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3. Oktober 2011, 16:01 Uhr

US-Elite schließt sich dem Protest an

Was als Bewegung von unten begann, erfasst jetzt auch die amerikanische Elite: Zusehends solidarisieren sich Prominente mit den New Yorker Wall-Street-Kritikern. Von Katharina Miklis

Wall Street, Protest, Occupy Wall Street,

"Besetzt die Wall Street" erhält Zulauf. Auch Prominente solidarisieren sich mit den Demonstranten© Stanley Rogouski/DPA

Hollywoodstar Susan Sarandon kennt sich aus mit der Gier. In Oliver Stones Finanzdrama "Wall Street 2 - Geld schläft nicht" unterliegt sie dem zwanghaften Wunsch nach mehr und hängt nicht nur ihren Job als Krankenpflegerin an den Nagel - sondern auch ihre Moral. Wozu fremde Menschen tätscheln, wenn sich als skrupellose Immobilienmaklerin locker das Dreifache verdienen lässt, denkt sie sich und beginnt überteuerte Eigenheime in New York zu verhökern.

Nun gut, war ja nur ein Film. Im echten Leben gehört die Schauspielerin Sarandon zu den prominentesten Unterstützern einer Bewegung, die in New York für immer mehr Aufsehen sorgt - die Protestaktion Occupy Wall Street. Immer mehr Prominente solidarisieren sich mit den Wall-Street-Kritikern, die ihr Lager in einem kleinen Park zwischen Wall Street und World Trade Center aufgeschlagen haben. Seit mehr als zwei Wochen protestieren dort hunderte von Menschen, die sich in der Bewegung "Besetzt die Wall Street" organisiert haben, gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise, die Macht der Banken sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichten die Proteste, als am Samstag 700 Demonstranten von der New Yorker Polizei verhaftet wurden, nachdem sie die berühmte Brooklyn Bridge blockiert hatten. Die Brücke musste am Nachmittag für mehrere Stunden für den Verkehr gesperrt werden. Die Aktivisten ließen sich von den Massenverhaftungen nicht beeindrucken: Am Sonntag protestierten erneut etwa 800 Menschen. Am Montag soll es vor dem New Yorker Rathaus weitergehen.

Promis pilgern in das Protest-Camp

Bei einem Besuch in der Liberty Street, in der sich die Protestierenden niedergelassen haben, kritisierte Sarandon übertrieben hohe Boni für Banker in einer Zeit, in der viele Menschen durch die Finanzkrise ihr Geld verloren haben. Außerdem forderte sie mehr mediale Aufmerksamkeit für die Proteste. Ihre Anwesenheit wird dazu genauso beitragen wie die des Filmemachers Michael Moore, der bei einer solchen Protestaktion nicht fehlen darf und ebenfalls zu den Demonstranten in der Liberty Street gepilgert war. "Ich bin so beeindruckt von dem, was ihr hier tut", sagte er in einer nächtlichen Ansprache. Da es an der Liberty Street verboten ist, ein Megafon zu benutzen, wurde jeder seiner Sätze von den Demonstranten, die sich um ihn versammelt hatten, in Sprechchören wiederholt. "Euer Protest ist wichtig", zitierten hunderte Menschen lauthals den Filmemacher, "und historisch". Und weiter: "46 Millionen Menschen leben in den USA in Armut", so Moore. "Das ist ein absolutes Verbrechen, es ist unmoralisch."

Während die amerikanischen Medien die Proteste zunächst weitgehend ignoriert hatten, und sich die "New York Times" gar über die "luftdünne Bewegung" lustig gemacht hatte, schicken nun immer mehr Fernsehsender ihre Übertragungswagen zum Ort des Geschehens. TV-Größen wie Jon Stewart oder Keith Olbermann berichten aus dem Lager der Aktivisten. Neben Sarandon und Moore besuchen auch Prominente wie Schauspielerin Roseanne Barr, Bürgerrechtler Cornel West und Hip-Hop-Unternehmer Russell Simmons die Aktivisten und sorgen dafür, dass immer mehr Menschen auf ihre Kritik aufmerksam werden. Schauspieler Alec Baldwin verbreitet seine Unterstützung via Twitter. Nicholas Kristof, Kolumnist der New York Times, der sonst über die Demonstrationen in Ägypten oder Syrien berichtet, fühlt sich beim Besuch im New Yorker Finanzdistrikt an die jugendlichen Protestler vom Tahrir-Platz in Kairo erinnert. Die Teilnehmer beider Protestbewegungen seien "entfremdete, junge Menschen" voller jugendlicher Frustration über das politische System und organisieren sich über soziale Netzwerke, so der Pulitzer-Preisträger in seiner Kolumne.

Stiglitz spricht von Krieg

Die bisher größte Bedeutung für die "Occupy Wall Street"-Bewegung wird jedoch dem Besuch des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz beigemessen. Er sprach am Sonntag auf dem Platz zwischen Wall Street und World Trade Center von einem Krieg gegen die Mittelklasse des Landes. Er ermutigte die US-Bürger, mehr Druck auf die Abgeordneten auszuüben und fordert unter anderem höhere Steuern für die Wohlhabenden des Landes.

Inzwischen haben sich die Protestaktionen auf andere US-Städte ausgeweitet. Auch in Boston, Los Angeles und Chicago versammelten sich mehrere hundert Menschen zu Protestveranstaltungen. Der vorläufige Höhepunkt steht am Mittwoch bevor: Für den Nachmittag hat die Bewegung einen neuen Marsch auf die Wall Street angekündigt - diesmal wird sie kein Medium mehr vernachlässigen.

Von Katharina Miklis
 
 
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