Das Comeback der krummen Gurke

13. November 2008, 09:10 Uhr

Verbraucher können ab 2009 wieder Obst und Gemüse kaufen, das keine Traummaße erfüllt: Die EU schaffte die Vermarktungsnormen für 26 Obst- und Gemüsesorten ab. Das bedeutet einen Neuanfang für krumme Gurken und knorrige Karotten.

Die Gurke ohne Traummaße ist wieder zu haben: EU schafft Vermarktungsnorm ab©

Sie gilt als das Symbol für Brüsseler Bürokratie schlechthin: Die EU-Norm zum Krümmungsgrad der Gurke. Maximal 10 Millimeter auf 10 Zentimeter, mehr durfte es bislang in Europa nicht sein. Damit soll von nächstem Juli an Schluss sein. Die Europäische Union hat beschlossen, die Normungen für 26 Obst- und Gemüsesorten abzuschaffen, vom Spargel bis zur Haselnuss. Ein entsprechender Vorschlag von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel stieß am Mittwoch in Brüssel im zuständigen Ausschuss zwar auf die Gegenstimmen von 16 Mitgliedstaaten. Das war entsprechend den Spielregeln aber nicht genug, um die Kommission zu überstimmen.

Neuanfang für die krumme Gurke

Abgeschafft werden sollen die Standards beispielsweise auch für Auberginen, Bohnen, Spargel, Karotten, Zucchini, Knoblauch, Avocados und Pflaumen. Die Normen waren ursprünglich eingeführt worden, damit in standardisierte Gemüsekisten jeweils die gleiche Menge hineinpasst.

Fischer Boel kann die Vermarktungsnormen nun außer Kraft setzen. "Dies bedeutet einen Neuanfang für die krumme Gurke und die knorrige Karotte", sagte sie. Prompt jedoch warnte der Deutsche Bauernverband vor "Wühltischen" beim Selbstbedienungsverkauf im Supermarkt. "Das ist reine Symbolpolitik", schimpfte Willi Kampmann von der Brüsseler Verbandsvertretung.

Bauernverband wenig begeistert

Deutschland stimmte im Verwaltungsausschuss für die Abschaffung der Standards, anders als die großen Produzentenländer wie Frankreich, Spanien, Polen oder Belgien. Der damalige Agrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich bereits zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte 2007 für den Schritt stark gemacht, um auf EU-Ebene Bürokratie abzubauen. "Ich bin wie mein Vorgänger Horst Seehofer auch der Überzeugung, dass solche Handelsnormen nicht durch den Staat, sondern durch die Wirtschaft getroffen werden sollen", sagte Agrarministerin Ilse Aigner (CSU).

Der Bauernverband kritisierte den Wegfall der Vermarktungsnormen dagegen scharf. Damit würden die bestehenden Vorteile klarer Qualitäts- und Güteeigenschaften sowie deren Etikettierung ebenso wie das staatliche Kontrollsystem ausgehöhlt. Es drohe eine Vielzahl unterschiedlicher Privathandelsnormen, die für Verwirrung sorgen würden. "Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", warnte Kampmann. "Im Moment weiß der Händler, was er einkauft, und der Käufer weiß, was er bekommt."

