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15. August 2011, 16:45 Uhr

"Die haben ihr Leben für uns riskiert"

Horror in der Gondel? Nein, sagt Brigitte Hassold, die mit zwei Enkelinnen 16 Stunden in der Tegelbergbahn festsaß. Im stern.de-Interview erzählt sie über Witze, den Toilettengang und die Rettung.

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Brigitte Hassold, 63, Buchhändlerin aus der Nähe von Augsburg, saß mit ihren Enkelinnen Louisa, 12, und Julia, 17, in der Gondel© Georg Wedemeyer

Wieso waren Sie in der Gondel, Frau Hassold?
Brigitte Hassold: Vor zwei Jahren war ich schon mal mit meinen Enkelinnen Julia und Louisa in der Füssener Gegend. Das hat ihnen so gut gefallen, dass wir dieses Jahr wieder da hingefahren sind. Am Abend vorher hatten wir Besprechung: Was machen wir am nächsten Tag? Zur Wahl standen eine Schiffsrundfahrt auf dem Forggensee und eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Tegelberg. Die Kinder wollten dann auf den Tegelberg, also sind wir da rauf.

Was passierte dort?
Brigitte Hassold: Wir hatten oben auf dem Berg erst den Gleitschirmfliegern beim Starten zugesehen und dann eine Wanderung gemacht. Um etwa 13 Uhr stiegen wir in die Gondel nach unten. Nach wenigen Minuten Fahrt stoppte sie plötzlich mit einem scharfen Ruck. Hei, was ist das?, dachte ich. Auch der Gondelführer wusste erst nicht was los ist. Nach einer Viertelstunde bekam er die Nachricht, dass ein Gleitschirmflieger-Tandem in die Seile unserer Bahn geflogen ist.

Hatte jemand Angst?
Brigitte Hassold: Nein. Erst hatten wir Mitleid mit den Gleitern. Der Gondelführer meinte: "Das dauert vielleicht eine Stunde. Erst schneiden die die beiden raus, das andere haben die dann schnell." Ich habe meinem Sohn, dem Vater von Julia und Louisa eine SMS geschickt: "Wir hängen über dem Abgrund fest, falls es Dich interessiert." Er hat zurück geflachst: "Nicht aussteigen, sonst fallt ihr runter." Die anderen haben sich auch nicht aufgeregt. Da waren zwei ältere Damen, die haben ungerührt und ununterbrochen weiter geratscht. Es war bewundernswert, wie viel die sich zu erzählen hatten.

Wann war klar, dass es so schnell nicht gehen wird?
Brigitte Hassold: Nach ungefähr einer Stunde hat der Jörg - jetzt wussten wir schon, wie der Gondelführer heißt - einen Anruf bekommen, dass die Gleiter gerettet sind, aber ihr Schirm sich zweimal um die Seile gewickelt hat. "Das kann jetzt nochmal ein bisschen dauern", sagte Jörg zu uns.
Julia Hassold: Das Gute war, dass wir über Funk und den Kabinenlautsprecher das meiste mitbekommen haben. Das hat beruhigt. Es war ein bisschen aufregend so weit da oben, aber wirklich schlimm war es nicht.

Haben Sie von der Parallelgondel was mitbekommen?
Brigitte Hassold: Ja, vor allem, dass da 35 Leute drin sind, ein Rollstuhlfahrer und vier Hunde. Wir dachten: Oh Gott, da haben wir 20 es ja noch richtig gut.

Wer war alles in Ihrer Gondel?
Brigitte Hassold: Drei Ehepaare mit zusammen vier Kindern zwischen vier und zwölf Jahren. Die beiden älteren Damen, eine war wohl Lehrerin. Ein älteres Ehepaar, da war er pensionierter Lehrer. Ein Deutsch-Russe, dessen Frau unten wartete. Eine Frau, deren Mann Geburtstag hatte und zu Fuß abgestiegen war. Der wartete jetzt unten ganz verzweifelt. Eine 79-jährige Nonne. Wir drei und Jörg, der Gondelführer. Er erzählte uns, dass er 37 ist und im Hauptberuf Polizist.

Wächst man da als Gruppe in der Not zusammen?
Brigitte Hassold: Es waren alle sehr nett miteinander. Wir haben unsere Getränke und Brotzeiten miteinander geteilt. Aber ansonsten sind wir doch sehr neutral miteinander umgegangen. Es gab keine besonders vertraulichen Gespräche.

Hat keiner durchgedreht, wie man das aus Katastrophenfilmen kennt?
Brigitte Hassold: Nein, alle waren so gefasst und ruhig wie irgend möglich. Nur der vierjährige Junge hat mal geweint, weil er raus wollte. Aber den hat seine Mutter schnell wieder beruhigt.
Julia Hassold: Wir haben den Gondelführer Jörg immer mal wieder gefragt: Was ist los? Gibt es etwas Neues? Der hat immer wieder geantwortet: Passt alles. Ihr braucht keine Angst haben. Runterfallen können wir nicht. Es kann nichts passieren. Das hat alle immer wieder sehr beruhigt. Toll, dass der so cool geblieben ist.

War es unbequem?
Brigitte Hassold: Wir hatten Platz zum Sitzen und mussten uns nur einigen, wer wann die Beine ausstrecken darf. Die Nonne hat sich erst nach langem Bitten auf den Schemel vom Gondelführer gesetzt.

Wie vertreibt man sich die Zeit da oben?
Julia Hassold: Wir haben zum Beispiel gespielt: Einer musste ein Wort sagen. Der nächste musste dann mit dem letzten Buchstaben des Wortes ein neues Wort bilden. Und so weiter. Alle in der Gondel haben dabei mitgemacht. Oder wir haben die Fotos auf unserer Digitalkamera durchgeblättert. Das war auch lustig. Es wurde darüber gewitzelt, dass wir als Entschädigung wahrscheinlich eine Freifahrt mit der Gondel bekommen.

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