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Nach Skandalreport: Das sagen die Kliniken

Der Undercover-Report über Zustände in deutschen Krankenhäusern hat Folgen: Der Bürgermeister von Wiesbaden hat das Gesundheitsamt eingeschaltet - und auch die kritisierten Kliniken nehmen ausführlich Stellung.

  In der Kritik: Die Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden

In der Kritik: Die Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden

Mangelhafte Hygiene, zu wenig Personal und unwürdige Behandlung von Patienten: In ihrem Undercover-Report "Profit statt Gesundheit" deckte das "Team Wallraff" schlimme Zustände in deutschen Krankenhäusern auf. Betroffen war unter anderem die Notaufnahme der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, die teils in städtischer Hand sind. Der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich kündigte nun Konsequenzen an.

Die in der Sendung dargestellten hygienischen Mängel seien nicht zu akzeptieren, sagte Gerich. Daher sei das Gesundheitsamt beauftragt worden, mit der Klinikleitung Kontakt aufzunehmen. RTL hatte unter anderem über verdreckte Gänge, versiffte Bettlaken und herumfliegende blutige Arbeitsmaterialien berichtet.

Nachholbedarf beim Thema Reinigung

Auch die Klinik-Kette Helios, die seit Mai 2014 Mitbetreiber der Horst-Schmidt-Kliniken ist, meldete sich zu Wort. "Das von Wiesbaden gezeigte Filmmaterial der Notaufnahme zeigt tatsächlich Probleme auf, die auch für uns nach der Übernahme erkennbar waren", heißt es in einer Stellungnahme. Die Klinik habe sich zum Zeitpunkt der Recherchen im Mai 2015 "mitten im Integrationsprozess nach der Übernahme durch Helios" befunden. Im zweiten Halbjahr 2015 sei mit der Umsetzung notwendiger Veränderungen begonnen worden.

"Klaren Nachholbedarf" habe es etwa beim Thema Reinigung gegeben, gibt Helios zu. Mittlerweile seien "sowohl der Reinigungsprozess als auch die Reinigungsutensilien" geändert worden. "Die Umstellung ist uns aber noch nicht vollumfänglich und gut gelungen." Man arbeite daran, sich weiter zu verbessern.

Zum Thema Unterbesetzung erklärte Helios, im Rahmen des allgemeinen Stellenabbaus in der Klinik seien 2015 in der Notaufnahme 2,5 Stellen abgebaut worden. Im neuen Stellenplan seien 5,5 Stellen nicht besetzt, die Versorgung der Patienten in der Notaufnahme sei aber gewährleistet. "Dass in der Reportage viele kritische Aussagen unserer Mitarbeiter zu hören waren, zeigt uns, dass es uns noch nicht gelungen ist, im Veränderungsprozess alle Mitarbeiter ins Boot zu holen und sie von der Notwendigkeit der Veränderung zu überzeugen."

Diskussion um multiresistente Keime in Berlin

Auch bei der kritisierten Klinik in Berlin-Buch handelte es sich um eine Helios-Klinik. Der RTL-Beitrag zeigte hier, dass die Mitarbeiter die vorgeschriebene Hände-Desinfektion häufig nicht gründlich genug ausführen. "Wir werden deshalb unser Personal in den monatlich stattfindenden Hygieneschulungen erneut für die richtige Dauer der Händedesinfektion sensibilisieren", schreibt Helios.

Zudem werde man die Servicekräfte darauf hinweisen, dass zwischen dem Machen der Betten und dem Austeilen des Essens die Kleidung gewechselt oder eine Einmalschürze angelegt werden müsse. In dem Beitrag wurde zudem gezeigt, dass im Umgang mit Patienten mit multiresistenten Keimen (MRSA) Hygienevorschriften verletzt wurden. Hierzu gibt Helios zu, dass der im Beitrag gezeigte Bettentransport ohne Schutzkleidung des Pflegepersonals gegen Hygienevorschiften verstoßen habe.

Im Film wurde auch ein MRSA-Patient gezeigt, der sich ohne Mundschutz neben andere Patienten setzt; dieser sei aber bereits nicht mehr infektiös gewesen, sagt das Unternehmen. Insgesamt sieht sich die Klinik zu Unrecht an den Pranger gestellt. Der Anteil an Infektionen mit multiresistenten Keimen sei niedriger als im Bundesschnitt, schreibt Helios.

Mitarbeiterin in München gefeuert

Das dritte in dem Film kritisierte Krankenhaus war das städtische Klinikum München-Harlaching (StKM). Hier hatte die Undercover-Reporterin vor allem den unwürdigen Umgang mit Patienten bemängelt. Eine Krankenschwester beschimpfte einen Demenzkranken gar mit den Worten "Ich fick dich, du Tauber". Die Klinik erklärte hierzu: "Der respektlose Umgang mit Patientinnen und Patienten ist ein Verhalten, das die StKM nicht duldet. Hier gibt es im Klinikum interne Mechanismen, um solche Situationen anzuzeigen." Bereits im Frühjahr 2015 habe man sich von der Mitarbeiterin getrennt, die in der Sendung gezeigt wurde, als sie einen Patienten beleidigte.

Von den vielen "pauschal getroffenen Aussagen zu den Themenbereichen Überlastung, Hygiene, technische Mängel sowie Personalschlüssel" distanziere man sich dagegen, weil sie kein differenziertes Bild des Klinikalltags zeigten.

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