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Schattenwirtschaftsranking: In diesen 10 Ländern blühen Steuerhinterziehung und Geldwäsche

Ein globales Ranking zeigt, in welchen Ländern Steuervermeidung und Geldwäsche florieren. Die größte Schattenwirtschaft ist demnach nicht mehr die Schweiz - und auch Deutschland macht Fortschritte.

Steuerhinterziehung

Weltweit werden Billionen Dollar an der Steuer vorbeigeschleust

Getty Images

Steuerhinterziehung und Geldwäsche kosten Gesellschaften rund um den Globus Billionen Dollar. Eine Untersuchung des "Tax Justice Network" zeigt, welche Staaten die größten Komplizen für Steuervermeider weltweit sind. An der Spitze des "Financial Secrecy Index" (Schattenfinanzindex), der zum sechsten Mal Regulierungslücken und Geheimhaltungspraktiken anprangert, liegen erstmals die Caymaninseln, gefolgt von den USA. Die Schweiz, seit der ersten Veröffentlichung 2011 immer auf Rang eins der unrühmlichen Liste, verbessern sich auf Rang drei.

Das Ranking bildet ab, inwieweit Gesetze und Finanzsystem in den jeweiligen Ländern es Reichen und Kriminellen ermöglichen, ihr Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Um festzustellen, wer tatsächlich die größte Rolle bei der globalen Steuervermeidung spielt, wird auch das Volumen ausländischer Finanzaktivitäten in dem Land berücksichtigt, weshalb nicht nur klassische Steueroasen, sondern auch große Volkswirtschaften wie Deutschland vorne dabei sind. Die Kombination der Faktoren "Geheimhaltung" und "globales Gewicht" ergibt die Platzierung im "Financial Secrecy Index".

Schattenwirtschaftsranking: Financial Secrecy Index 2020

Rang (Platzierung 2018)

Land

1 (3)

Caymaninseln

2 (2)

USA

3 (1)

Schweiz

4 (4)

Hongkong

5 (5)

Singapur

6 (6)

Luxemburg

7 (13)

Japan

8 (14)

Niederlande

9 (16)

Britische Jungferninseln

10 (9)

Vereinigte Arabische Emirate

14 (7)

Deutschland

Quelle: Tax Justice Network

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USA überholt die Schweiz

Streng genommen handelt es sich nicht um eine Liste von Steueroasen, sondern um ein Ranking der Schattenwirtschaft. Insgesamt habe diese sich in den betrachteten Ländern verbessert, ein Ergebnis von Reformen für mehr Transparenz, heißt es in der Studie. Einige wenige Staaten würden diesen Trend aber konterkarieren, darunter die Caymans, die USA und Großbritannien.

Auf den Caymans, der neuen Nummer eins in dem Negativranking, beobachtet das Netzwerk eine stärker werdende Hedgefonds-Industrie, die die Geldströme von Unternehmen und Stiftungen verschleiert. Bemerkenswert ist zudem, dass die USA in der Liste an der Schweiz vorbeizogen. Der verbesserte Score der Schweizer ist darauf zurückzuführen, dass das Land den automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten (CRS) auf weitere Länder ausgedehnt hat. Die USA dagegen hätten das Abkommen über den Common Reporting Standard nicht unterzeichnet, kritisiert das Tax Justice Network. Stattdessen verabschiedete der US-Bundesstaat New Hampshire sogar noch ein Gesetz, dass die Gründung intransparenter Stiftungen erleichtere. "Wie die Daten deutlich zeigen, bleibt finanzielle Geheimhaltung ein großes Problem in den USA – es ermöglicht kriminelle Delikte wie Menschenschmuggel, Steuerhinterziehung und Korruption in der Heimat und im Ausland", sagt Clark Gascoigne von der Nichtregierungsorganisation FACT. 

Lob für Deutschland, Kritik an Großbritannien 

Die größte Verschlechterung gibt es laut Studie in Großbritannien. Das Vereinigte Königreich kletterte im Intransparenzranking vom 23. auf den 12. Platz. Schuld ist laut Studie das sogenannte Spinnennetz der Briten: Überseeterritorien mit laschen Finanzgesetzen und im Zentrum die Londoner City, wo die Geldströme zusammenlaufen und der Reichtum gewaschen wird. Und die Aussichten sind nicht gut: John Christensen, Gründer des Tax Justice Networks, fürchtet, nach dem Brexit könnte die britische Regierung versucht sein, aus dem Londoner Finanzzentrum eine Art "Singapur an der Themse" zu machen. Singapur ist im Index hinter Hongkong auf Rang fünf.

Ausdrückliches Lob erhält dagegen Deutschland von den Machern der Studie. Lag die Bundesrepublik 2018 noch auf Rang sieben so fällt sie nun auf den 14. Rang zurück. Deutschland habe verschiedene Maßnahmen ergriffen, um für mehr Transparenz bei wirtschaftlichem Eigentum zu sorgen. Unter anderem müssten Unternehmen, Personengesellschaften und ausländische Stiftungen nun offenlegen, wer die wahren Besitzer und Nutznießer seien.