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Softpornos und stöhnende Sextoys Chinas neue Lust auf Sex


Die schönste Nebensache der Welt wird in China mehr denn je zelebriert: Früher, öfter und mit allen denkbaren Hilfsmitteln. Prüde war gestern, jetzt boomt der Sexmarkt bei den Chinesen.

Auf der Sexmesse im südchinesischen Guangzhou bereitet sich die japanische Nackttänzerin Rei Mizuna auf ihre Show vor. Vor der Bühne kommt es zu Gerangel und Geschrei, viele im Publikum können den Auftritt kaum erwarten. "Alle sind so begeistert und ich freue mich echt darüber", sagt die zierliche Mizuna. Diesen Rummel habe sie nicht erwartet. Auf dem jährlich stattfindenden Nationalen Sex- und Kulturfestival in Guangzhou wird deutlich, wie in der ehemals zutiefst konservativen Volksrepublik zunehmend mit sexuellen Tabus gebrochen wird.

Bei den jungen, unternehmungslustigen Chinesen in den Städten gewinnt die westliche Kultur an Einfluss. Von der puritanischen Lebensweise ihrer Eltern trennen sie Welten. Zwar sind harte Pornofilme in China verboten, doch Soft-Versionen und die allgemeine Sexprodukte-Industrie boomen.

Schätzungen zufolge produziert China mehr als 80 Prozent aller Sexspielzeuge weltweit, eine Million Menschen sind in der Industrie beschäftigt. Und die Ware bleibt mittlerweile zunehmend im Land, um die Binnennachfrage zu befriedigen.

Wenn Dildos und sexy Wäsche den Weg säumen

Auf der Messe in Guangzhou umwerben Hunderte Sexpuppen-Hersteller, Kondom-Produzenten und Vibratoren-Vertriebe Tausende meist männliche Besucher. In einer Ecke der riesigen Messehalle spielt ein transsexuelles Model haarsträubend obszön mit einem Vibrator. Elektronische Spielzeuge stoßen Laute sexueller Verzückung aus, während sich junge Männer ihren Weg durch winzige, überfüllte Stände bahnen. Auch Krankenschwester-Outfits, Dienstmädchen- oder Polizistinnen-Kostüme werden angeboten und riesige Tonnen voller Damenunterhöschen sollen locken.

"Wir wollen uns nur umschauen", sagt ein junger Mann mit Taschen voller Frauenkleider, kleinen Cremedöschen und einem Berg Gratis-Kondome. Zusammen mit etwa hundert anderen wartete er mehr als drei Stunden auf den Auftritt von Mizuna.

Japanische Pornostars treten in China oft als Sängerinnen und Tänzerinnen auf, um ihre Soft-Pornos zu verkaufen und sich in der Mainstream-Unterhaltung zu positionieren. Bei Chinas Männern sind sie überaus beliebt: Die Pornodarstellerin Sora Aoi etwa hat fast 15 Millionen Follower auf "Sina Weibo", der chinesischen Twitter-Version.

"Unsere Industrie hat sich sehr verändert"

Seit Lockerung der Gesetze 1993 öffneten staatlichen Medienberichten zufolge in Peking und Shanghai mehr als 2000 Sexshops, und der Markt für Sexspielzeug wächst jährlich um 63 Prozent. "Unsere Industrie hat sich sehr verändert", sagt Cheng Zichuan von Hitdoll, einem der größten Sexpuppenhersteller Chinas. Neben sich hat er "Lydia" mit feurigrotem Haar und High-Tech-Händen für umgerechnet 4600 Euros.

"Früher fanden die Kunden diese Produkte alle zu teuer und man konnte sie nirgendwo kaufen, und sie hätten sich geschämt, wenn ihre Familien die Puppen gesehen hätten", sagt Cheng. "Jetzt ist ihnen das egal, sie kaufen die Puppen, wenn sie ihnen gefallen und haben Spaß damit." Bis zu fünf Sexpuppen verkaufe er im Monat, meist an reiche Single-Männer, die nicht "irgendwelche Prostituierten" mieten wollten. Auch einsame Witwer kaufen nach seinen Worten solche Puppen - häufig Spezialanfertigungen, die den verstorbenen Ehefrauen ähneln.

Noch dürfen Männer in China erst mit 22 Jahren heiraten, Frauen müssen mindestens 20 Jahre alt sein. Doch in einer Umfrage im vergangenen Jahr gaben mehr als 70 Prozent an, sie hätten bereits vor der Ehe Sex gehabt. 1994 waren das noch 40 Prozent, 1989 nur 15 Prozent. Die Chinesen wollen nicht mehr warten, sondern sich im Bett ausprobieren.

awö/Neil Connor, AFP AFP

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