. .
Leute - Stars und Promis
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. März 2007, 10:00 Uhr

"Sie gab ihm Cola. Da bin ich ausgerastet!"

Er ist ein höflicher Brite, und seine Königin findet er "lovely". Wenn es allerdings um Kinder und ihre Ernährung geht, kann Jamie Oliver ziemlich unangenehm werden.

Die Mohrrübe durch den Kopf war Olivers eigene Idee: "Prima Motiv, manchmal fühle ich mich genau so"© Volker Hinz

Himmel, sieht der jung aus: 31 Jahre ist Jamie Oliver laut Geburtsurkunde, aber dann müsste er ja ein paar Fältchen haben, wenigstens eine Spur ungesunden Teints - aber nein: Sein Strahlegesicht leuchtet in den gesündesten Farben. Erstaunlich, wenn man bedenkt, was der Mann bisher in sein Leben gepackt hat: Massiv erfolgreiche Kochshows abgedreht. Seine Kochbücher verkaufte er weltweit zwölf Millionen Mal (sein siebtes, "Besser kochen mit Jamie", erschien vor wenigen Wochen bei Dorling Kindersley und sprang sofort auf die Bestsellerlisten). Damit nicht genug: Seine Stiftung "Fifteen" bildet arbeitslose Jugendliche zu Köchen aus. Und vor zwei Jahren sein größter Coup: Nachdem Oliver in einer TV-Dokumentation das englische Schulessen als endlose Abfolge von Pressfleisch, Pommes und Süßigkeiten gebrandmarkt hatte, gab die englische Regierung fast eine halbe Milliarde Euro aus, um die Qualität der Kantinen zu verbessern. Jamie Oliver ist also der gute Mensch von London. Und ein braver Brite: Maggie Thatcher fand er klasse. "Fucking" sagt er gern und in jedem Satz - allerdings klingt das nicht ordinär, sondern so weich wie "lovely". Mit dem letzteren Wort belegt er gern die königliche Familie - und deshalb zielt die erste Frage ganz nach oben:

Herr Oliver, als Sie in den Adelsstand erhoben wurden, haben Sie da mit der Queen über Essen gesprochen?

Aber nein. Bei diesen Zeremonien sagen Sie exakt das, was Ihnen das Protokoll vorgibt. Es ist alles sehr ... königlich. Toll.

Aber die Royals essen doch recht merkwürdige Sachen, oder?

Würde ich nicht sagen: Im Palast wird konservativ gegessen. Sie essen Braten, eine kleine Pie, etwas lecker gemachtes Gemüse. Dinge, die ich in meinen Rezepten kombiniere, essen die Royals einfach hintereinander. Aber ich würde der Queen nie Vorschläge machen. Sie ist die Königin.

Dafür haben Sie der Regierung Ihrer Majestät 400 Millionen Euro aus dem Kreuz geleiert, um die Schulernährung zu verbessern.

432 Millionen, mein Lieber. Und neue Gesetze: kein Verkauf von Softdrinks. Keine Süßigkeiten mehr in Schulen. Ich bin sehr stolz darauf.

Aber in den vergangenen Monaten ging das Kantinenpersonal auf die Barrikaden - zu viel Arbeit mache das frische Essen.

Es gibt 125.000 "Dinner Ladys" in Großbritannien. Etwa die Hälfte ist von der alten Schule. Die waren es gewohnt, frisches Essen zu kochen, und sind völlig auf meiner Seite. Die andere Hälfte ist jünger, wurde nie anständig geschult und war in den vergangenen Jahren damit beschäftigt, die Tüten des Fertigessens aufzuschneiden. Von denen haben sich einige beschwert? Okay.

Und als Sie die Sache mit den Schulkantinen auf den Weg brachten, haben Sie sich mit den Eltern angelegt: Deren Lunchpakete bezeichneten Sie als "Schande".

Ich habe das gesagt, als mich eine Mutter beschimpfte, ich würde die Schule mit meinem Reichen-Essen verderben. Reichen-Essen - für noch nicht mal einen Euro! Wahrscheinlich war schon Kochen für diese Frau eine Oberschicht-Angelegenheit. Also: Sie schimpfte, ich schimpfte zurück. Da nimmt sie eine Cola-Flasche und gibt daraus ihrem Kind zu trinken. Das Kind war etwa ein Jahr alt. Da bin ich ausgerastet!

So viel Wut wegen einer Cola?

Ich war es einfach leid, so verdammt politisch korrekt zu sein. Außerdem hatte mir kurz vorher ein Kinderarzt gesagt: "Wenn ich ein Kind sehe, das geschlagen worden ist, zeige ich das beim Jugendamt an. Nun behandele ich seit Monaten ein Kind wegen chronischer Verstopfung. Die hat es, weil es nur Mist isst. Ich habe den Eltern kostenlose Kochstunden besorgt, Kochbücher, die wissen genau, was los ist. Es ändert sich nichts: Inzwischen muss das Kind Einläufe bekommen. Es ist lethargisch. In der Schule läuft nichts. Das ist Kindesmisshandlung, und ich kann nichts machen." Da kann man doch echt zu viel kriegen.

Ist schlechtes Essen eher in der Unterschicht anzutreffen?

Ja, ganz klar - die Zahlen sind eindeutig. Das sind die verschobenen Prioritäten: Ein Handy oder ein schicker Fernseher ist vielen einfach wichtiger als gesundes Essen - für das fehlt dann oft das Geld. Es geht auch anders: In Italien habe ich zwei Tage lang bei einem Straßenkehrer zu Hause gegessen - der Mann isst wirklich gut. Übrigens auch besser als eine Menge der reichen Jungs, die ich in London kenne.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2007

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Kinder-Gourmets Hummer statt Schnitzel mit Pommes

Kinder mögen Pommes oder Spaghetti. Auf keinen Fall jedoch Hummer oder Trüffel. Denkste! In den USA werden bereits Dreijährige in Kochkursen zu Gourmets erzogen. Nicht ganz freiwillig. mehr...

Preiswert kochen Fünf Euro, und keinen Cent mehr

Die Mission: ein Essen für zwei kochen, das satt macht und schmeckt. Das Budget: fünf Euro, und keinen Cent mehr. Sternekoch Gunnar Hinz nimmt die Herausforderung an - und zaubert einen Skihüttenklassiker in der Deluxe-Variante. mehr...

Sarah Wiener Die Frau mit dem gewissen Biss

In Kochshows gibt sie gern den Paradiesvogel. Eine naive Küchenmamsell ist Sarah Wiener aber nicht: Ihr Leben vor dem Ruhm war ultrahocherhitzt - und es hat sie durchaus abgehärtet. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft