RWE plant Comeback für Millionen Nachtspeicher

4. Dezember 2012, 09:14 Uhr

Eigentlich sind sie ein Auslaufmodell, aber sie stehen halt noch rum: 1,4 Millionen alte Speicherheizungen sollen nun womöglich die Energiewende voranbringen. RWE will sie dafür technisch aufrüsten. Von Michael Gassmann

Nachtspeicher, Energiewende, RWE, Stromspeicher, Ökostrom

1,4 Millionen Nachtspeicher sind noch eingebaut.©

Der Energieversorger RWE will elektrische Speicherheizungen wiederbeleben. Die als veraltete Stromfresser geltenden Geräte sollen künftig gar die Energiewende vorantreiben: Der Konzern will sie mit moderner Regeltechnik ausstatten und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken nutzen. Auch der Versorger EnBW spielt ein solches Modell durch.

Ein Praxistest mit 50 Wohnungen war laut Norbert Verweyen, Technikchef der RWE-Effizienztochter, erfolgreich. "Technisch funktioniert das System schon heute", sagte Verweyen der FTD. "Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen." Dazu solle das ab 2019 geplante Verbot für den Verkauf von Speicherheizungen fallen.

Die Vorstöße zeigen, wie verzweifelt Stromversorger jede Möglichkeit nutzen, Energie zwischenzulagern. Bei elektrischen Speicherheizungen geht zwar viel Energie verloren. Doch herkömmliche Wasserkraftwerke mit Pumpspeichern reichen als natürliche Batterien immer weniger aus, um die schwankenden Mengen Ökostrom aufzunehmen: 2011 mussten dreimal so viele Windräder zwangsweise stillstehen wie im Jahr zuvor. Die Energie konnte weder abtransportiert noch zwischengelagert werden - rund 407 Gigawattstunden Strom gingen so laut Windenergieverband verloren. Genug, um eine Stadt mit 100.000 Haushalten 15 Monate lang zu versorgen.

Dabei wäre Speicher-Infrastruktur vorhanden: Zwar sind die meisten Elektroheizungen längst aus den Wohnungen verschwunden, doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen - und den Versorgern so Milliardeninvestitionen zu ersparen.

Nachrüstung ausgefeilter Steuerelektronik

Nachrüsten sollen die Verbraucher dafür eine ausgefeilte Steuerelektronik, die flexibel auf Temperatur- und Strompreissignale reagiert. Anders als früher wird so nicht zu festgelegten Zeiten Strom nachgeladen. Stattdessen nutzen die Systeme die teils starken Preisschwankungen bei der sogenannten Regelenergie, die je nach Bedarf im Netz zu- und abgeschaltet wird: Ist Strom gerade billig, laden die Geräte nach, steigt der Preis, schaltet die Elektronik ab. RWE will so Heizstrom zehn Prozent unter dem normalen Nachtspeichertarif anbieten. Vermarktet werden soll das Modell als "Windheizung" - wohl in der Hoffnung, die Assoziation der E-Heizung mit Atom und Asbest zu vermeiden.

Ob elektrische Speicherheizungen jedoch der Energiewende nützlich sind, ist umstritten. Nach Einschätzung von Felix Matthes, Energieexperte beim Öko-Institut, taugen sie nicht als übergroße Batterien. "Nachtspeicher fragen mit schöner Regelmäßigkeit und besonders dann Strom nach, wenn der Wind nicht weht", sagte Matthes. Es solle deshalb beim Verbot der Geräte bleiben. Auch die Versorger Eon und Vattenfall sehen derzeit keine Chancen für eine Renaissance dieser Technologie. Sie probieren stattdessen andere Techniken aus, um Strom als Wärme zu nutzen. So will Vattenfall für 500 Millionen Euro einen gigantischen, mit Windenergie betriebenen Tauchsieder in einen Wasserspeicher in sein Hamburger Fernwärmenetz einbauen.

Manuel Frondel, Energieexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung, verwies dagegen auf positive Erfahrungen in Dänemark: Dort würden zahlreiche Haushalte elektrisch mit Windstrom beheizt. Die Netzbetreiber erhielten damit eine Möglichkeit, die Nachfrage zu steuern. "Vor diesem Hintergrund sollte das Verbot von Elektrospeicherheizungen fallen gelassen werden", sagte Frondel.

Übernommen aus ... FTD zur Homepage

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Energiewende RWE Strom Stromversorger Vattenfall Windenergie
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.