Keinen Lebensmittel wegwerfen

Dagegen argumentiert Fischer Boel, es mache in Zeiten hoher Preise und steigender Nachfrage nach Lebensmitteln keinen Sinn, Produkte wegzuwerfen oder zu vernichten, "nur weil sie 'die falsche Form' haben". Es sei nicht die Aufgabe der EU, solche Dinge zu regulieren, sondern das müsse der Markt leisten. Bürokratieabbau ist eines der wichtigsten Vorhaben der Kommission unter Präsident José Manuel Barroso, die noch bis kommenden Herbst im Amt ist. Fischer Boel sprach von einem "konkreten Beispiel für unsere Bemühungen". Für zehn Früchte sollen die Standards bleiben, darunter Erdbeeren, Äpfel, Tomaten, Zitrusfrüchte und Weintrauben. Sie machen gut 75 Prozent des EU-Handelswerts aus. In der Praxis bedeutet das allerdings, dass auch ein Apfel, der nicht der Norm entspricht, verkauft werden kann. Er muss aber entsprechend gekennzeichnet sein. Für alle Sorten bleiben außerdem Mindeststandards gegen Schäden oder Verunreinigungen bestehen.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
deinemama (13.11.2008, 20:13 Uhr)
Was interessiert mich...
die Krümmung einer Gurke? Was scheren mich diese stupiden Aussehensnormen?
Ich möchte nur endlich mal im ganz normalen Supermarkt eine Gurke kaufen können, die auch tatsächlich nach Gurke schmeckt! Selbiges gilt auch für Tomaten mit erkennbarem Tomatenaroma, Erdbeeren, die süß sind und nach Erdbeeren schmecken, oder auch für Fleisch, das nicht schon in der Auslage stinkt und geschrumpft, verwässert und fade aus der Pfanne kommt, Brot, das nicht nach einem Tag schon staubtrocken ist, angeblichen Bäckerbrötchen, die nicht nur aus aromafreier, staubig-harter Kruste bestehen, und vieles, vieles mehr. Wer momentan nicht das Geld hat, um im Bioladen zu kaufen, oder wo kein Bauer in der Nähe ist, der bekommt zur Zeit ziemlich miesen Fraß vorgesetzt. Dass DAS ein Ende hat, dass endlich auf Qualität statt Aussehen besonnen wird - DARAUF warte ich, und DAS interessiert mich!
kfpdm (13.11.2008, 14:13 Uhr)
Waren es nicht...
... die Bauern, die zur Einführung der Normen rumgemosert haben??? Naja, wie man es macht, macht man es falsch.
Da die Zuchtformen der Normfrüchte weiterhin im Folienzelt gezogen werden, werden jetzt nicht automatisch krumme Gurken den Markt überschwemmen.
@Slaanesh
Warum nicht einfach bei einer krummen Gurke nur kurz schauen ob sie frisch ist.... für den Verbraucher ändert sich doch nichts wesentliches!?
Gruß,
A.
Frau_Olga (13.11.2008, 12:28 Uhr)
Ähm...
...ich bin Anfang 20, weiß wie eine Gurke aussieht (ob nun krumm oder nicht) und es ist mir relativ wurscht, ob ich sie nun mit 10°, 20° oder 30° Krümmung hobel. Hauptsache sie schmeckt o_O
Bender.B.Rodriguez (13.11.2008, 11:49 Uhr)
@maria
eine 20 jaährige würde heutzutage eine gurke die mehr als 20° gebogen ist gar nicht als solche erkennen..
Maria1000 (13.11.2008, 11:22 Uhr)
Ich kaufe nur im Bioladen, da sind Gurkenkrümmungen und
Knorrigkeit von Möhren EGAL! Dass einige Verbraucher ihr Gemüse nicht nach WERT und INHALT und GESCHMACK/Aroma, sondern nach dem AUSSEHEN kaufen, zeigt mir erneut den weiterhin anwachsenden Debilitätsgrad der Konsumenten hierzulande! Vermutlich weiss eine 20jährige heute schon nicht mehr wie sie die Gurke hobeln soll, wenn die mehr als 10 Grad gekrümmt ist!
Jennydog (13.11.2008, 11:13 Uhr)
Krumme Gurken
waren nie verboten,die hats immer gegeben. Man denke nur an die ganzen EU-Parlamentarier und das ganze Gemüse, das sie seit Jahren produzieren bei totaler Überbezahlung.
Slaanesh (13.11.2008, 10:32 Uhr)
Auch als Kunde nicht schön
Auch als verbraucher finde ich das nicht unbedingt gut... derzeit kann ich eine Gurke kaufen und brauch nur kurz zu schauen ob sie frisch ist.
Demnächst liegen ein Haufen Krummer Gurken auf dem Tisch, und der Händler mag keine neuen dazu legen, weil er die alten ja schon nicht los wird und die neuen genauso Krum sind...
Ja sicher... Der Markt wird ann eben nur noch die kaufen, die auch der Norm entsprechen, aber das ist dann nicht mehr einheitlich und die grade Gurke darf ordentlich mehr kosten...
Gut... meine Meinung zählt nicht... derzeit kotzt mich jede neue Nachricht nur noch an... -.-
cybertanne (13.11.2008, 09:42 Uhr)
Logisch
Es war doch klar: Unsere Bauern - fernab von Markt und Wettbewerb - finden Bürokratieabbau doof. Wer es sich zwischen Milchquoten und Stilllegungsprämien bequem gemacht hat und über Preisverfall aufgrund eigener Überproduktion jammert, der findet Vorschriften toll.
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