"Das ist doof. Aber ich zahle volle Steuern"

21. April 2013, 13:06 Uhr

Uli Hoeneß gibt gern den Moralapostel der Nation. Die Steuerermittlungen lassen so manchen Spruch des Bayern-Präsidenten in einem anderen Licht erscheinen.

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Uli Hoeneß hebt gerne den moralischen Zeigefinger. Sein Image des Gutmenschen hat durch die Steuerermittlungen tiefe Risse bekommen.©

Uli Hoeneß poltert gern und spricht Klartext – auch außerhalb des Fußballbetriebes. Dann redet der kräftige Mann der Nation ins Gewissen. Aufrecht, ehrlich und tatkräftig, so präsentiert sich der Präsident des FC Bayern München am liebsten. Und nach vielen Auftritten und Standpauken dachten nicht nur Bayern-Fans, ein bisschen mehr Hoeneß könnte die Republik gut vertragen.

Und nun das: Gegen Hoeneß wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, der 61-jährige Unternehmer hatte sich Anfang des Jahres selbst beim Finanzamt angezeigt. Moralapostel und Steuersünder - wie passt das zusammen, fragen sich viele.

Und in der Tat, viele der Hoeneß-Sprüche erscheinen im Zuge der Steueraffäre in einem ganz anderen Licht.

Das sagte Uli Hoeneß über:

… Uli Hoeneß

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern."

(Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der "Bild"-Zeitung)

… Uli Hoeneß

"Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher."

(Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

… die Reichensteuer

"Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser."

(Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner")

... über die kleinen Leute

"Keine Regierung der Welt kann mein Vermögen kleinmachen. Das mache ich schon selber - indem ich Fehler mache. Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute."

(Hoeneß 2002 im Interview mit der "Abendzeitung")

… Genügsamkeit

"Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein."

(Hoeneß 2011 im Magazin "Brand Eins")

… die Finanzwelt

"In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen."

(Hoeneß 2012 in der Zeitung "Die Welt")

… egoistische Spekulanten

"Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'"

(Hoeneß 2011 im Magazin "Brand Eins")

… Schwarzgeld in der Bundesliga

"Ich bin seit über 20 Jahren im Geschäft und kann für mich behaupten, dass ich nie mit solchen Praktiken zu tun hatte. Ich kenne mich bei anderen Vereinen nicht so genau aus, aber ich kann mir es auch dort nicht vorstellen. Es ist doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen"

(Hoeneß 2012 in Zeitung "Die Welt")

… arme Fußballprofis

"Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt."

(Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow "Günther Jauch")

… das harte Geschäft seiner Eltern

"Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten."

(Hoeneß im Februar 2011 im "Hamburger Abendblatt")

… seine Beziehung zur Kanzlerin

"Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!"

(Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

… seinen Lebenstraum

"Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum."

(Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

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