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Deutsche Bank betroffen Berichte: Massive Versäumnisse von Großbanken bei Kampf gegen Geldwäsche

Wolken ziehen über der Zentrale der Deutschen Bank im Frankfurter Bankenviertel hinweg
Wolken ziehen über der Zentrale der Deutschen Bank im Frankfurter Bankenviertel hinweg
© Arne Dedert / DPA
Im Kampf gegen Geldwäsche haben internationale Großbanken – darunter auch die Deutsche Bank – laut Recherchen erhebliche Versäumnisse. Manche Geldhäuser hätten trotz Geldwäsche-Sanktionen mit zweifelhaften Kunden Geschäfte gemacht.

Geheime Unterlagen des US-Finanzministeriums enthüllen nach einer weltweiten Recherche zahlreicher Medien-Partner erhebliche Versäumnisse internationaler Großbanken wie der Deutschen Bank bei der Bekämpfung der Geldwäsche. Aus den US-Dokumenten gehe hervor, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt hätten, berichteten "Süddeutsche Zeitung", WDR, NDR und "BuzzFeed News" am Sonntagabend von ihren sogenannten FinCEN-Files-Recherchen.

Trotz strenger Regularien akzeptierten die Geldhäuser mutmaßliche Mafiosi, Millionenbetrüger und sanktionierte Oligarchen als Kunden und führten für diese Überweisungen in Milliardenhöhe aus. Gemeldet worden seien diese Vorgänge mitunter nur sehr zögerlich und zum Teil mit jahrelanger Verspätung. 

Deutsche Bank in Erklärungsnot

Einige der weltgrößten Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank, JP Morgan und die HSBC, hätten sogar dann noch Geschäfte mit zweifelhaften Kunden gemacht, nachdem sie in den USA bereits wegen Geldwäsche-Verstößen sanktioniert worden waren. In zahlreichen Fällen unterliefen Banken dem Bericht zufolge dabei offenbar ihre eigenen Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, etwa bei der Überprüfung von Neukunden.

Das Datenleak bringe auch die Deutsche Bank in Erklärungsnot, hieß es weiter. Nach Einschätzung von US-Ermittlern sollen demnach russische Kriminelle und ein für Terrorgruppen tätiger Geldwäscher unter anderem über die Moskauer Filiale der Deutschen Bank Geld gewaschen haben.

Das Finanzinstitut erklärte auf Anfrage von AFP am Sonntagabend, die "SZ" und ihre Recherchepartner hätten "über eine Reihe historischer Themen" berichtet, die, soweit sie die Deutsche Bank beträfen, den Aufsichtsbehörden bereits bekannt seien. Die Deutsche Bank und andere Bankhäuser hätten anerkanntermaßen bereits mit "Mängelbeseitigung" reagiert. "Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen", hieß es in der Stellungnahme weiter. 

Sicherheitssysteme bei Deutsche Bank sollen versagt haben

Die Recherchen sorgten bei der Deutschen Bank am Montag für einen Einbruch des Börsenkurses. Bis Montagmittag sackte der Kurs der Deutschen Bank an der Börse in Frankfurt am Main um mehr als acht Prozent ab. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor zwischenzeitlich mehr als drei Prozent zum Schlusskurs von Freitag.

Die Informationen sind das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche zahlreicher Medien-Partner, die unter dem Namen FinCEN-Files veröffentlicht wird und die auf Tausenden Seiten geheimer Geldwäsche-Verdachtsmeldungen beruht. Das US-Onlinemedium "Buzzfeed News" hatte den Angaben zufolge die Unterlagen mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) geteilt und so eine weltweite Recherche von 110 Medien aus 88 Ländern ermöglicht. Etwa 400 Journalistinnen und Journalisten haben sich daran beteiligt.

"Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR fanden nach eigenen Angaben bei ihren Recherchen zu den FinCEN-Files heraus, dass Geldwäscher die globale Infrastruktur der Deutschen Bank über einen längeren Zeitraum und in größerem Umfang nutzten als bisher angenommen. Die Zeitung leitete aus den US-Unterlagen außerdem ab, dass die Sicherheitssysteme in Deutschlands größtem Bankhaus offenbar versagt hätten.

Vorstandschef Sewing mitverantwortlich?

In dem Bericht hieß es weiter, der heutige Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, sei "mitverantwortlich dafür, dass nicht früher bemerkt wurde, wie Geldwäscher die Bank für verdächtige Aktiengeschäfte nutzen konnten". Die von ihm damals geleitete Abteilung Konzernrevision habe 2014 die Abläufe im auffälligen Aktienhandel in Russland untersucht und nichts Gravierendes zu beanstanden gehabt. Von der Bank eigens beauftragte Experten hätten der Arbeit von Sewings Abteilung später jedoch "schwerwiegende Mängel" bescheinigt.

Die Deutsche Bank bestritt gegenüber "SZ", WDR und NDR eine direkte oder indirekte Beteiligung ihres heutigen Vorstandschefs an der Prüfung der Moskau-Geschäfte. Sewing habe lediglich den Gesamtplan für mehrere Hundert Prüfungen – sogenannte Audits – des Jahres 2014 eingereicht, hieß es demnach aus dem Bankhaus.

Außer bei der Deutschen Bank hätten die internationalen Recherchen auch Versäumnisse bei zahlreichen anderen Großbanken ergeben, schreibt die "SZ". Die US-Unterlagen zeigten, wie bekannte Finanzinstitute in Geldwäsche verwickelt gewesen seien und kriminelle Netzwerke bisweilen unbehelligt hätten operieren lassen. 

Politik fordert Konsequenzen

Die Deutsche Bank erklärte am Sonntagabend, weltweit hätten führende Finanzinstitute "Milliarden von Dollar investiert", um die Behörden im Kampf gegen Geldwäsche "effektiver zu unterstützen". Dies führe "natürlich zu einer höheren Zahl von Feststellungen" solcher Fälle. Das Geldhaus versicherte weiter, es habe "massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert".

Aus der Politik wurden Forderungen nach mehr Befugnissen für Aufsichtsbehörden sowie schärferen Strafen laut. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans forderte am Montag in Berlin "endlich transparente Regeln und eine fühlbare Sanktionierung von Verstößen". "Wir brauchen ein Unternehmensstrafrecht, das nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern Täter-Banken im Fall von Rechtsverletzungen als Ganzes zur Rechenschaft zieht – bis hin zum Lizenzentzug."  

Die Grünen im Europaparlament sprachen von "Staatsversagen in großem Stil" und mahnten eine europäische Lösung an. Der CSU-Europaabgeordnete und Sprecher der EVP-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europaparlaments, Markus Ferber, forderte auf europäischer Ebene "endlich einen Aufseher mit echten eigenen Durchgriffsrechten und einen Rechtsrahmen, der überall in der EU gleichermaßen angewendet wird." Andernfalls werde der Kampf gegen Geldwäsche ein Flickenteppich bleiben. 

rw DPA AFP

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