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Tattoo-Entfernung: Bye Bye, Arschgeweih

Die Zeiten, da jede zweite Frau meinte, ihren Steiß tattoowieren zu müssen, neigen sich dem Ende zu: Inzwischen profitiert eine ganze Industrie von dem gewandelten Geschmack: Laserzentren entfernen den Damen für viel Geld ihre Tattoos.

Lange zierten sie den Steiß vieler Frauen. Doch bereits vor zwei Jahren erkannte Sängerin Ina Müller: "Bye Bye, Arschgeweih, ich geb' dich zum Lasern frei." Inzwischen profitiert vor allem die Kosmetikindustrie von ungeliebten Hautbildern, wie etwa dem geweihförmigen Muster am unteren Rücken. "Die Zahl der Laserbehandlungen bei Tätowierten hat sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt", sagt der Präsident der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD) im hessischen Bad Soden, Prof. Heinz Bull. "Gerade junge Leute, die sich aus einer spontanen Laune heraus tätowieren lassen, wollen das Ding später wieder loswerden." Wichtig sei, erfahrene und gut ausgestattete Ärzte aufzusuchen, da verschiedene Farben mit unterschiedlichen Lasergeräten behandelt werden müssten.

Im größten Laserzentrum Norddeutschlands mit Standorten in Hamburg, Kiel und Preetz lassen sich pro Woche rund 20 Patienten behandeln. "Für viele von ihnen sind Tattoos mit unliebsamen Erinnerungen verbunden", sagt Hautarzt Walter Trettel. So entfernt der 57-Jährige neben aus der Mode geraten Motiven auch gerne Mal Herzen mit den Namen verflossener Lieben. Aber auch die Korrektur eines verhunzten Permanent-Make-Ups gehört zu seinem Aufgabenbereich. Seine Patienten müssen vor allem Geld und Geduld mitbringen. "Die Kosten betragen etwa das drei- bis vierfache des ursprünglichen Tattoo-Preises", sagt der Dermatologe. Für ein "Arschgeweih" seien sechs bis zehn Sitzungen nötig, je nachdem wie dicht und wie tief die Farbe unter die Haut gestochen wurde. Zwischen den einzelnen Behandlungen, die 100 bis 300 Euro kosten, muss eine Pause von mindestens vier Wochen eingelegt werden.

Fast alle wollen Sterne

Während Trettel in der Praxis in der Hamburger Innenstadt den Laserstrahl ansetzt, surrt in der ältesten Tätowierstube Deutschlands im benachbarten St. Pauli die Nadel. "Wer sich mit seinem Tattoo identifiziert, wird es auch nie wegmachen lassen", sagt Chef Günter Götz, während sein Kollege einer jungen Kundin eine Katze auf den Bauch sticht. Wichtig sei, ein persönliches Motiv zu finden, sich gut beraten zu lassen und nicht blind Trends zu folgen.

"50 Prozent aller Mädels lassen sich heute Sterne stechen, das ist wirklich langweilig", sagt Götz. Und um ja nicht den derzeit verpönten Rücken zu verzieren, wählten sie Stellen wie den Hals oder gar die Fußsohle. "Dabei bleibt ein Motiv am Hals gerade mal fünf bis zehn Jahre schön." Nach Meinung des Experten, der seit rund 30 Jahren in dem 1946 gegründeten Traditionsladen arbeitet, zählt der gesamte Rücken nach wie zu den geeignetsten Körperstellen. "Der bekommt keine Falten."

Sechs Jahre im Laserzentrum

Zu Trettels außergewöhnlichsten Patienten zählte ein älterer Herr, der in den 1990er Jahren erstmals in dessen Praxis auftauchte. "Das war ein Mann aus St. Pauli, der am ganzen Körper tätowiert war, nicht mal das Gesicht und die Handrücken hat er ausgelassen." Plötzlich habe er unter den Blicken der Leute gelitten. Sechs Jahre lang kam er in das Laserzentrum, um seinen Körper wieder ein normales Aussehen zu verpassen.

Der Hautarzt rät, vor dem Gang ins Tattoo-Studio genau zu überlegen, an welcher Stelle der Körper verschönert werden soll. "Geeignet sind Körperteile, die abgedeckt werden können." Schließlich gebe es noch immer Arbeitgeber, die allergisch auf die Haut-Bilder reagierten. Wenige Farben, die nicht so dicht gestochen sind, vereinfachten später auch eine mögliche Entfernung. Schließlich dürfe auch das körperliche Leid bei einer Behandlung nicht unterschätzt werden: "Die kann manchmal noch schmerzhafter sein als die ursprüngliche Tätowierung."

Dennoch sind die Laserstrahlen nach Erfahrung des Experten weitaus sanfter und effektiver als frühere Methoden. "Zu meinen Anfangszeiten an der Kieler Uniklinik haben wir Tätowierungen noch rausgeschnitten oder abgeschliffen." Dadurch seien zwar die Tattoos verschwunden, aber nicht selten große Narben geblieben.

Jenny Tobien/DPA