Ratgeber Eigenheim

Damit das Traumhaus nicht zum Albtraum wird

Investition in professionelle Hilfe lohnt

Doch welcher juristische Laie, der über seinem Vertrag brütet, wird solche Fallstricke schon auf Anhieb sehen? Nehmen Sie sich deshalb am besten einen Experten zur Seite, der den Vertrag auf Herz und Nieren prüft. Spezialisierte Anwälte und Sachverständige übernehmen diesen Job für etwa 600 Euro. Das ist gut angelegtes Geld - gemessen an dem Ärger, der Zeit und den hohen Zusatzkosten, die eine solche Überprüfung sparen kann.

In jedem Fall sollte auch ein Sachverständiger die Baubeschreibung überprüfen, denn gerade hier sind die Anbieter oft sehr vage und lassen sich selbst damit viel Freiraum etwa bei der Wahl der Materialien oder der Bauweise", sagt Baurechtler Scheffelt. Experten wie Architekten und Ingenieure haben den geschulten Blick dafür, um solche zu unkonkreten Angaben zu erkennen.

Gerne schummeln unseriöse Bauträger auch für sie vorteilhafte Klauseln in den Vertrag. Etwa solche, mit denen sie sich Material- und Konstruktionsänderungen vorbehalten. "Solche Klauseln sind für den Kunden nachteilig, auch wenn dabei angeblich der Bauwert nicht beeinträchtigt wird", wie der VPB erläutert. Auf die krumme Tour versucht es die Baufirma auch, wenn sie das alleinige Hausrecht für sich auf der Baustelle beansprucht. Heißt: Für den Bauherrn würde es in dem Fall schwierig nachzuprüfen, ob alle Arbeiten tatsächlich vertragsgemäß erledigt werden.

Kosten von mehreren Tausend Euro

Eine weitere gängige Masche der Bauträger: In den Angeboten werden zusätzlich anfallende Kosten verschwiegen, etwa für notwendige Anschlüsse oder die Deponierung des Erdaushubs. Ist der Auftrag erst unterzeichnet, bleibt dem Bauherrn oft nichts anderes übrig, als diese Arbeiten hinterher noch Auftrag zu geben. Oft kommen so noch Kosten von mehreren Tausend Euro zusammen.

Jurist Scheffler rät daher, den Vertrag so detailliert wie möglich aufzusetzen. Folgende Bereiche sollten dabei abgedeckt sein

  • Formalia wie Baugenehmigung, Teilungserklärung und Lastenfreistellung
  • Leistungen
  • Materialien
  • Fristen
  • Zahlungsplan

Einen Blick sollten Sie auch in das Gutachten zum Grundstück werfen - beziehungsweise vom Experten werfen lassen. Verweigert der Bauträger dies, verbergen sich möglicherweise Risiken im Boden.

Unlautere Kungelei mit dem Abschlag

Aufhorchen sollten Sie zudem, wenn Ihr Gegenüber enorm hohe Abschlagszahlungen verlangt. Denn die Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) macht hier ganz konkrete Vorgaben: Nach Beginn der Erdarbeiten dürfen beispielsweise 30 Prozent der Bausumme erhoben werden, weitere 28 Prozent nach Fertigstellung des Rohbaus.

"Eine Firma, die aber nach dem Rohbau schon eine Abschlagszahlung von 75 Prozent verlangt, ist unseriös," so Penningh. Ein solches Vorgehen fiele dann unter die Kategorie "Betrug". Abzuraten ist ganz klar auch von Extremfällen, wo bereits Abschlagszahlungen fällig werden, ohne dass der Bautrupp auch nur einen Finger auf der Baustelle krumm gemacht hat. "Am besten geschützt ist ein Bauherr in jedem Fall, wenn er die Einhaltung der Voraussetzungen des Zahlungsplans überprüft", sagt Anwalt Scheffelt - also: ob der vom Bauunternehmen abgerechnete Leistungsstand auch wirklich erbracht wurde.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie als Kunde bis zur Hausübergabe insgesamt nur 95 Prozent der anfallenden Summe tilgen. Außerdem empfiehlt Penningh, auf Sicherheiten zu bestehen, die der Bauträger mit seiner Bank vereinbart. Da ist zum einen die sogenannte Fertigstellungsbürgschaft. Sie soll dem Kunden Geld garantieren, für den Fall, dass der Bauträger noch während der Bauphase pleite geht. Per Gesetz sind fünf Prozent der Bausumme vorgesehen, doch angemessen seien hier etwa 30 bis 40 Prozent, so Penningh. Eine solche Bürgschaft ist ein deutliches Indiz für die Bonität des Bauträgers. Allerdings werden die Kosten hierfür in der Regel auf den Erwerbspreis aufgeschlagen.

