Paartherapeutin Maxi Unger hat die Trennung der Wulffs bereits vor einem Jahr vorhergesagt. Sie ist sich sicher: Bettina Wulff wird das Ehe-Aus besser verkraften als der Ex-Präsident.
Nein, absolut nicht. Schon vor einem Jahr, als Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten ist, konnte man sehen, dass die Beziehung nicht mehr lange halten wird. Die Mimik und Gestik von Bettina Wulff sprachen Bände: Man konnte ihr ansehen, dass sie viel Respekt und Loyalität für ihren Mann verloren zu haben schien. Gemeinsamkeit und die besondere Intimität, die glückliche Paare auszeichnet, waren bei den beiden nicht mehr wahrzunehmen.
Absolut nicht! Er hat immer versucht, den Gerüchten durch Schweigen zu entkommen und sich nach seinem Rücktritt weiter zurückgezogen. Die Deutungshoheit über sein Leben hat er anderen überlassen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr das gefallen hat. Sie ist ja eher ein offensiver Typ. Vielleicht hat sie sich sogar für ihren Mann geschämt. So ist sie mit ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" in die Offensive gegangen. Denn welche Frau wünscht sich einen Mann, der nicht Herr seiner Lage ist?
Woran sie genau gescheitert sind, wissen nur die beiden. Die Frage, die sich beide nach seinem Rücktritt aber sicher gestellt haben, ist genau die: Was bleibt von uns und der Liebe, wenn der Glamour, die Macht und der Status des öffentlichen Amtes wegfallen? Was verbindet uns noch? Und da scheint nicht mehr viel gewesen zu sein.
Das ist ein Prozess, einen genauen Zeitpunkt kann man von außen kaum benennen. Die Kombination aus seinem Rücktritt und den Gerüchten über das Vorleben von Bettina Wulff war sicher eine enorme Belastung für die Beziehung. Abgesehen davon, dass in solchen Extremsituationen die Unterschiedlichkeit der Charaktere und Motive der Partner hervortritt, prüft jeder für sich, was ihm die Beziehung noch zu geben hat. Wenn dann keine Liebe oder zumindest Gefährtenschaft mehr besteht, ist es sehr schwer, so etwas als Paar zu überstehen. Jeder zieht Bilanz – und wenn die Kalküle, die mit einer Trennung verbunden sind, vorteilhafter scheinen als die des Zusammenbleibens, dann geht man auseinander, wenn nichts anderes die beiden verbindet.
Ich glaube, sie war die treibende Kraft im Hintergrund. Sie hat ihre öffentliche Rolle als First Lady in Niedersachsen und anschließend in Berlin gut gespielt.
Mit Respekt vor der gemeinsamen Vergangenheit und möglichst ohne Vorwürfe und Opfergefühle. Da sind auch noch die Kinder, die von den Problemen ferngehalten werden sollten, mit denen viele Paare in der Trennung zu kämpfen haben. Wie bei "normalen" Familien sollten sie vor Loyalitätskonflikten verschont werden. Für die Kinder ist es wichtig, dass die Eltern in Bezug auf Erziehung und Umgang kooperieren und die Elternrolle von der Paarbeziehung trennen können. Das gibt den Kindern Sicherheit und ein gewisses Maß an Kontinuität.
Mit dem Altersunterschied geht jedes Paar unterschiedlich um, das kann man nicht pauschalisieren. In dem Buch, das Bettina Wulff im letzten Jahr geschrieben hat, kann man aber erkennen, dass ihr die eigene Selbstverwirklichung wichtig ist. Und das kann dann wiederum eine Generationsfrage sein, die sie von ihrem Mann unterscheidet. Sie wird nach der Trennung, wenn sich alles ein bisschen beruhigt hat, durchstarten. Um Bettina Wulff brauchen wir uns jedenfalls keine Gedanken machen. Sie ist selbstbewusst und dominant genug – sie wird ihren Weg gehen.
Für ihn wird es eher schwer, bei ihm ist die Fallhöhe viel größer. Er fühlt sich von seiner Frau und ihrem Buch bloßgestellt, das kann man jedenfalls annehmen. Ihm würde es vielleicht helfen, sein Verhalten der letzten Jahre zu hinterfragen. Wovon habe ich mich korrumpieren lassen? Was war der Preis?