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14. September 2007, 11:02 Uhr

... Stringtanga

Was ist klein, dreieckig und teilt jeden Hintern in zwei unansehnliche Sackhälften? Ja, eben. Und deswegen erfreut uns nichts mehr als die Nachricht aus der Textilindustrie, dass die Popobändchen endlich auf dem Rückzug sind. Bleibt nur die bange Frage: Was kommt danach? Von Stefanie Hellge

Vorbei die Zeit, da sich stoffgewordene Walflossen den Steiß bis zum Arschgeweih emporarbeiteten: Strings sind out!© Illustration: Olaf Hajek

Es ist noch gar nicht lange her, da galt es als hip, unter tief sitzenden Hüfthosen einen Stringtanga so hochzuziehen, dass oben am Steiß ein kleines Stoffdreieck zu sehen war. Whale Tail nannte sich das, weil es an die Schwanzflosse eines Wals erinnert. Der Name liegt auch aus anderen Gründen nahe, denn das Whale Tailing wurde besonders gern von übergewichtigen Frauen zur Schau gestellt. Die Dünneren bevorzugten den Serviervorschlag "Arschgeweih an Walschwanz", wobei der Stofffetzen des Tangas ein fragwürdiges Tattoo in Höhe der Lendenwirbelsäule ergänzt. Scheußlich ist beides. Inzwischen sind die Hosenbünde wieder höher, und der Anblick halber Hintern bleibt uns freundlicherweise erspart.

Aber es kommt noch besser: Auch diese spärlichen Unterhosen verkaufen sich mittlerweile eher schleppend. Füllten sie in den vergangenen Jahren noch die Wühltische vor den H & M-Kassen, greifen modebewusste Frauen heute eher nach tief sitzenden, breiten Schlüpfern, wie sie einst die Bardot trug. Anne Raab, PR-Leiterin der Wäschemarke Triumph, verkündet eine gute Nachricht: "Der String war sehr lange die Dessousmodeform schlechthin, jetzt ist aber ganz klar der Hipster vorn." Vorbei also die Zeit, in der sich jede kreuzbrave Hausfrau mithilfe des öffentlich aufblitzenden Dreiecks zum Möchtegern- Vamp tunte. Fast schien es so, als hebe allein das Tragen eines Tangas den sexuellen Stellenwert. Je weniger Stoff, desto höher die Attraktivität - ein fataler Irrtum. Denn seien wir ehrlich: Der Hintern ist die Schwachstelle jeder Frau. Er hat seine Blütezeit zwischen 14 und 18 Jahren, danach bekommt er Dellen, sogar unabhängig von seiner Größe, oder er sieht aus wie ein mehr oder weniger schlecht gefüllter Sack.

Die Unterhose als Bollwerk der Privatsphäre

Warum also sollte man diesem Körperteil volle Blöße geben? Auch Männer klemmten sich ja bisweilen Strings zwischen ihre Backen, der gefüllte Sack hing an der Vorderseite. Doch der Anblick von Sacha Baron Cohen alias Borat im gleichnamigen Film hat Millionen vom String geheilt. Der handel reagiert bereits: Bei der Dessouskette Palmers liegen in Zukunft mehr Slips in den Regalen, und auch die Einkäufer von H & M stellen sich auf mehr Stoff ein. Die Bademode wendet sich vom Tanga ab, an den Stränden Europas tragen in diesem Sommer nur noch durchtrainierte Hippiemädchen den String. Die anderen steigen auf besagte Hipster um, ein Art Miniversion der Hotpants - und das ist dann mal wirklich sexy.Logisch, dass sich über das Mehr an Stoff vor allem die sogenannte Internetcommunity aufregt. In der versammeln sich nun mal jene, die immer besonders schnell zur Stelle sind, wenn irgendwo auf der Welt Körperteile entblößt werden könnten.

Kein Wunder also, dass sich inzwischen ganze Diskussionsforen am neuen Anti-Tanga-Trend abarbeiten. Die reale Welt hingegen besinnt sich wieder darauf, dass es zuweilen besser ist, sich zu bedecken, als sich zur Schau zu stellen. Ein unerwarteter Wendepunkt: die Unterhose als Bollwerk der Privatsphäre. Das ist nicht paradox, das ist richtig gut! Das "Stinkebändchen" verschwindet endlich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und findet seine Existenzberechtigung in Zukunft nur noch im Verborgenen: Unter eng sitzenden Hosen und Kleidern ist der String nämlich das einzige Wäschestück, bei dem es wirklich keine Abdrücke gibt. Die neu entwickelten Slips mit Lasernähten sind zwar unter der Kleidung auch kaum zu sehen, finden aber auf keiner Pobacke Halt, so dass sie sich beim Laufen Richtung Mitte bewegen, wo sie sich zu einer unschönen Textilwurst verdichten. Da ist der Faden am Po dann doch die bessere Wahl.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 37/2007

Von Stefanie Hellge
 
 
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