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28. Oktober 2010, 12:57 Uhr

"Ich habe mich für eine Versagerin gehalten"

Sarah Connor ist seit mehr als zehn Jahren eine deutsche Popgröße. Aber jetzt fange sie noch mal neu an, sagt sie. Ein Gespräch über Scheidung, Selbsthass und einen anständigen Job. Von Sophie Albers

© Jörg Carstensen/ DPA Sarah Connor Sarah Connor aus Delmenhorst gehört mit mehr als 15 Millionen international verkauften Alben zu den erfolgreichsten deutschen Popstars. Bekannt wurde jedoch nicht nur ihre Soulstimme, sondern auch ihre Person - vor allem durch die Ehe mit dem US-Sänger Marc Terenzi und zwei Realityshows namens "Sarah&Marc in Love" und "Sarah&Marc crazy in Love". Das Paar trennte sich Ende 2008. Seit August 2010 sitzt Connor in der Jury der Castingshow "X-Factor", und mit "Real Love" ist gerade ihr achtes Album erschienen.

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich glaube, ich habe Sie bisher falsch eingeschätzt.

Ist das ein Kompliment? (lacht) Ich kann Ihnen nicht verdenken, wenn Sie mir mit einem etwas entrückten Bild meiner selbst begegnen. Das, was Sie mitbekommen haben, war ja nur, was geschrieben wurde. Dabei habe ich gar keine Interviews gegeben. Aber reden wir doch einfach mal.

Haben Sie das Gefühl, sich gerade freizuschwimmen - als Jury-Mitglied bei "X-Factor", mit dem neuen Album, privat?

Ich habe mich entschieden, "X-Factor" zu machen, weil ich dort mit meiner Kernkompetenz arbeiten kann. Über Gesang weiß ich Bescheid, da habe ich viel Erfahrung, und es macht mir Spaß. Ich bin da einfach so, wie ich bin. Ich kann mir diese Entwicklung neuer Künstler sogar als zweiten Berufszweig vorstellen. Es ist so viel dankbarer, meine Erfahrungen weiterzugeben, als immer dagegen anrudern zu müssen, was irgendwer über mich denkt. Ich habe nun mal das Los gezogen, dass über jeden Pups und jeden Klecks in meinem Leben geschrieben wird. Aber ich habe weder die Energie, noch die Zeit, noch das Interesse, da hinterherzulaufen und zu sagen "So war's aber nicht".

Warum haben Sie es dann gemacht?

Es ist unter Druck entstanden und zudem in einer Phase, in der ich selbst nicht mehr wusste, wie ich jetzt eigentlich klingen möchte. Ich habe meine Stimme gegeben, aber mein Herz war nicht so richtig dabei. Das war 2008, eine Zeit, in der wirklich sehr viel passiert ist in meinem Leben.

Wie finden Sie denn Pinks Ansatz, die mit "Fun House" ein ganzes Album über ihre Trennung gemacht hat?

Toll finde ich das. Und wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätte ich das auch gern gemacht. "Real Love" ist keine Verarbeitung meiner Scheidung, aber es spiegelt natürlich schon die Post-Trennungsphase wider. "Back From Your Love" habe ich zum Beispiel ganz am Anfang aufgenommen. Wenn ich es höre, weiß ich genau, wie traurig und verzweifelt ich damals war. Dagegen steht "Real Love", der letzte Song des Albums. Da habe ich bei der Aufnahme die ganze Zeit gegrinst und gedacht: Wow, wie kommt es, dass ich jetzt so einen Song aus vollem Herzen singen kann? Das Album dokumentiert tatsächlich musikalisch eine Entwicklung. Ich bin jetzt Sarah Connor 2.0, habe mein Leben neu sortiert, habe mit vielen Dingen abgeschlossen, aber viele Dinge auch wieder neu zugelassen. Liebe war etwas, das ich mir eine zeitlang abgesprochen habe in meinem Leben. Ich dachte, das wird nicht mehr passieren. Es geht nur noch um meine Kinder und mich. Unseren kleinen Kreis des Vertrauens.

Und beim letzten Album waren Sie noch nicht so weit?

Bei "Sexy as Hell" war ich noch nicht mal getrennt. Ich wusste nicht, was passieren wird. Ich glaube heute, dass es ein großer Fehler war, diese zweite Show ("Sarah& Marc crazy in Love", Anm.Red.) zu machen. Das bereue ich zutiefst. Marc und ich hätten dieses Jahr lieber nutzen sollen, um uns um uns zu kümmern. Aber Marc wollte es machen, und ich dachte: Okay, wenn er das jetzt gern möchte, dann muss ich das auch machen. Es war nicht gut, aber es ist halt passiert.

Ist es nicht ein verrückter Gedanke, dass Sie einen Teil Ihres Lebens an die Öffentlichkeit abgegeben haben?

Ich habe wirklich sehr viel Distanz. Ich habe ein geradezu erschreckend normales Leben mit ganz normalen Tagesabläufen. Es wundert mich immer wieder, wenn es mir abgesprochen wird. Die Leute sind überrascht, wenn sie hören, dass ich meine Wäsche selbst wasche, dass ich selbst den Vogelkäfig sauber mache. Viele kleine Dinge, die dich spüren lassen, dass du ein normaler Teil der Gesellschaft bist...

Fühlen Sie sich als normaler Teil der Gesellschaft?

Ich bin Elternsprecherin im Kindergarten (lacht)
Lesen Sie im zweiten Teil, warum Sarah Connor sich als Versagerin gefühlt hat.

Seite 1: "Ich habe mich für eine Versagerin gehalten"
Seite 2: Die anderen Eltern reagieren nicht komisch auf Sie?
 
 
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