Ratgeber Eigenheim

Planen, Anpacken, Nerven behalten

Das Bauvorhaben Eigenheim ist mehr als nur eine Baustelle - es sind drei: Zum eigentlichen Bau kommen die "Papierbaustelle" und die "Baustelle Zwischenmenschliches". Von Daniela Münster-Daberstiel

Der erste Spatenstich mit Folgen

Steht die Baufinanzierung, ist die Baugenehmigung erteilt, sind die Baufirmen beauftragt, dann wird es ernst auf der "richtigen Baustelle". Der erste Spatenstich wird gerne zelebriert. Am neuen Spaten aus dem Baumarkt klebt noch das Preisschild, der Bauherr improvisiert eine kleine Rede und Mutti macht Fotos. Doch beim Gedanken an weitere Spatenstiche steht schnell fest: Ein Bagger muss her. Wer selber baggert oder Kumpel Fred das erledigen lässt, tut gut daran zu wissen, wo sich die Versorgungsleitungen befinden. Ein gelbes Markierungsband im Erdreich zeigt Gas- und Wasserleitungen an. Telefon- und Kabelfernsehen liegen meist nicht weit davon. Will man alle neuen Nachbarn kennenlernen, ist eine Möglichkeit die gekappte Telefonleitung... Aber es gibt nettere Wege, sich im Wohngebiet vorzustellen. Der "Rettungseinsatz" der Telekom kann schnell einige hundert Euro kosten. Wird ein Profi mit den Grabungsarbeiten beauftragt, so sollte dieser einen Schachtschein vorweisen können.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Ob man mit einem Generalunternehmer baut oder die einzelnen Gewerke selbst beauftragt - ohne gute Planung und verbindliche Absprachen kann der Traum vom eigenen Haus schnell zum Alptraum werden. Packt die Baufamilie selbst mit an (oft kommt ohne "Muskelhypothek" keine Baufinanzierung zustande), müssen die Aufgaben klar getrennt werden. Schon aus Gründen der Gewährleistung sind alle Absprachen, auch zwischen Bauhelfer-Freunden und Handwerkern, schriftlich festzuhalten. Auf die Bauleitung sollte Verlass sein - doch Kontrolle ist immer besser. Die Zusatzkosten für eine unabhängige Baubetreuung im Auftrag des Bauherren rentieren sich schnell. Der praxiserfahrene Architekt oder ein Bausachverständiger hilft, versteckte Fehler rechtzeitig zu entdecken und fachgerecht beheben zu lassen.

Rohbautoleranzen sind von gestern

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Doch bei statischen Bauteilen sind Kompromisse der Holzweg. Wände, Decken, Dach - da können mangelhaftes Material und fehlerhafte Ausführung nicht nur Geld sondern schlimmstenfalls sogar Leben kosten. Auch beim Rohbau kommt es auf Zentimeter an. Wurden früher Ziegelsteine mit Mörtel aufgeschichtet, kommen heute Formsteine zum Einsatz. Mit denen sind gerade Wände und gleichmäßige Fugen kein Zufall. Wenn die Neigung des Fußbodens im Kinderzimmer die Matchboxautos von allein rollen lässt, ist es zu spät für Schadensbegrenzung. Der Begriff "Rohbautoleranzen" sollte der Vergangenheit angehören und dient maximal noch als Ausrede. Türen, Fenster, Treppen, die dank Pfusch am Rohbau nicht mehr standardmäßig passen und in Sondermaßen nachbestellt werden müssen, reißen ein dickes Loch in die Baukasse.

Richtfest ist Halbzeit

Steht der Rohbau und ist der Dachstuhl gesetzt, wird Richtfest gefeiert. Diese Halbzeitpause dient der "Baustelle Zwischenmenschliches". Laden Sie alle Nachbarn ein und vergessen Sie niemanden! Auch nicht den Baufinanzierer, die Steuerberaterin und die "Sponsoren" aus der Familie. Und keinesfalls die Freunde, die beim Innenausbau als freiwillige Bauhelfer mit anpacken wollen. Denn in punkto Eigenleistungen geht jetzt der Stress erst richtig los: Für viele Baufamilien ist diese Ausbau-Phase eine echte Belastungsprobe. Tagsüber Job, abends und am Wochenende Bau - das schlaucht nicht nur körperlich. Will man nicht am Tag des Einzugs gleich die Scheidung einreichen, ist viel Toleranz vonnöten. Und die Gewissheit, dass alles irgendwann geschafft sein wird.

Ein Jahr später

Da, wo die Baufamilie heute am Küchentisch sitzt, klaffte vor einem Jahr noch eine tiefe Grube, umrahmt von rot-weißem Absperrband. Beim Betrachten der unzähligen Fotos, die zu Dokumentationszwecken für die Bank gemacht wurden, wird den Bauherren bewusst, was sie geschafft haben. Das eigene Haus!

Jetzt können sie lachen über Witze wie diesen: "Wasserwaage? Ich bin Trockenbauer, mit Wasser hab ich nichts zu tun!". Und über den Kranfahrer, der immer in den Garten der Nachbarin gepinkelt hat. Nun haben sie sich daran gewöhnt, dass einige Steckdosen hinter den Heizkörpern versteckt sind. Inzwischen wissen alle, dass sich im Bad der Lichtschalter hinter der Tür befindet, und man in die Badewanne klettern muss, um das Fenster zu öffnen. Es fällt auch fast gar nicht auf, dass die Fliesen im Flur gesprungen sind, weil der Estrich noch nicht vollständig durchgetrocknet war. Auch die kleinen Dellen im Parkett und die Tapezierfehler im Wohnzimmer haben sich mit der Zeit "weg geguckt". Als Nächstes ist der Garten dran!

Von Daniela Münster-Daberstiel
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