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19. Dezember 2008, 09:28 Uhr

Hüllenlos im Harz wandern

Splitternackt durch das idyllische Wippertal: Die Idee eines offiziellen Nacktwanderweges im Harz erhitzt im kühlen Winter die Gemüter in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge. Von Gudrun Oelze

Harz, Nacktwanderung, Nackt wandern, Fkk-Wandern, Wippertal

Nur mit Schuhen und Rucksack unterwegs© Peter Macdiarmid/Getty Images

Von "Unsinn" bis "PR-Gag" reichen die Reaktionen auf die Überlegungen, die ursprünglich vom Harzer Verkehrsverband HVV stammen. Dieser hält sich inzwischen in dieser Angelegenheit lieber dezent zurück. In den beiden kleinen Dörfchen Herzberg und Wippra im Süden Sachsen-Anhalts keimen gleichwohl Hoffnungen auf eine touristische Belebung ihrer Region durch höchstens mit Hut, Rucksack und Schuhen bekleidete Wanderer.

An die Spitze der Nacktwanderbewegung wollen sich die Bürgermeister der beiden Orte nicht setzen, die der HVV mit der Idee anfangs in Verbindung gebracht hatte. "Ich habe lediglich erwähnt, dass es bei uns in einem gemeindefreien Waldgebiet ein FKK-Gelände gibt", sagt Herzbergs Bürgermeister Gerhard Walter. Wenn jemand Interesse habe, werde er den da schon hinführen. Aber ein Nacktwanderweg nahe der kleinen Residenzstadt in Südniedersachsen? Gänzlich gegen die Idee will sich das Stadtoberhaupt jedoch nicht stellen. "Ich bin kein Verhinderer, immerhin ist Herzberg 'die Esperanto-Stadt'", sagt er. "Ich bin aber nicht derjenige, der vorangeht, und sagt, ich gehe nackt wandern."

"Mit Anrufen bombardiert"

Auch Wippras Bürgermeisterin Monika Rauhut würde einen Nacktwanderweg keineswegs in der dann wohl erwarteten Kleiderordnung einweihen wollen. Sie reagierte anfangs überrascht und belustigt auf die Neuigkeit, dass ihr Erholungsort eine solche Tour planen soll. Doch die zahlreichen An- und Nachfragen - "ich wurde regelrecht mit Anrufen bombardiert" - ließen sie aufhorchen. Rauhut besprach die Angelegenheit zunächst mit dem Gemeinderat, der nicht generell ablehnte. Die Bürgermeisterin selbst sagt, sie sei "für jede Schandtat zu haben, solange ich den Nacktwanderern nicht vorangehen muss". Einzelheiten will sie nun mit Heinz Ludwig im nicht weit von Wippra entfernten Dankerode erörtern. Der Wirt und Campingplatz-Betreiber in jenem "stillen, schönen Ort, jedoch weit weg vom Schuss", begeisterte sich von Anfang an für die Idee eines Nacktwanderweges, "weil es so etwas in Deutschland noch nicht gibt".

Eine Reihe von Leuten und Gruppen wollten gerne hüllenlos wandern, sagt Ludwig. Das landschaftlich idyllische Wippertal biete sich an für eine spezielle Route, auf der Anhänger der Freikörperkultur dann fast unter sich wären. Denn hier gebe es zwar viel schönen Wald, doch wenig Touristen.

18 Kilometer FKK-Wandervergnügen

Gastwirt Ludwig und Bürgermeisterin Rauhut wollen sich noch vor Weihnachten zusammensetzen und besprechen, ob und wie man nun einen FKK-Wanderweg zwischen Dankerode und Wippra ausschildern kann - vorbei an der Wippertalsperre, in der schon immer auch nackt gebadet wird. Sechs Kilometer von Dankerode bis zur Staumauer, dann nochmals drei bis Wippra hin und zurück - sie hätten also 18 Kilometer unbekleidetes Wandervergnügen zu bieten. Natürlich dürfe ein FKK-Wanderweg-Schild kein Verbotszeichen für bekleidete Spaziergänger sein, wie an einem FKK-Strand ja auch kein Auszieh-Zwang bestehe, betonen beide.

Welche rechtlichen Dinge aber genau bedacht und welche bürokratischen Hürden eventuell zu überwinden sind, weiß Monika Rauhut noch nicht. Ludwig würde an seinem Zeltplatz einen bewachten Parkplatz und vielleicht auch Schließfächer einrichten, "denn irgendwo müssen die Leute ja ihre Sachen lassen". Ob nun schon zur nächsten Saison im Harz ganz offiziell auf einem extra dafür ausgewiesenen Weg nackt gewandert werden kann, "will ich nicht versprechen, bin aber guter Hoffnung", erklärt der Gastwirt.