Hinzukommen sollte noch eine Gewährleistungsbürgschaft über fünf Prozent der Bausumme. Falls nämlich der Bauträger während der anschließenden fünfjährigen Gewährleistungsfrist Insolvenz anmelden muss, ist immer noch Geld da, um eventuell notwendige Reparaturen zu begleichen.

Schleppende Arbeiten deuten auf Pleite

Woran hätten nun die Rudolfs die drohende Insolvenz ihres Bauträgers erkennen können? Zum Beispiel daran, dass auf der Baustelle plötzlich alles etwas schleppender ging. Auch wenn Arbeiten schlampig durchgeführt werden oder Subunternehmen sogar die Tätigkeit einstellen, sind dies erste sichtbare Alarmzeichen einer sich anbahnenden Pleite. Experten raten deshalb immer wieder dazu, einen Bausachverständigen hinzuzuziehen. Für etwa 1800 Euro begleiten solche Profis den Hausbau vom ersten Spatenstich bis zur Endabnahme, und können so während der Bauphase den Kunden alarmieren. Außerdem entdecken sie viel schneller eventuellen Pfusch am Bau. Ganz zu schweigen davon, dass mit ihrer Hilfe der Kunde beim Bauträger viele Zusatzleistungen herauskitzeln kann, die er allein wohl nie bekäme.

Drei Jahre nach dem Einzug ist bei den Rudolfs in Hamburg endlich Normalität eingekehrt. Garten, Hausverkleidung und Parkplätze sind endlich fertig, doch die Familie hat um ihr Geld noch lange kämpfen müssen. "Würden wir noch einmal bauen, würden wir sicher vieles anders und einiges besser machen", sagt Sophia Rudolf.

Von Tanja Vedder
Seite 1: Damit das Traumhaus nicht zum Albtraum wird
Seite 2: Investition in professionelle Hilfe lohnt
 
 
Jetzt bewerten
3 Bewertungen
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Albtraum Bauträger Hamburg Hausbau Transparenz Traumhaus VPB Woran
MEHR ZUM ARTIKEL
Bauen oder kaufen So wird der Traum vom Eigenheim wahr

Für die meisten Menschen sind die eigenen vier Wände die größte Investition im Leben. Niedrige Zinsen machen den Bau oder Kauf derzeit attraktiv. stern.de zeigt den Weg ins Eigenheim.

Machen Sie den Test Sind Sie fit für Wohneigentum?

Für 43 Prozent der Deutschen ist die eigene Immobilie Favorit beim Vermögensaufbau. Damit Ihr Traum von den eigenen vier Wänden nicht zum Albtraum wird, sollten Sie sich ein paar Fragen stellen.

 
stern-Ratgeber In 10 Schritten zum Eigenheim

Planen, kaufen, bauen: Von der Suche bis zur Finanzierung - Ihr Wegweiser zum eigenen Haus
Linde Verlag
160 Seiten
ISBN: 9783709302880
9,90 €
Hier bestellen

 
 
 
Baugeld-Vergleich Günstige Baukredite suchen

Vergleichen Sie schnell die Baukredite unterschiedlicher Anbieter mehr...

 
 
 
 
 
Wohngebäude-Versicherung Bei Hagel, Blitz und Feuer

In wenigen Schritten zum passenden Versicherungsmodell mehr...