In seinem neuen Buch "Der Bohlenweg" erklärt Musikproduzent Dieter Bohlen den Deutschen, wie man erfolgreich und glücklich wird. Ein Gespräch über Geld, Sex - und Gott.

So sehen Sieger aus: breit grinsen, lässig wippen. Bohlen, 54, beim stern-Fototermin© Timmo Schreiber
… aber diesmal geschrieben vom Pop-Titan himself!
Das wusste ich auch nicht, als ich angefangen habe, aber mit jeder Seite hat es mir mehr Freude bereitet. Es war eine wahnsinnige Erfahrung, in meiner Wohnung auf Mallorca, draußen rauschen die Wellen, die Leute gehen schwimmen, ich sitz da tik-tak-tik-tak an meinem Laptop.
Vor den Erfolg hat der liebe Gott den Schweiß gesetzt.
Ich bin ein ziemlich erfolgreiches Kerlchen, und nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Das Leben ist kein Ponyhof. Es geht um Leistung. Du musst von morgens bis abends schuften wie ein Galeerensträfling.
Ich wende mich an die kleinen Leute, die davon träumen, Erfolg zu haben. Es ist ein Buch über mein Leben und darüber, was ich richtig und was ich falsch gemacht habe. Zum Beispiel, wie ich einmal mein gesamtes Geld in Aktien gesteckt hab, dann sauste der Kurs in den Keller - und ich war pleite. Oder wie auf meinem Boot das Klo explodiert ist, was für eine Schweinerei das war: Alles, was fünf Leute in zwei Wochen verdaut hatten, ist uns mit 100.000 atü um die Ohren geflogen. Aber auch darüber, wie man zum erfolgreichsten Mann im Entertainment-Business wird.
Exakt. Leider bekommen heute viele junge Menschen Botschaften vermittelt wie: Leistung ist Käse, Kiffen ist geil, haut dem Lehrer auf die Fresse, brecht die Schule ab, ihr könnt auch so ganz viele Autos und Mädels haben. Das kriegen die doch dauernd eingehämmert von diesen Rappern mit ihren Schwachsinnstexten. Das ist einfach Tinnef, da krieg ich einen dicken Hals. Da muss ich dagegenhalten. Jede These braucht eine Antithese.
Der Wert von Geld interessiert mich null. Mich interessiert die Freiheit, die das Geld mir verschafft: morgens aufstehen und machen, worauf ich Lust hab. Eigentum wie zum Beispiel eine große Villa hat auch große Nachteile. Du brauchst Angestellte, und wenn du Angestellte hast, kannst du zum Beispiel nicht mehr nackt im Haus rumlaufen und einfach mal laut pupsen.
Ich hoffe, dass er das nicht tut. Das wäre das Gegenteil von dem, was ich erreichen möchte. Ich will ihm nur nahebringen, dass vieles, was man ihm vorgaukelt, nur Illusionen sind und es ihm objektiv besser geht, als er das empfindet.
Wieso?
Moooment! Es ist doch nicht so, dass ich bei "Deutschland sucht den Superstar" wahllos Kandidaten fertigmache. Es gibt gute, die haben von mir nichts zu befürchten. Es gibt mittlere, die lasse ich auch in Ruhe. Und es gibt Vollpfosten, die nichts können und dabei noch 'ne dicke Fresse haben. Die kriegen von mir.
Es wäre doch einfach schade, wenn ich morgen tot umfalle und alles, was ich in 54 Jahren an Erfahrung und Erkenntnissen gewonnen habe, auf einmal weg ist.
Darf man mit 54 nicht vernünftiger werden? Ich geh nicht mehr weg, mach keine Party mehr - haben Sie in den letzten Monaten was Skandalöses über mich gelesen?
Ich bin seit zweieinhalb Jahren mit der richtigen Frau zusammen …
Korrekt. Weil es mit Carina einfach supertoll ist. Mit allen Freundinnen, die ich im Leben hatte, habe ich mich oft gezofft. Mit Carina nicht. Ich hab keine Lust mehr auf Streit. Wenn sie zu mir sagt, der Fußboden ist rot, aber in Wahrheit ist er schwarz, dann denk ich mir: Du hast recht, und ich hab meine Ruhe. Ich verbrauch kein einziges Promille Energie mehr für solche Kabbeleien. Dadurch wird auch der Kopf ein bisschen klarer, und ich kann die gewonnene Energie besser einsetzen.
Klar ist sie nicht mehr das, was sie mit 18 war. Ihr müsst die mal anfassen bei einem 18-Jährigen …
… das ist ein Riesenunterschied, der ist noch im Voll-Power-Besitz. Im Lauf der Jahre lässt das natürlich auch bei mir geringfügig nach.
Keine Bange, Carina und ich toppen definitiv den Bundesdurchschnitt. Der liegt bei zweimal die Woche.
Ich hoffe.
Mir wär's lieber gewesen, ich hätte mit 20 die Frau fürs Leben kennengelernt. Ist eben nicht so gelaufen, stattdessen hatte ich viel Spaß und viel Terror und viel alles. Als junger Mann war ich wie eine Sektflasche, die man zu lange geschüttelt hat, und dann macht das pffffff.
Nein. Vielleicht konnte ich beruflich ja nur so erfolgreich sein, weil meine ganze Energie da reinging.
Ja, das hat dieser komische Friseur gesagt, der sich letztes Jahr bei "DSDS" blamiert hat. Ist dann auch in der ersten Runde rausgeflogen. Ich beklage mich nicht. Aber wenn ich so einem dann Kontra gebe, versteht das doch jeder.
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Stern
Ausgabe 41/2008