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24. März 2008, 09:00 Uhr

Mit den Waffen einer Frau

Fair Fashion ist im Trend: Kleider, die unter fairen Bedingungen genäht wurden, aus Baumwolle, die nicht Pestizid-verseucht ist. Auch das Kölner Label Armedangels verkauft "moralische" Mode, doch eines steht bei ihnen immer im Vordergrund: der Style. Von Alexander Kohnen

Sex sells, auch in bei Fair Fashion: "Erst muss Dich der Style überzeugen - dann kommt das Öko-Ding", sagt Höfeler© Armedangels

Der Engel ist natürlich eine Frau. Das erkennt man an den langen Haaren, den weiblichen Hüften und den hohen Stöckelschuhen. Sein Accessoire: Pfeil und Bogen. Der Engel ist goldfarben. Er ist das Firmenlogo der "Armedangels".

Die Armedangels-Gründer Anton Jurina und Martin Höfeler möchten mit dem bewaffneten Engel eine Botschaft senden: Wir kämpfen für etwas Gutes - und gleichzeitig ist der Engel hübsch anzusehen. "Wir sind keine Ökos", sagt Martin Höfeler, 25, mittellanges, strubbeliges Haar. "Wir möchten einfach nur den Menschen eine Alternative bieten: also stylische Klamotten, die ökologisch und sozial fair produziert wurden."

"Den Konsumenten in Deutschland fällt gar nicht auf, unter welch katastrophalen Bedingungen ihre Textilien in Asien produziert werden", sagt Höfeler. Zum einen gebe es keine Sozialstandards, Kinderarbeit sei alltäglich, die Löhne seien unfair, die Arbeitszeiten unmenschlich. Zum anderen würden Pestizide eingesetzt, da Baumwolle extrem anfällig für Schädlinge sei. Anton Jurina, 28, schulterlanges, lockiges Haar spricht von Bergseen in Indien, in deren Nähe Baumwolle angebaut wird: "Die sind neongelb. Das sind wirklich perverse Zustände!"

Also lassen die Armedangels ihre T-Shirts nur von Nähereien produzieren, die soziale Standards einhalten - und Baumwolle verarbeiten, die mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurde. "Wir als kleines Label brauchen da natürlich einen starken Partner", sagt Jurina. Deshalb haben sich die beiden Firmengründer lange mit Zertifizierungsinstituten beschäftigt. Sie entschieden sich für die Organisation "Fairtrade", die ihre Produzenten in Indien kontrolliert. Höfeler sagt: "So können wir sicher gehen, dass die Rohstoffe fair gehandelt werden, der Anbau ökologisch ist und die Arbeitsbedingungen sozial."

Der Style muss überzeugen

Es ist später Nachmittag. Höfeler und Jurina wirken konzentriert. Und müde. Gestern waren sie wieder bis halb zwei im Büro. Doch mit Verve erzählen sie ihre Geschichte - die nur möglich wurde, weil die ehemals weichen Themen Umweltschutz, Klimawandel und Menschenrechte in die Mitte der Gesellschaft gerückt sind. Weil sich eine CDU-Kanzlerin um diese Dinge kümmert. Weil es Kondome aus fair gehandeltem Latex gibt. Weil sogar die "Bild-Zeitung" mahnt, dass es nicht weiter gehen kann wie bisher.

Martin Höfeler (r.) und Anton Jurina versuchen mit ihrem Kölner Label Armedangels gerechtere Mode zu verkaufen© Armedangels

Jurina und Höfeler surfen auf diesem Trend. Mit ihren Klamotten möchten sie den Öko-Style aus der verstaubten Ecke herausbugsieren. "Öko und Mode - das hieß bisher immer nur Birkenstock und Batik", sagt Jurina. Den typischen Armedangels-Kunden charakterisiert Höfeler so: "Erst muss Dich der Style überzeugen - dann kommt das Öko-Ding."

Passend zur Kundschaft haben die Armedangels ein Büro im angesagten Belgischen Viertel bezogen, ganz nah an der Kölner Innenstadt. Seit Juni 2007 arbeiten sie hier an langen, weißen Tischen. Fünf Mitarbeiter sind fest angestellt, bald soll ein weiterer dazu kommen. Die Klamotten verschicken sie selbst, in flachen, quadratischen Kartons, in denen man eher Pizza statt T-Shirts vermuten würde.

Internationale Designer entwerfen die Mode

Mit der Hilfe von Business Angels - Unternehmern, die kleinen Firmen mit Wachstumspotential finanziell unter die Arme greifen - produzierten sie ihre erste Kollektion. Belohnt wurden sie mit einem Gründerpreis: 250.000 Euro in Sachdienstleistungen, etwa Werbeplanung oder Unterstützung durch eine große Anwaltskanzlei.

Ein T-Shirt der Armedangels kostet zwischen 29 und 49 Euro - 3,33 Euro davon gehen an ein Hilfsprojekt© Armedangels

Designer aus Frankreich, Japan und den USA entwerfen Mode für die Armedangels. Modemacher, die gut im Geschäft sind - und für wenig Geld arbeiten, weil die Idee sie überzeugt hat. Seit kurzem ist auch ein hauseigener Designer an Bord. Die Klamotten der Armedangels sind klar geschnitten und sehr sportlich, ohne viel Extravaganz. Bisher verkaufen sie Sweater und T-Shirts, auch schmale und körperbetonte für Frauen. Bald sollen Jeans ins Sortiment aufgenommen werden.

Ein T-Shirt kostet zwischen 29 und 49 Euro - 3,33 Euro davon gehen an ein Hilfsprojekt. Bisher kann man die Klamotten nur online bestellen, bald sollen sie auch in ausgewählten Szene-Boutiquen hängen. Angebote von großen Handelshäusern lehnten Jurina und Höfeler ab. Sie wollen Armedangels als Independent-Label etablieren. Das brauche seine Zeit, sagt Jurina. Es sei schlecht, wenn man seine Idee zu früh verkauft.

Jurina hat ein BWL-Diplom, Höfeler fehlt noch ein Jahr bis zum Abschluss. An einem Nachmittag im Juli 2006 spazierten sie durch die Kölner Innenstadt. Was sie störte: Alle trugen das Gleiche, überall Zara und H&M, die Gesellschaft schien ihnen fast uniformiert. Was sie dachten: ein eigenes Modelabel, das wär's doch!

Gleichzeitig waren beide genervt von den Idealen des BWL-Studiums, vom ewigen Streben nach Gewinnmaximierung - und fasziniert von der Idee des Social Entrepreneurs. "Also von Unternehmern, die lukrativ und trotzdem sozial verantwortlich arbeiten", erklärt Höfeler. In den USA oder Skandinavien sei dies ein Trend. In Deutschland möchten sie dieses Ideal verbreiten.

Überhaupt scheint es, als hätten Jurina und Höfeler so etwas wie eine Vision. Und es ist keine bescheidene. "Wir wollen erreichen, dass alle ihre Klamotten so produzieren wie wir", sagt Höfeler. "Es ist an der Zeit."

Von Alexander Kohnen
 
 
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