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13. Oktober 2010, 07:45 Uhr

Monopoly 21 - Die Strategie der Investoren

Die Immobilien sind wichtiger als der Bahnhof. So lässt sich die Haltung vieler Stuttgart-21-Investoren zusammenfassen. Welche wirtschaftlichen Interessen hinter dem umstrittenen Riesen-Projekt stecken. Von Arno Luik

Stuttgart 21, S21, CDU, Investoren, Bahnhof

Rendite-Verheißung: Wo jetzt noch Gleise liegen, sollen Menschen shoppen, parken und wohnen© Roland Holschneider/DPA

Stuttgart 21 ist für seine Initiatoren in erster Linie kein Bahn-, sondern ein Immobilienprojekt. Der stern zitiert in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe einen "Investoren Service" der Stadt Stuttgart: "In bester innerstädtischen Lage entsteht auf den frei werdenden Gleisflächen ein nachhaltiges Neubaugebiet". Das sei "noch wichtiger" als der Bahnhof. Auf dem möglicherweise frei werdenden Gleisgelände sollen insgesamt zehn Milliarden Euro in Büros, Wohnhäuser, Einkaufszentren investiert werden.

Fast alle Wirtschaftlichkeitsberechnungen der geplanten Projekte basieren auf dem planmäßigen Bau von Stuttgart 21. Womöglich ist dies auch ein Grund, weshalb Bahnchef Rüdiger Grube und Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) gegen einen Bau- und Vergabestopp sind. Und damit auch gegen Heiner Geißler, der als Schlichter versucht, Gegner und Befürworter von S21 an einen Tisch zu bringen.

Vor ein paar Tagen verkündeten Ministerpräsident Mappus und Bahnchef Grube, den Abbruch des Südflügels des Bahnhofs um einige Monate zu verzögern, sie werteten das als "ein klares und deutliches Signal" an die Gegner. Vertrauliche S 21-Planungsunterlagen, die dem stern vorliegen, zeigen jedoch, dass die Abrissbirne ohnehin erst in zwei Jahren, am 20. August 2012, am Südflügel des denkmalgeschützten Bahnhofs zuschlagen soll.

Die großen Investoren

Einer der größten Investoren auf dem S21-Gelände ist der ECE-Konzern. Der Hamburger Shoppingcenter-Betreiber will gemeinsam mit dem Baukonzern Strabag und der bayerischen Bau- und Immobiliengruppe (BBIG) rund 500 Millionen Euro in ein 43.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum investieren: Geplant sind drei über Brücken verbundene Gebäude mit 500 Wohnungen, einem Hotel, Restaurants, 150 bis 200 Einzelhandelsgeschäfte, mehr als 1600 Parkplätze. Gegen den Mehrheitswillen des Stuttgarter Gemeinderats hat Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) diese hohe Zahl der Parkplätze durchgesetzt.

Der Stiftung "Lebendige Stadt", die von ECE-Chef Alexander Otto gegründet worden ist, gehörten bis vor Kurzem wichtige S21-Befürworter an. Die Stiftung ist gemeinnützig, baut Parkanlagen, vergibt Preise, propagiert die Idee von C02-freien Städten - ein Gedanke, der auch ein Werbeargument von Stuttgart 21 ist. Dem Stiftungsrat gehört etwa der Architekt des Stuttgarters Hauptbahnhofs an, Christoph Ingenhoven. Im Vorstand ist seit 2005 Friederike Beyer, Lebensgefährtin des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Wie stern-Recherchen ergaben, gehörte bis September auch Stuttgarts Oberbürgermeister dem Stiftungsrat an. Er trat zurück, so ein Sprecher der Stiftung zum stern, "um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden".

Auch Tanja Gönner, Baden-Württembergs Umweltministerin, lässt seit Montag ihre Mitgliedschaft in der Stiftung ruhen. Auf stern-Anfrage ließ die Stiftung wissen, es bestünde "keine Vermengung von Interessen" des Unternehmens ECE und der Stiftung. Man agiere unabhängig, in keinem der Stiftungsgremien hätten Vertreter der ECE eine Mehrheit.

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Von Arno Luik
 
 
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