Er ist zurzeit Deutschlands berühmt-berüchtigtster Arbeitsloser: Henrico Frank. Wegen des Rummels um seine Person tut ihm vor allem seine Mutter Leid. "Das ist kein Spaß mehr", sagt der 37-Jährige im Interview mit stern.de.

Henrico Frank und seine 'Managerin' umzingelt vom Medienleuten© Michael Probst/AP
"Ihre Partei ist verantwortlich für Hartz IV und deshalb gibt es Millionen Arbeitslose!" So blaffte Henrico Frank, 37, den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt an. Und der kontert: "So wie Sie aussehen, haben Sie in Ihrem Leben noch nicht viel gearbeitet. Waschen und rasieren Sie sich. Dann besorge ich Ihnen in drei Wochen einen Job." Warum es mit der Arbeit trotz Rasur und neuem Haarschnitt dann doch nichts wurde, erklärt Deutschlands berühmt-berüchtigtster Arbeitsloser im Interview mit stern.de.
Es waren keine acht, nur sieben.
Wegen meiner Bandscheibenproblematik. Die Jobs waren alle mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden. Das trau' ich mir nicht zu. Mein Arzt hat schon vor einem halben Jahr gesagt, wenn ich weiter schwer hebe, muss ich unters Messer.
Eigentlich nicht. Das Versorgungsamt hat nur eine 30-prozentige Einschränkung festgestellt. Ich darf halt auf Dauer nicht mehr als 15 Kilo schwere Lasten tragen und heben. Außerdem hab ich seit meiner Geburt nur eine Niere, aber das macht mir keine Probleme. Nur die Schulter. Ich kann nicht über Kopf arbeiten.
Jawoll. Getränkeunfall.
Ich hab's einigermaßen im Griff, lasse mich aber jetzt doch therapeutisch behandeln.
Hab ich ja auch bis letztes Jahr gemacht - fürs Grünflächenamt, als Ein-Euro-Jobber. Doch dann hab ich eine schwere Tonne mit Abfällen hochgehievt und das war's. Im Rücken hat's geknackt, das war die Bandscheibe.
Nein. Das war ich schon selbst, reine Selbstüberschätzung. Aber er hat als Vorsitzender der SPD Hartz IV zu verantworten. Auf diese Problematik wollte ich hinweisen auf dem Weihnachtsmarkt. Dass dadurch immer mehr Menschen ins Abseits geraten und auf den Ämtern teilweise behandelt werden wie der letzte Dreck. Um meine persönliche Situation ging es mir gar nicht.
Er wollte Recht behalten und wieder so schnell wie möglich aus den Schlagzeilen rauskommen.
Mir geht's aber nicht um mich, sondern um die vielen anderen Arbeitslosen, die auch alle einen Job brauchen.
Konnte ich gar nicht, weil ich kein Geld hatte zum Telefonieren. Aber die Vorsitzende der Hartz-IV-Plattform in Wiesbaden hat überall angerufen.
Das ist nicht meine Managerin. Die Frau hilft mir nur. Ich wurde doch von der ganzen Aktion überrollt. Dauernd standen Journalisten vor der Tür, ich wusste ja gar nicht mehr, was ich machen sollte.
Ich hab doch nicht gedacht, dass der mich auf die Seite 1 klatscht.
Mittlerweile geht's, aber mit dem Scheitel, den der Friseur mir gezogen hat, fühlte ich mich erst gar nicht wohl.
Doch. Vor allem meine Mutter tut mir Leid. Die sitzt daheim und heult. Das ist kein Spaß mehr.
Ich hatte einen anderen Termin, der schon lange geplant war. Mit der Arbeitsloseninitiative, in der ich mich engagiere.

Henrico Frank vor (l.) und nach Becks 'Ratschlag'© Michael Probst/AP
Stimmt. War wohl ein Fehler. Aber die Kirche ist der einzige Bündnispartner von uns Hartz-IV-Leuten. Ich wollte sie nicht verprellen.
Doch, schon. Ich hatte sogar ein bisschen Angst, dass er mich verhackstückt. Deshalb wollte ich nicht alleine hingehen. Aber die Staatskanzlei hat eine Begleitperson abgelehnt.
Ich weiß es nicht.
Davon steht nichts in seinem Brief.
Da steht viel über mich drin, was nicht stimmt.
Der ist schon ab, war nur ein Gag. Wenn man Jahre lang arbeitslos ist, hält man sich halt mit Galgenhumor über Wasser.
Mit Karten von verschiedenen Netzbetreibern. So kann man am billigsten telefonieren. Zum Beispiel von D2 zu D2. Außerdem hat keins der Handys mehr als 20 Euro gekostet.
Das mache ich auch.