Aus Sonne Geld machen

29. Juni 2011, 11:25 Uhr

Die Förderung für Solarstrom wird anders als geplant auch in der zweiten Jahreshälfte 2011 nicht gekürzt. stern.de erklärt, für wen es sich lohnt, eine Solaranlage auf dem eigenen Dach zu installieren. Von Peter Neitzsch

Für Hausbesitzer sind es gute Nachrichten: Bis Ende des Jahres gibt es weiterhin viel Geld für Strom aus neuen Solaranlagen. Weil zu wenig neue Anlagen installiert wurden, verzichtet die Bundesregierung darauf, die Förderung von Solarstrom wie geplant zum 1. Juli zu kürzen. "Es wird im Juli keine Absenkung der Vergütung geben", bestätigt die parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU). Das Geld für Sonnenstrom fließt weiter wie bisher.

Nur spärlich bauten die Deutschen 2011 neue Solaranlagen. Im zweiten Quartal des Jahres kamen nur 700 Megawatt hinzu. Das entspricht hochgerechnet einem Ausbau von 2800 Megawatt im Jahr - deutlich weniger als die von der Bundesregierung angestrebten 3500 Megawatt. Erst ab dieser Zielmarke sollte es Kürzungen geben. Hausbesitzer, die noch 2011 eine Solaranlage auf ihrem Dach installieren, profitieren also weiterhin von der lukrativen Vergütung. stern.de erklärt, für wen sich eine Anlage lohnt - und für wen nicht.

Wie viel Geld gibt es für Strom aus Solaranlagen?

Der mit einer Solaranlage erzeugte Strom kann entweder selbst verbraucht oder ins Stromnetz eingespeist werden. Für kleine Dachanlagen auf dem eigenen Haus wird 2011 eine Einspeisevergütung von 28,74 Cent pro Kilowattstunde bezahlt. Die Förderung bezahlt der Bürger über den Strompreis. Größere Anlagen erhalten je nach Standort bereits heute lediglich eine Einspeisevergütung von mindestens 21,11 Cent.

Bleibt die Förderung künftig in dieser Höhe erhalten?

Je nachdem wie sich die Zahl neuer Anlagen entwickelt, kann die jetzt ausgefallene Kürzung 2012 nachgeholt werden. Davon unabhängig sieht das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, dass die Vergütung für Strom aus neuen Anlagen zum 1. Januar 2012 um neun Prozent sinkt. Die Betreiber bestehender Anlagen sind von den Kürzungen allerdings nicht betroffen: Die Höhe der Einspeisevergütung wird auf 20 Jahre garantiert und richtet sich nach dem Zeitpunkt des Anlagenbaus. Danach endet zwar die Sondervergütung, aber das Einspeiserecht bleibt: Die Betreiber können ihren Strom entweder selbst verbrauchen oder zum dann üblichen Marktpreis verkaufen.

Für wen lohnt es sich, eine Solaranlage zu installieren?

Wer über die nötige Dachfläche für eine Solaranlage verfügt, muss zunächst einmal investieren. Ob sich die Anlage auszahlt, hängt neben den Kosten vor allen Dingen von der Laufzeit ab. Je mehr Sonneneinstrahlung eine Anlage erhält, desto eher rechnet sie sich. Bei der derzeit garantierten Einspeisevergütung von 28,74 Cent amortisiert sich eine Solaranlage ohne zusätzliche Förderung etwa nach 10 bis 15 Jahren. Eine gut gepflegte Anlage kann allerdings durchaus weit über 30 Jahre Strom produzieren, auch wenn die Leistung im Laufe der Zeit etwas nachlässt. Vor der Anschaffung einer Solaranlage sollte man sich auch über die zahlreichen Förderprogramme der Bundesländer und der Kommunen informieren. Einen Überblick über die Fördermittel erhalten Sie hier.

Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik- und Solarthermieanlagen?

