Verdeckte Ermittler greifen Apple-Zulieferer an

29. Juli 2013, 10:43 Uhr

Nach Foxconn jetzt Pegatron? Die Arbeitsbedingungen bei einem Auftragsfertiger bringen Apple erneut in Misskredit. Aktivisten beklagen exzessive Überstunden und sogar Misshandlungen der Angestellten.

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Erfolg auf dem Rücken der Arbeiter? Nach dem Skandal um Apples Zulieferer Foxconn steht nun auch der Auftragnehmer Pegatron wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik.©

Apple werden skandalöse Arbeitsbedingungen bei einem weiteren großen Zulieferer in China vorgeworfen. Nach einer Untersuchung wirft die Organisation China Labor Watch (CLW) dem taiwanesischen Auftragsfertiger Pegatron in drei Fabriken schwere Verstöße gegen das Arbeitsrecht vor. In ihrem am Montag in New York veröffentlichten Bericht beklagen die Arbeitsaktivisten ausufernde Überstunden, Vertragsverletzungen, Billiglöhne, Arbeit von Minderjährigen, Misshandlung durch Manager sowie Umweltverschmutzung. Die Zustände am Arbeitsplatz und in Unterkünften seien schlecht. Man sei besorgt wegen einer möglichen Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter.

Nach einer ähnlichen Kontroverse um seinen Hauptzulieferer Foxconn hatte Apple zunehmend Aufträge an Pegatron vergeben. In einer Reaktion versicherte Pegatron-Chef Jason Cheng, den Vorwürfen nachgehen und eventuelle Verstöße gegen chinesisches Arbeitsrecht oder eigene Standards beheben zu wollen. "Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst." Auch Apple teilte mit, der Konzern fühle sich "sicheren und gerechten Arbeitsbedingungen in unserer Lieferkette" verpflichtet. Die Vorhaltungen in dem CLW-Bericht würden sofort und eingehend untersucht, versprach der Computer-, iPhone- und iPad-Produzent mit Sitz im kalifornischen Cupertino. "Wir werden keine Abweichungen von unserem Verhaltenskodex zulassen."

"Apple erfüllt seine eigenen Standards nicht"

China Labor Watch hatte von März bis Juli verdeckte Ermittler in die drei Unternehmen geschickt und rund 200 Interviews mit Arbeitern außerhalb der Fabriken geführt. "Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die Arbeitsbedingungen in Pegatron-Fabriken noch schlimmer sind als in Foxconn-Fertigungsstätten", stellte CLW-Direktor Li Qiang fest. "Apple erfüllt seine eigenen Standards nicht." Die Zulieferer missbrauchten ihre Arbeiter, um an Aufträge von Apple heranzukommen. "Auf diese Weise verschlimmert Apple die Bedingungen von Arbeitern, anstatt sie zu verbessern", sagte Li Qiang.

Die durchschnittliche Arbeitsstundenzahl pro Woche in den drei untersuchten Fabriken liegt laut CLW bei 66 bis 69 Stunden. In Shanghai seien Arbeiter unter Druck gesetzt worden, Formblätter zu unterschreiben, um die wahre Zahl zu vertuschen. Apple teilte mit, dass eigene Untersuchungen bei Pegatron zuletzt im Juni 46 Wochenarbeitsstunden festgestellt hätten. Die Ermittler von CLW hatten Fabriken des Auftragsfertigers und dessen Töchter Riteng in Shanghai und AVY in Suzhou untersucht. Sie stellen iPhones, iPad-Teile sowie Apple-Computer her. Wegen der neuen Aufträge hatte Pegatron die Zahl der Arbeiter im Frühjahr von 50.000 auf 70.000 erhöht.

China Labor Watch hob hervor, dass Apple bei Qualitätsmängeln "keinerlei Toleranz" erlaubt und sofort reagiert. "Aber eine niedrigere Stufe der Dringlichkeit gilt offenbar für die Reaktion auf Missbräuche von Arbeiterrechten." Apple wies darauf hin, dass der Konzern eng mit China Labor Watch zusammenarbeite und verantwortliche Teams in China habe, die Vorwürfen nachgingen und Arbeitsbedingungen überprüften. "Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir mit unseren Zulieferern leisten, um Probleme aufzudecken und die Bedingungen für unsere Arbeiter zu verbessern."

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