Nackt gewandert wird in Deutschland im übrigen seit langem, einzeln oder in Gruppen, und meist in entlegenen Gegenden. Die Ursprünge gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Damals begannen Anhänger der Freikörperkultur, bei sportlichen Betätigungen im Freien auf Kleidung zu verzichten, um Natur, Sonne und Wind frei und pur erleben und spüren zu können.

AP

Von Gudrun Oelze
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
LaoLu (21.12.2008, 23:49 Uhr)
Oh, Großer Geist,
zwischen Nackbaden oder -sonnen
und nacktem Hintern über Wanderstiefeln
oder primären Geschlechtsmerkmalen in Augenhöhe der Kassiererin im Supermarkt
oder einem Fahrradsattel in der unverpackten Kimme
.
besteht denn doch ein kleiner Unterschied, oder?
.
Gruß
LaoLu
Kleingeist und Nacktbader seit ?? Jahren
Salzsteuer (21.12.2008, 09:11 Uhr)
Oh, Ihr Kleingeister !
Geht einfach mal nackich schwimmen, dann merkt Ihr den Unterschied.
Ach, Ihr traut Euch nicht, das passt!
LaoLu (21.12.2008, 00:29 Uhr)
Doch, doch, völlig natürlich
oben der nackte Hintern
und einen guten Meter tiefer Wanderstiefel.
.
Völlig natürlich...
.
Genau wie nackt im Restaurant oder Supermarkt
Asiat (20.12.2008, 16:31 Uhr)
Stelle mir gerade vor...
...dass im Winter Hundchen im "Anorak" nebenher wandert...
Oder gilt diese Idee nur fuer warme Tage?
harzveteran (20.12.2008, 16:15 Uhr)
nun auch noch das
Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis tanzen.
Hoffentlich läuft mir da keiner mal über den Weg. Könnte mir vorstellen, daß mir da die Augen tränen, bzw. sich die Hornhaut verkrümmt bei so manchem Anblick.
Mal sehen, was als nächstes kommt.
Sachsen-Anhalt hätte doch wahrlich anderes zu bieten als diesen Quatsch.
Villeicht sehen sich die, die sich sowas einfallen lassen haben, noch als Vordenker. Machmal kann ich nur noch den Kopf schütteln über das Land der Frühaufsteher und Rotelaterneträger der Arbeitslosigkeit. Kümmert euch die die richtigen Probleme in LSA.
PS: Vielleicht bin ich auch nur zu alt, um das alles zu verstehen.
Blacky007 (20.12.2008, 13:34 Uhr)
Das eigentliche Problem ist
dass viele Menschen meinen, anderen vorschrieben zu müssen, wie sie zu leben haben. Mein Gott, wenn sie sich glücklich fühlen, sollen sie doch nackt wandern. Man trennt die Wanderwege, wie bei Seen die FKK-Gelände und alles ist gut. Ein wenig mehr Toleranz der Deutschen im Allgemeinen wäre angebracht und würde das Miteinander erheblich erleichtern. Geistig armselig finde ich insbesondere die hiesigen Kommentare, die FKK auf soziale Schichten brechen. Was hat bitte FKK mit H4 zu tun?
Clamaria (20.12.2008, 13:27 Uhr)
@marihuana
Ich stimme Ihnen vorbehaltlos zu. Angezogen sieht meistens viel besser aus. Und das hat mit Geschmack zu tun und nicht mit Verklemmtheit. Ich habe schon Sendungen über FKK gesehen, da graust es einen, was man da so sieht. Brrhh!!
steinhaus (20.12.2008, 12:10 Uhr)
So lange der Weg als Einbahnstraße angelegt ist,
kann die Sache genehmigt werden. Er muss halt über eine überraschende Klippe führen.... und ein Schild muss das Risiko minimieren: "Benutzen auf eigene Gefahr". Das wird dann der abenteuerlichste Weg für Nachtwanderer!
Krakatoa41 (20.12.2008, 11:42 Uhr)
@marihuhna
irgendwie haben Sie da etwas falsch verstanden, Nacktwanderer machen dieses, um sich wohl zufühlen und nicht um irgendwelchen notgeilen Gaffern einen ästhetischen Genuss zu verschaffen. Nackt sein ist etwas völlig natürliches, es ist gesundund unter FKK Anhängern geht es nicht darum, das alle ein "ästhetisches" Aussehen haben, sondern einfach um Freude am Gemeinsamen.
Salzsteuer (20.12.2008, 09:55 Uhr)
gmathol, es gibt FKK-Plätze
in Deutschland, da treffen sich u.a. Menschen von denen jeder jährlich mehr Steuern zahlt als Sie in Ihrem ganzen Leben wohl jemals insgesamt verdienen werden.
Besondere Vorlieben haben nichts mit dem Einkommen oder der sozialen Stellung zu tun.
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