Fesselt die Banken!

11. Mai 2012, 11:34 Uhr

Die Kapitalmarktjongleure von der Großbank JP Morgan Chase haben binnen kürzester Zeit Milliarden in den Sand gesetzt. Ein besseres Argument für knallharte Regulierung hätten sie nicht liefern können. Von Tim Bartz

Noch ist nicht klar, wie genau sich die US-Bank JP Morgan Chase um satte zwei Milliarden Dollar verzockt hat. Insofern verbieten sich eigentlich voreilige Schlussfolgerungen. Und doch dürfen sich alle, denen etwas daran liegt, die Finanzbranche viel härter als früher zu regulieren, in ihrer Meinung bestätigt fühlen: Denn wenn selbst die nach ihrem Börsenwert zweitgrößte US-Bank, die bislang so vorbildlich durch die Krise gekommen ist und sogar in den dunkelsten Stunden 2008 noch Gewinne erwirtschaftet hat, nicht vor "schwarzen Schwänen" gefeit ist, ist das ein überragend starkes Argument dafür, den Geldhäusern mit allen aufsichtsrechtlichen Mitteln die Zockerei zu erschweren.

Das Gute an dem Milliardenverlust ist, dass es sich bei JP Morgan Chase und seinem Chef Jamie Dimon nicht um die üblichen Verdächtigen handelt. Hätte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein einen derartigen Milliardenskandal einräumen müssen, wäre die Reaktion dieselbe wie immer gewesen: typisch Goldman. Doch Dimon und JP Morgan Chase sind ein anderes Kaliber.

Das smarte Sprachrohr der Wall Street

Dimon ist es, der als Sprachrohr der Wall Street gegen das für US-Banken geplante Eigenhandelsverbot wettert, Kreditobergrenzen im Interbankenhandel ablehnt und die schärferen Kapital- und Liquiditätsregeln Basel III als "anti-amerikanisch" geißelt. Eine Zeit lang galt der smarte Vorstandschef sogar als Kandidat für den Posten des US-Finanzministers. Was Dimon für seine Branche sagt, ist Gesetz. Seine unbestritten souveräne Krisenstrategie gab ihm das Recht dazu.

Die Argumentation von Dimon und anderen Branchenvertretern ist stets dieselbe: Werden den Banken Fesseln angelegt, sinkt die im Kapitalmarkt verfügbare Liquidität. Das wiederum verknappt das Kapital und macht es teurer für Unternehmen, die doch für das Wachstum der Volkswirtschaft sorgen sollen und dafür Finanzierungsmittel brauchen. Kurzum: Wer die Banken dort regulieren will, wo es ihnen wirklich weh tut, der versündigt sich am Steuerzahler, der Industrie - der Allgemeinheit.

Tausendköpfige Armada gutbezahlter Lobbyisten

Dass die Banken seit Jahren und auch noch in Zukunft zu Niedrigstzinsen Notenbankgeld erhalten, um am Leben zu bleiben, wird in diesem Zusammenhang stets geflissentlich geschwiegen. Ebenso, dass davon Inflationsgefahren ausgehen - für die Allgemeinheit. Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen Derivatgeschäfte in Billionenhöhe oder die Nahrungsmittelspekulation haben, ist bis heute trotz wortreicher Erklärungsversuche der Branche unklar. Wie auch: Die Weltwirtschaft ist jahrzehntelang ohne sie ausgekommen und trotzdem gewachsen.

Flankiert von einer tausendköpfigen Armada gutbezahlter Lobbyisten, die in den USA insbesondere in der Republikanischen Partei Gehör findet, wird seit Monaten heftig antichambriert, um Teile der US-Finanzmarktreform zurückzudrehen. Gewinnen die Republikaner im November die Präsidentschaftswahl, will ihr Frontmann Mitt Romney die Gesetze teilweise wieder kassieren oder zumindest abschwächen, wie er selbst angekündigt hat. Mit dem heutigen Tag haben die Wall Street und Romney ein Argument weniger für ihre Positionen - kurioserweise dank JP Morgan Chase und Dimon, dem Strahlemann der Wall Street und Sympathisanten der Demokraten.

Übernommen von FTD.de

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Fehlspekulationen Republikaner Volkswirtschaft Wall Street
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von bh_roth: Gehäusegröße DECT-Funktelefone

 

  von Amos: Verhaftungen im FIFA-Umfeld. Blatter ist unantastbar, oder?

 

  von Gast 109741: marco

 

  von Amos: Ab 2019 wird dvb-t 2 eingeführt. Muß ich dann meinen Samsung-Fernseher wegwerfen? Irrsinn!

 

  von Gast 109705: Arbeitsrecht - Vertragsstrafe im Arbeitsvertrag

 

  von Amos: Gibt es eigentlich noch das Glückwunschtelegramm der Post? Kann ich das von Zuhause aufgeben?

 

  von Gast 109682: darf da Jugendamt auf unterhaltskosten verzugszinsen berechnen

 

  von Gast 109677: Vinylboden auf Fliesen. Geht das?

 

  von Gast 109675: kündigung zur jahresmitte und bereits den ganzen Urlaub schon genommen

 

  von Gast 109671: Download von Tubemate - Vollzugriff auf Mobilgerät gewähren

 

  von Gast 109665: mein partner zahlt unterhalt für seinen Sohn wie wäre es wenn wir heiraten wird da mein Gehalt mit...

 

  von Gast 109653: ist dhl Haftung wegen zustellung durch ablage ausgeschlossen?

 

  von Gast 109647: Besitze alten,originalen Hebammenkoffer mit Inhalt von 1936.Wo kann ich seinen Wert ermitteln...

 

  von Gast 109645: Vaseline

 

  von Gast 109629: Mädchengeburtstag

 

  von Gast 109611: Hallo, mein Ein-und Ausschalter hat einen Fehler, der Strom wird zeitweise unterbrochen, der FS...

 

  von Gast 109605: darf man mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren in die entgegengesetzte Richtung?

 

  von Gast 109603: FoxLingo

 

  von Gast 109599: Eu-Rente bei Lottogewinn

 

  von Gast 109590: Wo kann man einen "US" SLS AMG zur TÜV Annahme umrüsten lassen ?