Männer dirigieren die Sexmesse Venus, Frauen den "Feministischen Pornofilmpreis", der am Samstag erstmals verliehen wird. Was ist eigentlich ein feministischer Porno? Aktivistin Laura Méritt erklärt es im stern.de-Interview.
Genau. Das kann man sehr gut vergleichen.
Nein. Die Antwort auf Porno ist ja nicht kein, sondern mehr Porno! Vor allem gute. Und faire.
Erstens muss weibliche Lust dargestellt werden. Das ist in den herkömmlichen Filmen nicht der Fall, weil die auf die Ejakulation des Mannes hinarbeiten. Zweitens muss er vielfältig sein - sowohl bei den Sexualpraktiken, als auch bei der Kameraführung, den Geschlechtern, Altersgruppen, Körpertypen und auch Kulturen. Drittens sollten Frauen nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera stehen. Und viertens müssen die Arbeitsbedingungen am Set ethisch sein: Niemand soll über seine Grenzen gehen müssen und alle müssen respektvoll behandelt werden. Dazu kommt natürlich eine adäquate Bezahlung.
Wir haben die Pionierinnen eingeladen: Candida Royalle, Annie Sprinkle, Petra Joy und andere, sexpositive Frauen, die sich sehr verdient gemacht haben. Und wir haben Filmzusammenschnitte. Dann wird die Auster überreicht.
Doch. Die herkömmlichen Pornos haben viele Elemente davon. Und die lehnen wir durchaus ab. Ich stimme mit der Anti-Porno-Kampagne "PorNo" insofern überein, dass Sexismus und Rassismus in Pornos abzulehnen und zu bekämpfen sind. Nur wollen wir nicht nur dagegen sein, sondern treten für gute Pornos. Dafür ist erst jetzt der Weg bereitet.
Die Frauen stört vor allem ein einseitiges, klischeehaftes Bild - mit Riesen-Schwänzen und großen Brüsten. Und dass alles immer zugespritzt werden muss. Diese Leistungsshow lehnen wir ab. Frauen sollen das Recht haben, "Nein" sagen zu können.
Das ist mindestens zehn Jahre her, dass die Frauen gesagt haben: Wir wollen auch eine Geschichte drum herum haben. Das ist ja auch nachvollziehbar, wenn 99,9 Prozent der Filme so gemacht sind, dass beide direkt aufeinander zugehen und losvögeln. Aber die Vielfalt der Wünsche der Frauen ist heute sehr groß. Und mittlerweile sind die Frauen auch sehr viel offener. Bei mir gibt es Tage, da will ich einen Spielfilm mit Sexszenen. Und es gibt Tage, da will ich keinen Rahmen drum herum.
Ja. Wir sind 20 Jahre weiter. Der Boden, die Technik und die Akzeptanz in der Gesellschaft sind da.
Der Vertriebsweg war bisher eines der Hauptprobleme. Inzwischen gibt es ganz viele Boutiquen, die hübsch sind und gute Qualität haben - und da findet man auch diese Filme.
Der Markt bricht zwar ein und irgendwann ist die DVD-Zeit vorbei. Aber trotzdem sind gerade Frauen, aber zunehmend auch Männer bereit, mehr Geld für Qualität zu zahlen und gute Bedingungen honorieren, wie bei Bio-Produkten auch. Aber selbst bei YouPorn gibt es auch Filme, die sehr gut sind.
Letzte Woche, einen Film von Annie Sprinkle.