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27. Dezember 2008, 11:47 Uhr

Wer steckt hinter "Finanztest"?

Von Verbrauchern geliebt, von Banken und Versicherungen gefürchtet: Seit fast zehn Jahren leitet Hermann-Josef Tenhagen das am weitesten verbreitete Geld-Magazin Deutschlands. Seriös, sachlich - und vor allem unabhängig. Von Franziska Reich

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Gefragter Sachverständiger: "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen im Konferenzraum der Redaktion in Berlin© Bärbel Schmidt

Es klingt so einfach, so einleuchtend, wenn er spricht. Es klingt so sehr nach gutem altem Menschenverstand inmitten des Wahnsinns der globalen Krise. Wenn er sagt: "Ein Rezept für die Zukunft: Kaufe nie etwas, was du nicht verstehst." Oder: "Die Finanzprofis sind qua Job gierig. Die Produkte, die sie verkaufen, tragen nur keine Preisschilder" - dann denkt man: Ja! Und: Stimmt! Ein Gespräch mit Hermann-Josef Tenhagen, 45 Jahre alt, Chefredakteur des Monatsmagazins "Finanztest", beruhigt. Mehr noch - es lässt den Dauerregen vor den Fenstern seines kleinen, verkruschtelten Büros im Berliner Westen vergessen.

Jungen-Charme und scharfer Verstand

Es gibt Zeiten, da sehnt man sich mehr als sonst nach Menschen wie Tenhagen, die nicht zögern und nicht stottern. Die Finanzkrise ist eine solche Zeit - und seit sie in den Hirnen der Deutschen angekommen ist, spüren sie, dass es nicht viele gibt, denen sie vertrauen können. Und so sitzt also Hermann-Josef Tenhagen seit Ausbruch der Krise mit Jungen-Charme und scharfem Verstand in Talkshows oder in Gesprächen wie diesem und beantwortet beruhigend einfach und verständlich jede noch so blöde Frage.

Er hat Politologie, Volkswirtschaft und Pädagogik studiert. Er hat sich schon immer für die Zusammenhänge zwischen Oben und Unten interessiert. Nach seiner Arbeit als stellvertretender Chefredakteur der linken "tageszeitung" und als Nachrichtenchef der "Badischen Zeitung" übernahm Tenhagen 1999, acht Jahre nach der Erstausgabe von "Finanztest", die Leitung der 50-köpfigen Redaktion.

Simple Bewertungsskala

Als Ableger der mehr als 40 Jahre alten Stiftung Warentest arbeitet die "Finanztest"- Redaktion unter demselben Dach mit derselben Bewertungsskala: von "sehr gut" bis "ungenügend". Über die Hälfte des Teams gehört zur Redaktion und entwirft und begleitet die Themen. Die Tester sammeln Daten und untersuchen die Finanz- und Versicherungsangebote nach streng wissenschaftlichen Formeln. Autoversicherung, Riester-Rente, Aktien, Anleihen, Zertifikate - bevor sie ihr Urteil sprechen, arbeiten sie bis zu einem halben Jahr lang an den Berechnungen.

Nach der Veröffentlichung der manchmal niederschmetternden Ergebnisse hat Tenhagen schon einige Brüllereien mit Marketingleuten und Anwälten am Telefon erlebt. Zu Schadenersatz ist "Finanztest" noch nie verdonnert worden. Und obwohl sie 2002 Riester-Versicherungen falsch bewertet hatten und die Auflage einstampfen mussten, eine Katastrophe, hat der Ruf als verlässliche Tester nicht nachhaltig gelitten.

Absolut unabhängig

Die Wirtschaftsgiganten können der Redaktion tatsächlich nichts. Das Heft finanziert sich ausschließlich über Stiftungsgeld der Bundesregierung und den Verkaufserlös der 270.000 Hefte. Wenn sich Tenhagen mit irgendeinem Manager im Berliner Café Einstein trifft, dann zahlt er seinen Kaffee selbst. Tenhagen ist ein Verfechter der rigorosen, der absoluten Unabhängigkeit.

Monat für Monat bemüht er sich mit seiner Redaktion, wenigstens einen schmalen Trampelpfad durch dieses Dickicht zu schlagen. Auch seine privaten Finanzen gestaltet er so übersichtlich und sicher wie möglich. Besitzt ein Konto, ein Häuschen mit Schulden und ein paar Aktien an einem Ökounternehmen, die er mal geschenkt bekam. Den so oft beschworenen "informierten Verbraucher" hält er für "eine Schimäre". Weil die Deutschen wenig über Geldanlagen wissen und noch immer ihrem Bankberater vertrauen wie einem lieben Verwandten. Weil sie so oft nicht wissen, welche Fragen sie stellen müssen, um an die entscheidenden Informationen zu kommen. "Wir tun nicht mehr, als ganz pragmatisch zu testen. Was ist gut, was ist schlecht - bei Geld lässt sich das einfach berechnen", sagt Tenhagen. Ja, es klingt einfach, einleuchtend, wenn er spricht. Und es gibt Zeiten, da sehnt man sich nach nichts mehr als nach dieser Art von ruhigem Verstand.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 50/2008

Von Franziska Reich
 
 
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