Lernen Sie schmecken!

17. April 2012, 12:00 Uhr

Wer Wein nicht nur gerne trinkt, sondern auch wissen möchte, was seinen Gaumen so erfreut und warum es so herrlich mit dem Rehrücken harmoniert, ist genau richtig an der Viniversitaet. Dort werden alle Sinne für die Beurteilung eines Tropfens trainiert. Von Claudia Pientka

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Welcher Wein in welches Glas gehört ist nur eines von vielen Themen an der Viniversitaet©

Wein trinken Sie schon gerne, aber den Unterschied zwischen einem Pinot Grigio und einem Grauburgunder könnten Sie nicht erklären? Schwiegermutter hat Ihnen fünf Sets Weingläser vermacht, doch die decken Sie mehr nach Geschmack denn nach Weinzugehörigkeit ein? Und außerdem haben Sie sich schon immer gefragt, wann ein Wein nun dekantiert werden muss und wann nicht? Dann sind Sie genau richtig in der Viniversitaet.

Aber machen Sie sich keine Illusionen: Mit einer klassischen Weinprobe hat ein Weinseminar in der Viniversitaet wenig zu tun. Denn statt im urig-kühlem Weinkeller treffen sich die Teilnehmer im hell ausgeleuchteten Tagungsraum eines Hotels, konzentrieren sich auf einen Overhead-Projektor, statt sich an mannshohe Eichenfässer zu stützen und statt eines dicken Winzers entkorkt die kundige Weinfachberaterin Siv Sperber die Flaschen.

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Das Riechen ist nicht nur Getue, am Gaumen entspricht ein Wein den Erwartungen, die man vorher mit der Nase geweckt hat©

Geruch von "buttriger Aprikose"

"Weinbasics - der Start in die Weinwelt" heißt das Grundseminar, das Laien die ersten Schritte in die Welt des Weines erleichtern soll. Auf dem Programm stehen die wichtigsten Rebsorten für Weiß- und Rotweine, internationale Weinstile und die Kunst des Etikettenlesens, außerdem praktische Hinweise fürs Entkorken, Kühlen und Kochen. Und natürlich wird auch Wein verkostet, samt obligatorischem Spucknapf.

Doch vor dem Trinken kommt das Schauen und Riechen. "Halten Sie Ihr Glas vor eine helle Fläche und prüfen Sie die Farbe!" erklärt Seminarleiterin Sperber. Ein Fragebogen bietet Entscheidungshilfen: Ist der Wein eher klar oder trüb? Die Intensität blass oder tief? Die Farbe eher grüngelb, hellgelb oder goldgelb? Einige Teilnehmer rätseln, wo da ein Unterschied sein soll. Denn oft unterscheiden sich die Nuancen nur in den Augen der Betrachter. Noch unterschiedlicher fallen die Urteile beim Geruchstest aus: Da reicht die Palette der Beschreibungen von "buttriger Aprikose" über "mineralisch" bis zu "ich riech' gar nichts".

Auch mal spucken statt schlucken

Was man als Trinker vom Riechen hat, erklärt Siv Sperber: "Am Gaumen entspricht ein Wein den Erwartungen, die wir vorher mit der Nase geweckt haben." Am Wein riechen ist also nicht nur weltkluges Getue, sondern gibt unserem Geschmackssinn schon mal das Signal: "Achtung, gleich kommt was Aprikosiges, Mineralisches oder Holziges".

Ein weiterer Vorteil des Geruchstests: Das Nasenbad in wohligen Aromen schürt die Lust auf den ersten Schluck. "Aber Vorsicht", warnt Sperber, "die Spucknäpfe dienen nicht nur zur Dekoration. Autofahrer sollten den einen oder anderen Schluck ausspucken, denn bei einer Probe mit zehn Weinen kommt schon was zusammen."

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Riechen, schwenken, schmecken - Teilnehmer des Weinseminars schulen ihre Geschmacksnerven©

Nicht auf einen Geschmack einschwören

Doch niemand hält sich so recht an ihren Rat - zu viel Spaß macht das Riechen, Schwenken und Schmecken. Da diskutiert ein Paar über den Säuregehalt des Rieslings, zu ermitteln über ein Ziepen am Zungenrand, "Also bei mir fühlt sich das ganz schön sauer an", während die Dame daneben entsetzt den Geruch eines Chardonnays beschreibt: "Riecht wie alter Käse".

Natürlich werden alle Weine blind verkostet, erst fünf Weiße, dann fünf Rote; nummerierte Kreise auf einem Platzdeckchen helfen dabei, die Gläser auseinander zu halten. Nach jeder Runde mit zwei oder drei Sorten dürfen die Teilnehmer raten, was sie gerade getrunken haben. Und für einen Anfängerkurs tun sie das mit einer verblüffenden Treffsicherheit: "Das ist ein Chardonnay", erklärt ein Herr. "Und woran haben Sie ihn erkannt?", fragt Sperber. "Weil ich ihn nicht so mag."

Überhaupt beweist das Weinseminar einmal mehr, wie verschieden Geschmäcker sind. Denn es geht nicht darum, alle auf ein Gusto einzuschwören, vielmehr werden den Interessierten Instrumente in die Hand gegeben, die bei der Beurteilung eines Weines helfen: Wie lange schmeckt der Wein nach dem letzten Schluck noch nach? Wie ruppig raut der Gerbstoff am Gaumen? Und wie lange kann ich den Wein daher noch lagern?

Fett und Eiweiß eliminieren die Säure

Und eines lernen die Hobby-Kenner am Ende auch noch: Zwischen Mögen und Nicht-Mögen liegt oft nur ein Stückchen Käse. Dass der, entgegen der weit verbreiteten Meinung, oft besser mit Weiß- denn mit Rotwein harmoniert, beweist Frau Sperber mit einem Camembert. "Wem die Säure eines Rieslings zu stark ist, der sollte dazu ein Stück Käse probieren", erklärt sie, "denn dessen Fett und Eiweiß lösen das Unangenehme in Wohlgefallen auf."

So gehen die Teilnehmer am Ende mit einer Menge neuen Wissens nach Hause: Ein Grauburgunder ist ein Pinot Grigio, Tulpengläser werden mit Burgunder gefüllt und dekantiert werden nur Weine, die noch nicht ganz ausgereift sind.

Seminare an der Viniversitaet Die Weinschule bietet, je nach Kenntnisstand und Interesse, drei Basisseminare an: Weinbasics, Weinkenner und Weinprofi. Die etwa dreieinhalb-stündigen Einheiten sind nicht ganz billig, der Basiskurs kostet 73 Euro, die Aufbauenden 83 Euro. Wein wird reichlich gereicht und während der Pause wird ein kleines Buffet serviert. Andere Seminarthemen sind: Rot- und Weißwein, Weinland Deutschland bzw. Frankreich, Italien, Neue Welt und "Wein und Käse" bzw. Schokolade.
Städte, in denen die Viniversitaet ihren Sitz hat, sowie Termine und Online-Buchung unter www.viniversitaet.de

 
 
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