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Instagram-Model erklärt traurige Wahrheit hinter ihren Bildern

Essena O'Neill lebt den Social-Media-Traum vieler Mädchen: Hunderttausende folgen ihr bei Instagram oder sehen sich ihre Youtube-Videos an. Ständig ist sie online und postet Nachschub. Bis sie es nicht mehr aushält.

Instagram-Model erklärt die traurige Wahrheit hinter den Bildern

Essena O'Neill bei Instagram: Über 100 Versuche, den Bauch gut in Szene zu setzen

Sie schreit ihre Schwester an, noch ein Foto zu machen und noch eins und noch eins - bis endlich eines dabei ist, mit dem sie leben kann. Sie nimmt hundertmal ähnliche Posen ein, um ihren Bauch in Szene zu setzen. An manchen Tagen ist ihr neuestes Instagram-Bild das Einzige, was sie glücklich macht. Sie definiert sich über die Zahl der Likes, die Masse ihrer Follower, die Klickzahlen ihrer Videos. Aber während sie im Netz immer erfolgreicher wird, kann sie sich im wahren Leben selbst immer weniger leiden.

Also zieht Essena O'Neill einen Schlussstrich und beendet ihre penibel geplante Social-Media-Karriere auf radikale Weise: Die 19-Jährige stellt ihre Aktivitäten bei Youtube und Snapchat von einem Tag auf den anderen ein, außerdem löscht sie über 2000 Fotos bei Instagram.

"Ich wünschte, jemand hätte mich geschüttelt"

Ein paar Bikini-Bilder und Selbstporträts lässt sie jedoch online, versehen mit modifizierten Beschreibungen wie: "Ein gebräunter Körper ist nicht alles, zu dem wir Menschen fähig sind" oder "Ich wünschte, jemand hätte mich geschüttelt und gesagt: 'Du hast so viel mehr als deine Sexualität in dir', als ich 16 war'".

Damit aber nicht genug der Selbstkritik, denn Essena O'Neill ist auf einer Mission: Ihre neue Webseite heißt "Let's Be Game Changers" - frei übersetzt: "Lasst uns das Spiel verändern". Dort postet sie einen Clip namens "The Truth", in dem sie ihre Beweggründe erklärt, warum sie nicht mehr in sozialen Medien aktiv sein möchte. Selbstreflexion, ganz ungeschminkt und angezogen. Über 800.000 Mal wurde der Film bisher angeklickt.

Allerdings bleibt ein Beigeschmack: Hat O'Neill nur die Message gewechselt, aber ihren Selbstdarstellungstrieb noch lange nicht unter Kontrolle gebracht? Immerhin postet sie am selben Tag nicht nur ihr "The Truth"-Video, sondern wenig später gleich noch ein weiteres Video mit dem Titel "Overwhelmed und beyond words grateful" (frei: "Überwältigt und sprachlos vor Dankbarkeit"), in dem sie sich - zu Tränen gerührt - für die große Unterstützung bedankt. Und weil "The Truth" ja ihr letztes Youtube-Filmchen sein sollte, postet sie "Overwhelmed ..." eben bei der Konkurrenz-Plattform Vimeo.

Aber dadurch wird die Botschaft natürlich nicht weniger wichtig. Vielleicht macht das ehemalige Instagram-Model manchen Mädchen Mut. Vielleicht erreicht ihr Weckruf andere Teenager, die unter dem Druck der sozialen Medien leiden. Vielleicht ändert sie das Spiel wirklich. Dann hätte der Narzissmus, der Essena O'Neill krank gemacht hat, wenigstens einen positiven Effekt für den Rest der Netzwelt.

Tim Sohr

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