ThyssenKrupp streicht Tausende Stellen

8. Februar 2013, 11:54 Uhr

Die Misere der Stahlbranche hat Folgen für deutsche Arbeitsplätze. Mindestens 2000 Jobs baut ThyssenKrupp ab, darunter Stellen in der Duisburger Zentrale. Der Sparplan könnte noch verschärft werden.

Stahl, ThyssenKrupp, Joabbau, Stahlkrise

Das hier ist Zufall, die Symbolik aber passt: Eine Notrufsäule vor der ThyssenKrupp-Zentrale. Viele Probleme des Unternehmens sind hausgemacht.©

Der angeschlagene Industriekonzern ThyssenKrupp baut mindestens 2000 Stellen ab. Dies betrifft das europäische Stahlgeschäft mit derzeit insgesamt rund 27.600 Mitarbeitern. Betroffen von dem Sparplan ist unter anderem die Verwaltung in der Duisburger Zentrale der Sparte. Wie viele Arbeitsplätze hier genau zur Disposition stehen und wie sie abgebaut werden sollen, war zunächst aber unklar.

Durch mögliche Verkäufe könne sich die Belegschaftszahl bei ThyssenKrupp um weitere 1800 Mitarbeiter reduzieren, teilte der Konzern am Freitag mit. Die Schritte sollen bis zum Geschäftsjahr 2014/15 umgesetzt sein.

Die IG Metall forderte, der Stellenabbau müsse ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehen. Zudem müsse es "Investitionen in eine nachhaltige Stahlstrategie am Standort Deutschland" geben.

Eine halbe Milliarde muss gespart werden

Der deutsche Traditionskonzern will mit dem jetzt vorgestellten Plan rund 500 Millionen Euro sparen. Das sei ein Teil der bereits angekündigten Einsparungen von zwei Milliarden Euro, sagte ein Konzernsprecher. Die Sparte Steel Europe solle damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Gesamtkonzerns leisten, so das Management. Steel Europe decke seine Kapitalkosten nicht mehr. Das Unternehmen kämpft mit Problemen bei den Stahlwerken in Übersee, die dem Konzern Milliarden-Verluste eingebrockt hatten.

Ohnehin steckt die Stahlindustrie in einer Krise. Die Kunden in Europa halten sich wegen der unsicheren Konjunkturentwicklung mit Bestellungen zurück und bauen stattdessen ihre Lager ab. In Spanien und anderen hoch verschuldeten Staaten Südeuropas ist wegen des von den Regierungen verordneten Sparkurses die Nachfrage regelrecht eingebrochen. Zuletzt hatte es erste Zeichen einer Belebung der Geschäfte gegeben.

Fehlinvestitionen und Skandale

Bei ThyssenKrupp kamen zur Absatzflaute zuletzt auch noch hausgemachte Probleme hinzu. Nach milliardenschweren Fehlinvestitionen und einer ganzen Serie von Kartell- und Korruptionsfällen legte der Vorstand jüngst ein neues Führungsmodell für den Konzern fest. Der Plan sieht unter anderem eine Neuordnung des Verwaltungsapparates vor. In dieser Woche wurde zunächst die Belegschaft über die Eckpunkte der neuen Struktur informiert. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte schon Ende vergangenen Jahres einen grundlegenden Wandel des in die Krise geratenen Konzerns angekündigt.

Bei seinem Amtsantritt Anfang 2011 habe er sich das ganze Ausmaß der Probleme nicht vorstellen können, hatte Hiesinger Ende vergangenen Jahres gesagt. Jahrzehntelang gepflegte Seilschaften müssten gekappt und fragwürdige Gewohnheiten über Bord geworfen werden.

"Niemand darf arbeitslos werden"

Die Belegschaft der Stahlwerke wurde der IG Metall zufolge am Morgen über die Pläne informiert. "Niemand bei ThyssenKrupp darf arbeitslos werden", forderte Landeschef Knut Giesler. "ThyssenKrupp muss in eine tragfähige Zukunft investieren, mit einer nachhaltigen Stahlstrategie", betonte er. ThyssenKrupp will nun mit den Arbeitnehmervertretern über den Abbau sprechen.

An der Börse reagierten ThyssenKrupp-Aktien mit einem leichten Plus auf die Pläne und notierten mit 17,48 Euro.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Celsete: Sind Gewerkschaften noch nötig?

 

  von Coco1: habe für ienen Freund gebürgt kann er mich wieder rausnehme?

 

  von Max1267: Darf Ex-Freundin Laminat nach Auszug aus Wohnung rausreißen

 

  von Gast 108928: Darf ich Facebook Videos von Like-Seiten auf meiner eigenen Like-Seite teilen ?

 

  von Gast 108914: wie messe icch die rahmengrösse meines farrades

 

  von Gast 108904: Nachtschichtzulage muß die gezahlt werden

 

  von Gast 108902: Feuerkäfer

 

  von Gast 108883: Wie schließe ich eine 380 Volt lampe an ein 230 Volt Netz ? Kann ich durch farbgleiches Verklemmen...

 

  von Gast 108877: Brauner Rohrzucker verliert Farbe im Wasser

 

  von Gast 108867: Kann ich eine Votovoltaikanlage auf dem Hausdach von der Steuer absetzen ..

 

  von Gast 108865: Muss ich bei einem bebauten Erbbaugrundstück die volle Grunderwerbssteuer zahlen?

 

  von Gast 108858: Wie kann ich eine AVI-Datei auf dem Windows Media Player anschauen?

 

  von Amos: Woran liegt es, daß der örtliche Gasversorger von einem strengen Winter spricht, obwohl es hier...

 

  von Celsete: Wo gilt der Tag der Arbeit eigentlch als Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf (sollte)??

 

  von Gast 108842: muß ich eine steuererklärung abgeben bei einem 455 euro jop?

 

  von Gast 108832: Ab wann, Welches Baujahr, wird für einen Oldtimer, keine Abgasuntersuchung mehr gefordert?

 

  von Gast 108812: wie lange muss ich nach einem medizin studium z.b. an einer klinik arbeiten bis ich meine eigene...

 

  von Gast 108808: Wie kann man den Reisepass verlängern?

 

  von Gast 108802: Wie unterscheiden sich Dressursattel und Vielseitigskeitsattel?

 

  von Gast 108785: Alt-Autoentsorgung