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26. Juni 2008, 18:34 Uhr
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Draufhauen, filmen, angeben

Die Gewalt an den Schulen eskaliert: Teenager prügeln um sich und filmen die Tat mit ihrer Handykamera. Im jüngsten Fall wurde ein österreichischer Lehrer von seinen Schülerinnen geschlagen, mit Farbe bespritzt und durch die Schule gehetzt. Experten überrascht der Trend nicht.

Immer häufiger kommt es zu Gewalt an Schulen. Oft filmen die Täter ihre Opfer dabei mit ihrem Handy und veröffentlichen dann die Filme© colourbox

Der schockierender Zwischenfall machte in Österreich Schlagzeilen: Im Wirtschaftsgymnasium von Fohnsdorf in der Steiermark attackieren vier 15-jährige Schülerinnen ihren Kunstlehrer während des Unterrichts mit leeren Getränkeflaschen. Sie bespritzen ihn mit Farbe, beschimpfen ihn, schlagen auf ihn ein und jagen den schockierten Pädagogen anschließend durch die Gänge, bis dieser sich in einen Raum einschließt. Die ganze Szene wird von einem Mädchen mit dem Handy gefilmt, während die anderen versuchen, die Tür einzutreten. Erst als es dem bedrohten Lehrer gelingt, seine Kollegen zu alarmieren, ist der Spuk vorbei. Die Mädchen sind seither vom Unterricht suspendiert und müssen mit Strafverfolgung rechnen.

Die Attacke des Quartetts vor wenigen Tagen war leider kein Einzelfall. Immer häufiger, warnen Psychologen und die Polizei, kommt es unter Schülern in der Alpenrepublik zu dieser Form der Gewalt, die Pädagogen, Schulbürokraten und -Psychologen gleichermaßen ratlos macht. "Happy Slapping" (englisch: "fröhliches Schlagen") heißt ein Trend unter Schülern, die eigene Gewalt gegen Schulkameraden oder Lehrer mit dem Handy zu filmen. Anschließend werden die Aufnahmen ins Internet oder auf den Schulserver gestellt. Ähnliches geschah 2007 im baden-württembergischen Pullendorf, wo fünf Mädchen ihre 14-jährige Kameradin stundenlang misshandelten, sie mit brennenden Zigaretten quälten, und sie dabei mit dem Videohandy filmten.

Ein Mix an Motiven

"Man könnte sagen, dass 'Happy Slapping' schon grassiert. Da kommen Dinge vor, die ich vor kurzem noch gar nicht für möglich gehalten hätte", meint der Schulpsychologe Josef Zollneritsch. Es gebe verschiedene Motive - "Frustkompensation, Revanchegelüste und gruppendynamisches Aufsteigen", erklärte der Leiter der Abteilung Schulpsychologie im Landesschulrat Steiermark dem ORF-Rundfunk. Zwar ist dem Erziehungsministerium in Wien "kein weiterer Fall" dieser Art bekannt, sagt Ministeriumssprecher Nikolaus Pelinka. Doch auch er gesteht, dass "man hier nicht alles hört, was draußen passiert".

Für den Wiener Kinder- und Jugend-Psychiater Max Friedrich, der als Notfall-Psychologe das Entführungsopfer Natascha Kampusch behandelte, ist die zunehmende Gewalt an den Schulen, die ihren Ausdruck in Aktionen wie dem "Happy Slapping" findet, "eine Tragödie", gegen die es allerdings keine kurzfristigen Heilmittel gebe. "Es hat auch etwas mit der zunehmenden Wortlosigkeit in unserer Gesellschaft zu tun." Die aggressiven jungen Mädchen benötigten auf jeden Fall eine psychologische Behandlung.

Gewalt an den Schulen kommt nicht überraschend

Für Friedrich steht der Lehrer im schulischen Leben heute als Symbol "für viel Frustration". Tatsächlich hatten sich die 15- Jährigen den Kunstpädagogen zuvor als Opfer ausgesucht, weil er als besonders "weich" galt. Friedrich: "Sie haben ihn sich regelrecht ausgesucht, um Aggressionen abzulassen". Ziel der Gruppe, die an der Schule zuvor schon andere Mitschüler eingeschüchtert hatte, sei es gewesen, "auf sich aufmerksam zu machen". "Seht her, wir zeigen's Euch allen, das war ihre Absicht", meint der Psychiater.

