente öffentlich an Trump hängen werden – weil das Vorteile für sie bringe.
Es gibt bereits Beispiele: Snoop Dogg war jahrelang lautstarker Trump-Gegner – bis der seinen Kumpel "Harry-O" Harris (Mitgründer des Musiklabels Death Row) begnadigte. Danach lobte Snoop ihn öffentlich. So eine Geste kann viel bewegen. In dem Licht wirkt Minajs Kurswechsel wie Kalkül, schließlich bringt ihr Mann eine beachtliche Vorstrafenliste mit. Genau bei solchen Leuten hat Trump in der Vergangenheit schon geholfen – mit Begnadigungen oder Strafmilderungen.
Nicki Minaj besiegelt ihren eigenen Untergang
Mit ihrer treuen Anhängerschaft hat Minaj es sich bereits jetzt ordentlich verscherzt. Ihre Karriere dürfte damit erst mal in der Vergangenheit liegen. Denn die Menschen, die ihr gerade noch bei den ultrakonservativen Veranstaltungen zujubeln, werden wahrscheinlich nicht diejenigen sein, die am Ende des Tages auch ihre Musik streamen werden.