Lauren Frances, Ex-Lebenspartnerin von "Simpsons"-Erfinder Matt Groening, arbeitet als Liebes-Coach in Los Angeles. Die "Feministin im Wonderbra" hat jetzt einen Sex-Ratgeber veröffentlicht, in dem sie Männer mit Vögeln wie Schluckspecht, Schmutzfink oder Geier vergleicht - und Frauen sagt, wie sie diese pflegen. Von Christine Kruttschnitt, Los Angeles

Angriffsziel Mann: Lauren Frances weiß, wie Frau den besten Treffer landen© Walter Lockwood
Lektion eins. Du bist mit deinen Freundinnen in einer Bar, an der Theke hängen ein paar Typen rum, die sich blendend amüsieren (lautes Gelächter, geblähte Brust etc.), aber immer wieder mit leicht unterzuckertem Blick das Territorium absuchen. Du bist interessiert. Du bist bereit. Die Typen hirscheln, aber nix passiert. Was tun?
"Du machst Folgendes", sagt Lauren Frances und senkt als erstes ihre langen Wimpern halbmast über die schokoladenmoussebraunen Augen, so dass sie guckt wie eine Katze auf der Fensterbank. Sie legt den Kopf mit den langen, verwuschelten dunklen Haaren einen Tick in den Nacken, schürzt die Lippen, als würde sie schnurren, und öffnet sie dann zu einem weichen, verspielten Lächeln. Sie macht eine sexy Komm-komm-komm-Geste mit dem Zeigefinger, als zöge sie an unsichtbaren Fäden das Testosteron-Rudel vom Tresen herbei, und sieht trotz dieser irgendwie albernen Marilyn-Monroe-Pose aus wie jemand, der gerade supergut gelaunt ist, eine Menge Spaß verspricht und dabei fabelhafte Unterwäsche anhat. (Anmerkung für Anfänger: Blick und Geste unbedingt erst vor dem Spiegel üben, sonst rufen Bargäste womöglich den Notarzt für die arme kurzsichtige Dame, die sich Luft zufächelt und offenbar kurz vor einem Hirnschlag steht...)
Lauren Frances braucht sich um die Lesbarkeit ihrer Signale keine Sorgen zu machen. Sie ist Profi: Sie weiß, wie man Männer anmacht, wie man sie wieder los wird, sogar wie man sie erzieht und zurechtbiegt, und woran man erkennt, dass man lieber die Finger von ihnen lassen sollte. Die Amerikanerin bezeichnet sich als "Liebes-Coach" und schamlose Flirt-Künstlerin, ihre Fähigkeiten habe sie in genussreicher, lebenslanger Recherche erworben und optimiert. Schon als Dreijährige, verkündet sie vergnügt, seien ihr die Verehrer zu Füßen gelegen, und das nicht nur, weil sie noch nicht laufen konnten: "Ich bin zum Flirten geboren."
Was lag näher, als die Ergebnisse ihres "Studiums" in einem Fachbuch zusammenzutragen. In den USA, wo die Regeln des "Dating" komplizierter sind als das Wahlsystem und das simple Zusammenleben von Mann und Frau (oder Mann und Mann oder Frau und Frau oder transsexueller Frau mit transvestitem Mann oder umgekehrt) - wo also der romantische Alltag torpediert wird von allgemeiner Verwirrung: Dort gehen Sex-Ratgeber weg wie warme Wecken.
Und weil es so viele davon gibt, hat Lauren Frances - die sechs Jahre lang mit dem Cartoonisten und "Simpsons"-Erfinder Matt Groening zusammen war - sich etwas Komisches ausgedacht: In ihrer Anmach-Anleitung vergleicht sie Männer mit Vögeln - ein ornithologischer Ausflug in die Welt von Geiern, Grünschnäbeln und Schluckspechten; erst wird das Balzverhalten analysiert, am Ende folgt eine Vogelkunde. Der Schmutzfink, Aufzucht und Pflege. Der Pfau, "Gefieder: Haargel, mehr Schmuck als Sie." Der Langschwanzbuschsänger, "Paarungsverhalten: Wenn er sagt, er spielt neun Löcher, meint er damit nicht Golf."
Man ahnt es: "Von Männern und Vögeln" ist nicht gerade subtil, aber das liegt womöglich an den Titelhelden. Die Autorin - Ende der sechziger Jahre in New Jersey als älteste Tochter eines jüdischen Ärztepaars geboren - sieht sich als "Feministin im Wonderbra", möchte Frauen "helfen, ihre erotische Macht zu entwickeln und auszuspielen". Sie kommt nicht aus der Weibchen-dreht-Däumchen-Ecke - ruft er an? Ruft er an? -, sondern empfiehlt Aktivismus.
Mit ihrem weißen Pudelmischling Penelope lebt sie in einem Apartment in Los Angeles, gleich um die Ecke eines Restaurants, in dem sie Flirt-Unterricht erteilt. Zum Interview erscheint sie in einem pinkfarbenen Hängerchen, das auch eine Zwölfjährige tragen könnte (abzüglich des beachtlichen Dekolletés), dazu stöckelt sie auf "Flipflops", wie sie ihre circa zehn Zentimeter hohen Sandaletten nennt.
Sie schwört auf hohe Hacken. Wenn sie verzweifelten Singles Einzelunterricht erteilt (pro Stunde 140 Dollar, Seminare mit mehreren Teilnehmern kosten 25 Dollar), entert sie als erstes deren Kleiderschrank. "Männer entscheiden in der ersten Sekunde, ob ihnen eine Frau gefällt oder nicht. Rein nach Optik. Frauen sind viel differenzierter, sie überlegen, ob der Typ Massenmörder sein könnte oder verheiratet. Ihre rechte und linke Hirnhälfte, Vernunft und Emotion, sind praktisch über eine sechsspurige Autobahn miteinander verbunden. Bei Männern ist diese Verbindung eine selten benutzte Schotterschneise."
Lektion zwei. Nähert sich der Typ also endlich dem Tisch. Guckt aufmerksam, fast öffnet er schon den Mund, du schlägst erwartungsvoll die Augen nieder. Er geht vorbei. "Das ist Schneewittchen-Flirten!", ruft tadelnd Lauren Frances. "Schneewittchen, als sie schon im Koma liegt. Die meisten Männer sehen im Koma keine Ermunterung. Gerade die Netteren denken: Oh, sie will nicht blöd angequatscht werden, lass ich sie mal lieber in Ruhe. Und wir wollen ja die Netteren, nicht wahr."
Das Buch Lauren Frances, "Von Männern und Vögeln. Wie man sich den Richtigen fängt", Verlag Gustav Kiepenheuer, 269 Seiten, gebunden, 14,95 Euro