Für den Experten kommt die Eskalation der Gewalt an den Schulen nicht überraschend. "Unsere Lehrer sind in ihren Fächern ausgezeichnet ausgebildet, aber an die Erziehung wurde leider nicht gedacht", beklagt Friedrich. Die meisten seien "in der wichtigen Technik der De-Eskalation nicht ausgebildet". Dies sieht der Schulpsychologe Zollneritsch ähnlich. "Es hat auch viel mit Lehrerprofessionalität zu tun, ob sie mit Verhaltensstörungen umgehen wollen und können", erläutert er und verweist auf die USA, wo neben den Pädagogen Sozialarbeiter eingestellt wurden, die sich im Konfliktfall sofort der aggressiven Schüler annehmen.

Auch im Wiener Erziehungsministerium sieht man die Notwendigkeit, gezielt gegen Gewalt und ihre Ursachen vorzugehen. "Was wir erleben, ist ein steigendes Problembewusstsein und Sensibilität in der Bevölkerung, meint Sprecher Pelinka, der allerdings davor warnt, "das Problem an diesem Fall aufzuhängen". So arbeite man jetzt "an einer besseren Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Schülern". Darüber hinaus würden zunächst 20 zusätzliche Schulpsychologen eingestellt, die mit diesen Problemen umgehen sollen. Eines werde man vorläufig jedoch nicht tun, so Pelinka: "Wir werden kein Handyverbot an den Schulen erlassen."

Von Christian Fürst/DPA
KOMMENTARE (9 von 9)
 
