:D wie Düsseldorf oder :D wie dat kenn ich

29. November 2012, 11:06 Uhr

Alle paar Jahre gönnen sich Städte neue Logos. Nun war Düsseldorf dran und entschied sich für ein neumodisches Emoticon. Leider hat die Stadt viel Geld für ein gebrauchtes Symbol ausgegeben. Von Niels Kruse und Henrietta Reese

Düsseldorf, Logo, Werbeagentur, BBDO, Kopie, Plagiat

So sieht's aus: das neue Logo der Stadt Düsseldorf©

Irgendwo in den Weiten des Internets muss jemand einen Sack mit Doppelpunkten und D's liegenlassen haben. Vielleicht mit einer angepinten Notiz drauf: "Zum Mitnehmen" oder dergleichen. Anders ist es nicht zu erklären, dass in letzter Zeit das irgendwie modern anmutende Zeichen :D weltweit Verbreitung findet. Schon vor vier Jahren spielte der Staat Dänemark mit diesem Smiley: ":Denmark - the happiest place on earth", hieß der Slogan. Weiter südlich, in Dubrovnik, begnügt man sich mit dem reinen Kürzel, die gleiche Idee benutzt die "Deutsche Arbeitsschutzausstellung" aus Dortmund. Und nun auch Düsseldorf.

150.000 Euro soll sich die Stadt die neue "Dachmarke" haben kosten lassen, heißt es. Zahlbar an die Agentur BBDO Proximity, die sich mit dem Entwurf gegen einige Mitbewerber durchsetzen konnte. Auf der Landeshauptstadt-Homepage heißt es zur Begründung im typischen Powerpoint-Sound: "Das rote 'smiling :D' steht für ein lächelndes Düsseldorf, strahlt Sympathie aus und ist multifunktional verwendbar. Dass ':D' soll eine 'Klammer' bilden, die in Zukunft die verschiedenen Akteure der Stadt verbindet - die Verwaltung, die städtischen Tochtergesellschaften, die Kulturinstitute, aber auch nicht-städtische Akteure wie Unternehmen der freien Wirtschaft."

Monatelanges Ringen mit dem Lebensgefühl der Stadt

Nun erwartet niemand von Düsseldorf, dass es weltweite Standards setzt. Außer vielleicht beim Altbier oder beim Beleidigen von Kölnern. Glaubt man den Fachblog "Design Tagebuch", dann ist der neue Markenauftritt "das Ergebnis eines über viele Monate hinweg andauernden Entwicklungsprozesses mit Markenkernanalyse und der Suche nach dem Lebensgefühl der Stadt", wie es dort heißt. Wieso es Monate gedauert haben soll, dieses naheliegende Allerweltslogo zu ersinnen, steht da leider nicht. Und auch die von der Agentur mitgelieferten Anwendungsbeispiele wirken nicht unbedingt so, als hätte man das Profi-Bildbearbeitungsprogramm "Photoshop" bis zum letzten ausgereizt.

Natürlich zerreißen sich die Leute das Maul über die neue Dachmarke: "Ach ja. Falls Ihr noch nichts darüber wisst. Habe der Stadt Köln das :K empfohlen", witzelt Jürgen Wallenweit via Twitter. Ein anderer hat sich ebenfalls Gedanken gemacht, wie man diese neumodischen Emoticons und Kürzel auf andere Städte übertragen kann: Und so wird bei Twitternutzer Tobi aus der "Städtebrüderschaft Rostock und Flensburg" nur ROFL. Wohlmeinender dagegen Facebook-Nutzer "Harry Hirsch": "Nicht schlecht. In Rot erinnert es an ein Clownsgesicht. Karneval-esque", schreibt er auf der offiziellen Düsseldorf-Seite.

Düsseldorf, Logo, Werbeagentur, BBDO, Kopie, Plagiat

Auch die :Dänen haben Humor. Kein Wunder, sind sie doch nach Eigenauskunft das glücklichste Volk der Welt.©

Angesichts der Häme hat die Stadtverwaltung bereits reagiert: Der "Rheinischen Post" sagte eine Rathaus-Sprecherin, dass man bei einem so gängigen Zeichen damit rechnen müsse, dass auch andere es nutzten. Und "Weltweit nutzt keine Stadt und kein Land ein ähnliches Logo. Und nur das ist für uns ausschlaggebend."

Der Sprecher der Agentur BBDO nimmt die Aufregung gelassen. Stark vereinfachte Mittel wie Emoticons oder bekannte Zeichen zu benutzen, sei nicht ungewöhnlich, sagte er stern.de. Früher habe beispielsweise Daumen-hoch für "Trimm Dich" gestanden, nun sei es der Like-Button von Facebook. "Es geht schließlich darum, mit einfachen, weltweit bekannten Zeichen viel zu erreichen. Die Kreativleistung steht nicht hinter der Erfindung eines Emoticons, denn natürlich gibt es das schon, sondern in der Verwendung und Umsetzung der Kampagne als Sympathieoffensive der Stadt." Es sieht so aus, als bekämen die BBDO-Leute in nächster Zeit noch einiges zu tun.

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