Wer mit Sonnenenergie Strom erzeugen möchte, braucht eine Photovoltaik-Anlage. Mit der Solarthermie-Technologie lässt sich lediglich Wärme für den Eigenverbrauch erzeugen - für Warmwasser und Heizung. Unter Umständen lässt sich in den Sommermonaten so mit Sonnenkollektoren der gesamte Warmwasserbedarf eines Haushalts decken. Strom lässt sich mit der Photovoltaik-Technik produzieren: Die Solarzellen werden dabei durch einen Aluminiumrahmen zu einem Solarmodul verbunden. Die Zellen bestehen meist aus Silizium, das einen hohen Wirkungsgrad hat - also mehr Strom liefert - aber relativ teuer ist. Billiger sind sogenannte Dünnschichtmodule, die allerdings einen geringeren Wirkungsgrad haben. Generell gilt: Je weniger Dachfläche zur Verfügung steht, desto effizienter müssen die Module sein. Unabhängig davon sollte stets auf die Qualität der Anlage geachtet werden. Hier hilft der Photovoltaik-Anlagenpass.

Wie viel kostet eine Solaranlage?

Eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 1000 Watt unter optimalen Bedingungen (Kilowattpeak) kostet etwa 2500 Euro. Damit lassen sich im Jahr rund 800 bis 1000 Kilowattstunden Strom produzieren, etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Verbrauchs einer vierköpfigen Familie. Wer sich komplett selbst versorgen will, muss mit Kosten von 10.000 bis 12.000 Euro rechnen. Hinzu kommen die Zinsen für den Kredit, der unter Umständen aufgenommen werden muss. Günstige Darlehen sind beispielsweise bei der Förderbank KfW erhältlich. Auch Betrieb und Wartung der Anlage verursachen jährlich Kosten, die etwa ein Prozent der Investitionssumme ausmachen. Bei einer Anlage im Wert von 7000 also in etwa 70 Euro im Jahr. Der Preis für eine Solarthermie-Anlage für einen Vier-Personen-Haushalt liegt zwischen 4000 und 6000 Euro - einschließlich Mehrwertsteuer und Montage.

Ich möchte eine Photovoltaik-Anlage auf meinem Dach installieren. Worauf muss ich achten?

Eine Solaranlage mit einer Spitzenleistung von 1000 Watt benötigt eine Dachfläche von sechs bis zehn Quadratmetern. Um die vierköpfige Beispielfamilie zu versorgen sind also mindestens 30 bis 40 Quadratmeter nötig. Der erzeugte Strom wird jedoch unabhängig vom eigenen Bedarf in das allgemeine Stromnetz eingespeist, weshalb sich auch kleinere Anlagen rechnen. Am besten für eine Solaranlage geeignet ist eine Dachfläche mit einer Neigung von 20 bis 60 Grad (als optimal gelten 30 Grad), die nach Süden zeigt. Auch Dächer mit südöstlicher oder südwestlicher Ausrichtung sind noch für Photovoltaik-Anlagen geeignet. Mit speziellen Rahmen lassen sich optimal ausgerichtete Solarpanels auch auf Flachdächern installieren. Wichtig ist, dass keine Bäume oder Häuser Schatten auf die Solarzellen werfen.

Müssen die Einnahmen versteuert werden?

Wer Solarstrom ins Netz einspeist, gilt als Gewerbetreibender und muss seine Gewinne versteuern und eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Kleinunternehmer können sich zwar von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen, allerdings besteht dann nicht mehr die Möglichkeit, sich die Umsatzsteuer für Material und Installation vom Finanzamt erstatten zu lassen. Davon unabhängig kann die Investitionssumme über 20 Jahre abgeschrieben werden. Den vorrausichtlichen Gewinn, der sich derzeit mit einer Photovoltaik-Anlage erzielen lässt, können Sie hier errechnen.

Sollte die Solaranlage versichert werden?

Um vor Schäden geschützt zu sein, sollte eine Anlage versichert werden. Sowohl eine Photovoltaik- als auch eine Solarthermie-Anlage kann über eine Wohngebäudeversicherung gegen Sturm-, Feuer- oder Blitzschäden abgesichert werden. Einige Versicherer bieten auch eigens Photovoltaik-Versicherungen an, die beispielsweise auch gegen den Ausfall der Anlage versichern.

Wieviel Strom wird bereits durch Solarenergie produziert?

Die Solarenergie federte zuletzt den Ausfall von acht deutschen Atomkraftwerken etwas ab. Je nach Wetterlage konnten um die Mittagszeit, wenn besonders viel Strom verbraucht wird, bis zu 13,5 Gigawatt Leistung in das Stromnetz eingespeist werden. Im Winter aber bringt die Solarenergie wenig. Insgesamt ist der Beitrag der Sonnenenergie zum Energiemix eher gering: 2010 stammten lediglich knapp zwei Prozent des Stroms aus Solarenergie.

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