rued (27.06.2008, 11:21 Uhr)
Lehrer
Unsere Lehrer mögen zwar meister ihres Faches sein, (was ich bei dem einen oder anderen Kollegen dennoch bezweifle) aber mit den Situationen in Schulen sind manche Lehrer schlichtweg überfordert.
Bei mir auf der Schule war damals eine Physikerin mit Doktortitel und allem drum und dran, die hatte auch einiges auf dem Kasten, einziges Manko: Wenn es in der Klasse zu laut wurde hat sie uns 1 mal ermahnt und wenn das nicht klappte, hat sie angefangen zu weinen. Als Schüler verliert man da schnell den Respekt vor der Lehrerin und vernünftiger Unterricht ist beinahe ausgeschlossen. Das entschuldigt zwar nicht das Verhalten der Schüler gegen die Lehrer (zu meiner Zeit und das ist gerade 4 Jahre her :D, hätte ich sowas überhaupt nicht für möglich gehalten) aber kann so ja auch nicht richtig sein. Lehrer, die nunmal eine erzieherische Funktion inne haben und einfach unfähig sind Konflikte zu lösen, sind da einfach fehl am Platze. Einige haben so viel mit sich zu tun, das sie sich nicht noch um 30 Kinder kümmern können.
Aber was ist es denn bitte auch für eine Reaktion vor 15 jährigen Schülerinnen wegzurennen? Da wird im Notfall das Metermaß auf den Tisch geprügelt und innerhalb von 5 Minuten sitzt der ganze Pöbel beim Schulleiter. Also bei dem hier geschilderten Fall sehe ich auf jeden Fall einen überforderten Lehrer. Es kommen natürlich auch soziale Faktoren dazu, wobei dieses Verhalten bei allen sozialen Gruppen zu beobachten ist.
Ich weiss auch nicht was die Berichterstattung und die öffentliche Diskussion darum soll.
Auch wenn das Verhalten nicht auf subtile Grausamkeit der Schüler zurückgeht, denke ich muss man doch mal ein klares Zeichen setzen das sowas hier (aus welchem Grund auch immer) weder in Schulen noch im normalen Alttag erwünscht ist oder toleriert wird.
Countryjoe (27.06.2008, 06:22 Uhr)
Verrohung
Angesichts der zunehmenden Verrohung ist der Gesetzgeber gefragt. Das Jugendstrafrecht sollte ab dem 12. Lebensjahr Anwendung finden und gerade bei Gewalttaten wesentlich härtere Strafen bieten. Die Gesellschaft hat das Recht und die Pflicht sich vor hemmungslosen Gewalttätern zu schützen.
Known (26.06.2008, 22:43 Uhr)
Gewalt bis die Ärzte kommen
Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erzählt?
oder hast du da auch - wie so oft - im Unterricht gefehlt?
jetzt liegst du vor mir und wir sind ganz allein
und ich schlage weiter auf dich ein
das tut gut, das musste einfach mal sein
immer mitten in die Fresse rein
fitness.dk (26.06.2008, 21:41 Uhr)
Zurueckhauen
einfach zurueck"slappen" UND DEN Arm brechen. Wuerde man dann vor Gericht gestellt werden, wenn man von 15 Jaehrigen angegriffen werden wuerde?
Das ist naemlich das, was folgen wuerde in der Oeffentlichkeit - so schnell kann man doch nicht reagieren - und wenn man sich wehrte, wuerde ploetzlich aus dem Angreifer "der/die arme 15 Jaehrige" die einen spaeter noch verklagt...
Aber es passiert immer nur den Leuten, die Muede nach hause kommen oder nix ahnend abends noch Spazierengehen oder wie Verlierer aussehen.
Mobbing und Klassenkeile gab es aber frueher auch schon - die Tricks sind (Hose runter ziehen) gab es frueher auch schon , nix neues.
Aber nicht gegen Lehrer sondern gegen Mitschueler beim Sport.
US
tagora-sagittara (26.06.2008, 20:56 Uhr)
So etwas hätte sich mein Sohn,...
oder würde meine Tochter im Leben nicht machen.
Oberste Regel in unserer Erziehung war immer. egal wie daneben Erwachsene sind, diese zu respektieren. Wenn echte Probleme mit selbigen auftauchten, respektive mit Lehrern die eigendlich gar nicht in diesen Beruf gehören, waren wir als Eltern zur Stelle.
Die hat unseren Kindern immer die Sicherheit gegeben, nie alleine den Problemen ausgeliefert zu sein.
Sie haben es uns damit gedankt,... Probleme werden gemeinsam gelöst und die Eltern stehen immer hinter ihnen.
Und meine Frau und ich sind der Meinung,... so hat das zu sein!!
acitapple (26.06.2008, 19:05 Uhr)
so blöd sind die auch nicht!
sie wissen ja aus den medien, daß ihnen (fast) nichts geschieht, solange sie minderjährig sind. aber ebenso wie erwachsene mit narrenfreiheit, nutzen die teenager das aus. vielleicht sollte man mal die mär vom positiven menschen, der kurz mal fehlgeleitet war vergessen.
luke888 (26.06.2008, 18:51 Uhr)
wie immer.
Wenn ich diese Bemerkung im Artikel wieder lese: "Unsere Lehrer sind in ihren Fächern ausgezeichnet ausgebildet, aber an die Erziehung wurde leider nicht gedacht".... zu allererst sollte man Erziehung mal denjenigen beibringen, die maßgeblich dafür verantwortlich sind: Den Eltern!
Halodri73 (26.06.2008, 18:31 Uhr)
soso
Die Mädchen benötigen auf jeden Fall psychologische Behandlung.
Sehe ich auch so.
Und ne schöne fette Jugendstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung bitte. Da haben die Mädels - hoffentlich - ohne Handy richtig viel Ruhe, um über die Worte des Psychologen und vor allem über Ihre Taten nachzudenken.
P.S.: Mein Bauchgefühl sagt übrigens was ganz anderes: Ein paar gehörig hinter die Löffel, den Gören!
faustjucken_de (26.06.2008, 18:21 Uhr)
Deeskalation?
Ha, am Ende werde die Opfer noch als (Mit)täter abgestempelt, weil sie in der Deeskalation nicht geübt seien.
Widerlich.
Mein Vorschlag: Prügelstrafe wieder einführen.
Heutzutage wollen die doch nichts anderes.
Ich hätte nichts dagegen.
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