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Manchester hat Angst vor einem Serienmörder

Innerhalb von sechs Jahren wurden in Manchester 61 Männer tot in Kanälen gefunden. Viele sahen sich ähnlich und waren homosexuell. Ein Professor befürchtet einen bislang unentdeckten Serienmörder.

  Durch Manchester fließen sieben Flüsse, die teilweise durch dutzende Kanäle miteinander verbunden sind

Durch Manchester fließen sieben Flüsse, die teilweise durch dutzende Kanäle miteinander verbunden sind

Innerhalb der letzten sechs Jahren wurden in Manchester 61 Männerleichen in Wassergräben entdeckt. Viele der Opfer waren schwul und wurden in der Nähe des Gay Villages gefunden. Einige sahen sich ähnlich. Mehrere Zeitungen spekulieren jetzt über einen möglichen Serienmörder.

Viele Medien zitieren Craig Jackson, Professor für Soziologie an der Universität von Birmingham. Seiner Ansicht nach weise einiges darauf hin, dass es nicht nur eine Verbindung zwischen den Fällen gibt, sondern auch nur einen Täter. Der Zeitung "Daily Star Sunday" sagte er, "Es ist extrem unwahrscheinlich, dass die alarmierend große Zahl an Leichen, die in Kanälen gefunden wurden, auf Unfälle und Selbstmorde zurückzuführen ist." Wer sich das Leben nehmen möchte, würde dies nicht in einem Wassergraben tun, dies gelte statistisch gesehen besonders für männliche Selbstmörder, so Jackson weiter. Kanäle seien hingegen perfekte Orte, um eine Tat zu verschleiern. "Denn Wasser ist ein ziemlich sicherer Weg, um DNS-Spuren zu zerstören."

Die Polizei hat eine andere Theorie

Die Polizei teilt diese Ansicht allerdings nicht. Ein Polizeisprecher versicherte, dass jeder Todesfall in alle Richtungen untersucht worden sei. Habe es Ungereimtheiten gegeben, seien Gerichtsmediziner hinzugezogen worden. Auch bewerte man Fälle selten ausschließlich als einzelnes Ereignis, sondern suche nach Parallelen. "Wir konnten keine Verbindungen zwischen all diesen Vorfällen feststellen", so der Sprecher. In einer Reaktion auf die aktuellen Spekulationen erklärte die Polizei, dass die Leichen teilweise in der Region um Manchester gefunden wurden und nicht ausschließlich in der Innenstadt. Zudem haben Jackson nur die Informationen zur Verfügung gestanden, die auch der "Daily Star Sunday" gehabt habe. Tiefergehende Ermittlungsergebnisse der Polizei hätte er nicht beurteilen können.

Für Teile der Bevölkerung klingen die Worte der Polizei jedoch nach Beschwichtigungen. Auf der Facebook-Seite der "Manchester Evening News" wird Jacksons Theorie kontrovers diskutiert. Einige finden die Häufung von ausschließlich männlichen Toten suspekt und fragen warum keine Frauen auf Highheels betrunken in die Kanäle fallen würden. Schließlich sei Gay Village nicht nur bei Homosexuellen eine beliebte Partygegend. Zudem gäbe es andere Städte in Großbritannien mit mehr Wasserstraßen, ohne dass es dort zu so vielen Todesfällen kommen würde. Andere bezichtigen den "Daily Star Sunday" ein Interview geführt zu haben, ohne einem Experten alle nötigen Informationen vorzulegen.

Eines hat die Diskussion allerdings bereits erreicht: Die Polizei will nun ein Treffen zwischen ihren Ermittlern und dem Soziologen Jackson arrangieren. Gemeinsam soll nach eventuellen Mustern bei den Todesfällen gesucht werden.

ono
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