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Liebe im Beichtstuhl: Italienisches Pärchen zelebriert Sexmesse

Sex, heißt es, kann durchaus einen spirituellen Charakter haben. Übertrieben hat es diesbezüglich aber ein Pärchen im italienischen Cesena. Es liebte sich im Beichtstuhl - während der Sonntagsmesse. Der örtliche Bischof will diese Verunglimpfung mit einer ganz besonderen Messe wettmachen.

Von Luisa Brandl, Rom

In der kleinen Stadt Cesena, westlich von Rimini, gibt es nur noch ein Gesprächsthema. Ob beim Espresso an der Bar, beim Friseur, am Zeitungskiosk, oder im Milch-und-Butter-Laden - ganz Cesena rätselt: Welcher Teufel hat dieses tolldreiste Liebespaar geritten? Eine 32-jährige Erzieherin und ein um ein Jahr jüngerer Arbeiter sollen sich indes nicht mehr trauen, ihre Wohnungen zu verlassen; offensichtlich fürchten sie, dass man sie auf offener Straße erkennt.

Die Missetat geschah am Sonntag um sieben Uhr früh. Während der Morgenmesse im vollbesetzten Dom trieben es die beiden Sexbesessenen im Beichtstuhl. Das penetrante Stöhnen und Ächzen hinter dem Vorhang der Holzkabine riss einige der anwesenden Gläubigen jäh aus dem Gebet. Doch offenbar wagte keiner der Gläubigen, den Vorhang zu lüften. Erst als die herbeigerufenen Karabinieri angerückt waren, wurde dem Spektakel Einhalt geboten. Die Missetäter wurden eilig abgeführt, während der Pfarrer ungerührt die Messe weiter las und so tat, als sei nichts gewesen.

Ausgerechnet in der Stadt der drei Päpste

Natürlich hatte das respektlose Treiben Folgen. Die unerlaubten Sexspiele brachten dem Paar gleich drei Anzeigen ein - wegen obszöner Handlungen in der Öffentlichkeit, Störung der religiösen Funktionen und Erregung öffentlichen Ärgernisses. "Für uns ist es das Gleiche, ob wir Sex in der Kirche haben oder an einem anderen Ort, " sollen sich die beiden erklärten Atheisten laut "Corriere della Sera" gerechtfertigt haben. Die Erzieherin mit einem Hang zu gruftiger Mode und Musik soll dem Lokalblatt "Corriere di Romagna" gesagt haben, dass sie vor dem besagten Sonntag nur einmal in ihrem Leben in der Kirche gewesen sei. Eine Tatsache, die in der Kleinstadt, die in ihrer Geschichte drei Päpste hervorgebracht hat, allein für sich genommen schon fast einen Skandal darstellt.

Der zuständige Bischof von Cesena, Antonio Lanfranchi, zeigte sich "sehr verärgert" und keineswegs bereit, die Schande auf sich beruhen zu lassen. Mit dem Rat eines Experten für Kirchenrecht fand die Diözese heraus, dass die Möglichkeit zu einer Wiedergutmachungs-Messe besteht, wenn die Verunglimpfung als besonders schwerwiegend einzustufen ist. Der Bischof lässt keinen Zweifel daran, dass hier der Fall zutrifft. Er hat alle Gläubigen von Cesena dringend aufgefordert, gemeinsam zu beten, um die Beleidigung wettzumachen.