Wie Ihr Kind ein Schwimmer wird

14. Juli 2008, 16:28 Uhr

Schwimmen kann überlebenswichtig sein. Und doch sind fast 34 Prozent der Deutschen unter 19 Jahre Nichtschwimmer. Ein Mittel dagegen: Schwimmen lernen im Kindesalter. Wie und wo Ihr Kind schwimmen lernen kann, und was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie hier. Von Lisa Louis

Deutschland ist ein Nichtschimmer-Land: Fast 34 Prozent der bis zu 18-Jährigen können nicht schwimmen©

Eine erschreckende Zahl: Rund 34 Prozent der unter 19-Jährigen in Deutschland können nicht schwimmen. Damit sind sie nicht nur einer Möglichkeit der körperlichen Betätigung beraubt, verlieren so ein potentielles Stück Lebensqualität - sie gehen auch ein viel größeres Risiko ein zu ertrinken. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) starben in deutschen Gewässern im vergangenen Jahr 484 Menschen.

Doch was tun, wenn mein Kind nicht schwimmen kann? stern.de zeigt Wege auf, um den Nachwuchs in die Riege der Schwimmer aufsteigen zu lassen.

Was kann ich tun, wenn die Schule keinen Schwimmunterricht anbietet?

In Deutschland werden die Lehrpläne zwar von den Kultusministerien der einzelnen Länder erlassen, Einfluss darauf hätten aber sowohl die Schule als auch die Eltern in den Elternbeiräten, meint Martin Janssen, Pressesprecher des Bundesverbandes der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Dort könnten Letztere Wünsche, Anregungen und Vorschläge vorbringen, entschieden mit über die Verwendung der Lehrmittel. Und diesen Einfluss sollten auch Eltern nutzen, meint: "Man muss dafür sorgen, dass sich die Tendenz, Schwimmunterricht vom Lehrplan zu streichen, nicht fortsetzt", sagt er.

Ist jedoch der Schwimmunterricht vom Lehrplan der Schule gestrichen, können sich Eltern anderweitig Hilfe suchen: Die DLRG ist der größte Anbieter von Schwimm-Ausbildung. Außerdem bieten die Wasserwacht des Roten Kreuzes oder auch die Schwimmmeister in den einzelnen Bädern Schwimmkurse an.

Welche Schwimmabzeichen gibt es?

Die der Kultusministerkonferenz zufolge vorbereitende Prüfung auf die Schwimmabzeichen ist das "Seepferdchen": Dafür müssen Anwärter einmal vom Beckenrand ins Wasser springen, 25 Meter schwimmen in einem Schwimmstil ihrer Wahl und einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser herausholen. Martin Janssen von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge machen Kinder ab einem Alter von vier, fünf Jahren die Seepferdchen-Prüfung, können danach ihre Schwimmkleidung mit dem runden Stoffabzeichen mit dem Seepferdchen darauf verzieren.

Die Jugend-Schwimmabzeichen selbst teilen sich in Bronze, Silber und Gold: Bis zu knapp 600 Meter müssen Anwärter dafür schwimmen, tauchen und aus verschiedenen Höhen ins Wasser springen. Erwachsene absolvieren stattdessen Schwimmabzeichen, die sich wiederum in Bronze, Silber und Gold aufteilen. Im Vergleich zu den Jugend-Schwimmabzeichen müssen Bewerber für die Erwachsenen-Abzeichen unter anderem schneller schwimmen.

Wie viel kosten Schwimmkurse?

Einheitliche Preise für Schwimmkurse im Bundesgebiet gibt es nicht. Wie viel ein solcher in Ihrem Wohnort kostet, das erfahren Sie über die Kreisverbände der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) oder der Wasserwacht des Roten Kreuzes.

In Berlin-City beispielsweise müssen Schwimmschüler nur Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz sein, um bei der Kreiswasserwacht Schwimmkurse zu belegen - der Mindestbeitrag im Monat: fünf Euro. Ist der gezahlt, können Wasserfans am Seepferdchen-, Bronze- oder auch Rettungsschwimmer-Kurs ihrer Wahl teilnehmen -ohne Aufpreis.

Ein anderes Beispiel ist der Schwimmverein Straubing: Ein Anfängerkurs à zehn Unterrichtseinheiten, die jeweils 45 Minuten dauern, kostet 65 Euro. Am Ende dieser Schwimmstunden können die Wasser-Novizen das Seepferdchen ablegen. Für alle weiteren Jugend-Schwimmabzeichen bietet der Verein zwar keine Kurse an, jedoch nehmen die Schwimmmeister für jeweils drei Euro das Bronze-, Silber- und Gold-Jugendschwimmabzeichen ab - wenn nicht zu viel Betrieb im Bad herrscht.

Was tun, wenn das Kind sich schämt, ins Wasser zu gehen?

Kinder, die Scheu vor dem Wasser haben, sind kein Einzelfall, sagt Martin Janssen von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Doch Grund zur Panik bestehe nicht: "Unsere Ausbilder sind vorbereitet", sagt er. "Die sind so weit qualifiziert, dass sie eben den meisten Kindern, die Angst haben, diese auch nehmen können." So gebe es keinen vernünftigen Grund, ein Kind nicht zum Schwimmunterricht zu schicken. Selbst für Problemgruppen wie Anfallpatienten würden entsprechende Kurse angeboten, sagt Janssen.

Und dennoch, gibt der DLRG-Sprecher zu, gebe es hoffnungslose Fälle: " Manche Menschen haben nun mal so große Angst vor dem Wasser, dass sie eben nicht schwimmen lernen."

Wann sollte man nicht ins Wasser gehen?

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat einige Baderegeln herausgebracht - unter anderem, dass man nicht mit vollem oder ganz leerem Bauch baden gehen soll und sich nach dem Sonnenbad vor dem Sprung ins kalte Wasser langsam abkühlen soll. Diese Regeln, so DLRG-Pressesprecher Martin Janssen, beruhten alle auf Erfahrungen aus der Praxis.

Wichtig sei vor allem der Hinweis, nicht in unbekannte Gewässer zu springen: "In den vergangenen sieben Jahren sind 363 Menschen durch einen solchen Sprung zu Tode gekommen oder waren danach querschnittsgelähmt", sagt Janssen. Auch baden sollte man nicht in unbekannten Gewässern - schließlich kenne man weder Strömungen noch Wehre oder andere technische Bauten, die Verwirbelungen oder Strömungen erzeugen.

"Eine spannende Lektüre im Liegestuhl ist nicht angesagt" Eine weitere Regel ist, nicht an unbewachten Badestellen schwimmen zu gehen und nicht alleine zu schwimmen. Das gelte vor allem für Kinder, sagt Janssen. 80 Prozent der Menschen, die ertrinken, täten dies an solchen unbewachten Badestellen.

Eltern sollten außerdem ihr Kind immer im Auge behalten. "Sich zurücklehnen und eine spannende Lektüre im Liegestuhl lesen, ist nicht angesagt", meint Janssen. Auch nicht bei einem Kind mit Seepferdchen-Abzeichen.

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