17. Juni 2009, 16:24 Uhr

Sex-Orgie erregt Amerikaner

Sex sells. Nie war diese Losung treffender als in Krisenzeiten, wo auch Modemarken sinkende Absätze beklagen. Das amerikanische Label Calvin Klein Jeans inszeniert in seiner neuen Werbekampagne eine Gruppen-Sex-Orgie - und sorgt damit erneut für einen Skandal. Von Julia Mäurer

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Das Motiv des Anstoßes: 15 Meter hoch prangt das Werbeplakat der neuen Calvin-Klein-Jeans-Kampagne auf einer Fassade im New Yorker Stadtteil SoHo©

Neulich im New Yorker Stadtteil SoHo. Ein Mädchen, dunkelhaarig, feingliedrig, barbusig, schmiegt sich an den nackten Oberkörper eines Jungen. Er schiebt seine Hand unter ihre Jeans. Sie wiederum steckt einem zweiten Jungen ihre Zunge in den Mund. Es ist ein Gemenge aus nackten, verschwitzten Leibern. Ein Dreier, wie er in jedem Porno vorkommen könnte.

Tatsächlich sind die provokanten Posen Teil einer Werbekampagne. Die Bilder stammen von Starfotograf Steven Meisel. 15 Meter hoch ist das Plakat, das eine Fassade im New Yorker Stadtteil SoHo ziert. Angepriesen werden nicht etwa Kondome oder Vibratoren, sondern Jeans. Jeans aus dem Hause Calvin Klein. Sex sells. Nie war diese Losung treffender als in Krisenzeiten, wo auch Modemarken sinkende Absätze beklagen. Provokation garantiert Aufmerksamkeit und die führt optimalerweise zu zahlenden Kunden. Nicht umsonst buhlen Labels wie Calvin Klein oder Diesel mit gewagten Kampagnen um Käufer. "Der Schock ist ein probates Mittel, um aufzufallen", sagt Dörte Spengler-Ahrens, Geschäftsführerin der Werbeagentur Jung von Matt. "Das heißt, in dem Moment, wo man Gewalt oder Sex inszeniert, hat man die Aufmerksamkeit für sich."

Dass sich mit Provokation Geld verdienen lässt, haben die Verantwortlichen bei Calvin Klein früh erkannt. 1968 gegründet, stand die Marke viele Jahre für den sauberen, amerikanischen Chic: schlichte Schnitte, hochwertige Materialien und dezente Farben. Ein klares, aber auch etwas langweiliges Profil. Doch dann kam Brooke Shields.

"Nichts kommt zwischen mich und meine Calvins", prangte Ende der Siebziger in großen Lettern auf den Werbeplakaten. Abgebildet war ein blondes Mädchen in hautengen Jeans und dunkelrotem Hemd, das nur von einem Knopf zusammengehalten wurde. Darunter nichts als nackte Haut wie auch der Werbeslogan unmissverständlich verkündete. Ein Skandal im prüden Amerika der Siebziger. Immerhin war Shields damals erst 15 Jahre alt.

Der Rest ist Geschichte. Die Jeans wurden zum Verkaufsschlager, Brooke Shields zur erfolgreichen Schauspielerin und provokante Werbekampagnen zur Geheimwaffe von Calvin Klein. Unvergessen bleibt Schauspieler Mark Wahlberg, der Anfang der Neunziger mit Waschbrettbauch und Hand am Genital für Calvin Klein Unterwäsche warb. Später zeigten Kate Moss und Christy Turlington, welch gute Figur sie in Feinripp machen. Schauspielerin Eva Mendes räkelte sich hüllenlos für den CK-Duft "Secret Obsession" vor der Kamera und sorgte im Sommer 2008 für den größten Skandal seit der minderjährigen Brooke Shields. Für den Bruchteil einer Sekunde war im Werbespot Mendes' linke Brustwarze zu sehen. Nicht akzeptabel, urteilten zahlreiche amerikanische TV-Sender, die sich weigerten den Spot auszustrahlen. Der Film musste nachträglich für den US-Markt zensiert werden. In Deutschland durfte die nackte Eva auf Sendung gehen.

Auch gegen die aktuelle Gruppen-Sex-Kampagne regt sich Widerstand. "Die Firma hat die Pflicht, unserem Land gegenüber ihre Produkte in angebrachter Weise vorzustellen, ganz besonders wenn es sich dabei um offizielle Plätze handelt. Ich finde es abstoßend, ekelhaft und unangemessen", sagte Randy Sharp von der American Family Association gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender "Foxnews". Die konservative, christliche Non-Profit-Organisation bekämpft seit Jahren ihrer Meinung nach unsittliche Werbe- und Medienkampagnen. Die Verantwortlichen bei Calvin Klein kümmert der Rummel kaum. Im Gegenteil: Das ganze Gerede macht nur neugierig und fördert im besten Fall den Verkauf.

Von Julia Mäurer
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Necros (18.06.2009, 13:06 Uhr)
Ein Nippel...
...schockte Amerika, ließ Schadensersatzforderungen in die Höhe schnellen, beschäftigt meines Wissens noch bis heute die Gerichte und sorgte dafür, dass Live-Berichte von Großereignissen nur noch mit Verzögerung gesendet werden... Und das in dem Land, welches mit Abstand die meisten Pornos produziert. Dabei war es nichtmal ein besonders schöner Nippel...
maindelfin (18.06.2009, 12:47 Uhr)
es sind halt Amis
Wären auf dem Plakat junge Leute mit Gewehr und Pistole abgebildet, würde sich keine Sau daran stören! Was bitteschön ist denn an dem Plakat so furchtbar, dass der Durchschnittsami in tiefste Depression verfällt, nur weil er einen Blick auf das Plakat geworfen hat und nun mit einer fürchterlichen Sünde leben muss? Ein Glück, dass ich nicht in diesem prüden und verlogenem Land voller Doppelmoral leben muss.
shine (18.06.2009, 11:35 Uhr)
Re: falsch gezählt...
Also, wenn dann war das auch kein Vierer! Sie haben den Kameramann, die Visagistin, den Lichtboy und die Assistentin vergessen ;)
bud.alien (18.06.2009, 09:03 Uhr)
falscher Titel
glaube kaum, dass eine Sexorgie die prüden Amis "erregt" - eher: verärgert
Sanjoaquin (17.06.2009, 20:47 Uhr)
Billiglohnschreiber
Und die Aldischorrnallisten schlagen wieder voll fett zu. Wenn ich das Bild anschaue, dann ist das kein Dreier, sondern ein Vierer, aber das bestätigt bloss meine Meinung, dass die meisten der neuerdings beim STERN Schreibenden nicht auf drei zählen können.
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