Österreicher gibt Schlecker neue Hoffnung

30. November 2012, 15:35 Uhr

Da wird der Insolvenzverwalter hellhörig: Ein Investor aus Österreich will rund 600 ehemalige Schlecker-Filialen zu modernen Tante-Emma-Läden umbauen. Bis zu 3000 neue Jobs könnten dadurch entstehen.

Schlecker, Drogeriemarkt, Investor, Österreich, Österreicher, Tante-Emma-Laden, Rudolf Haberleitner

Bald ein Tante-Emma-Laden? Eine geschlossene Filiale der Schlecker-Drogeriemarktkette, die im Januar Insolvenz angemeldet hatte.©

Ein österreichischer Investor will im kommenden Jahr bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederbeleben. Das kündigte der 67-jährige Rudolf Haberleitner im Interview mit "Handelsblatt Online" an. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres, abhängig von der Geschwindigkeit unserer Expansion, in Deutschland bis zu 3000 Mitarbeiter beschäftigen werden", sagte Haberleitner. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bot ihm seine Unterstützung an. Verdi wollte die Pläne, die neue Perspektiven für ehemalige Schleckerfrauen bedeuten könnten, am Freitag nicht bewerten.

Der Wiener Finanzinvestor ist nach eigenen Angaben ein erfahrener Firmensanierer. Er hatte mit seiner Investmentgesellschaft TAP 09 im August bereits 1350 Filialen in Österreich und einigen anderen europäischen Ländern vom Schlecker-Insolvenzverwalter übernommen und zu einem Nahversorger namens "Dayli" umgebaut. Vor etwa einer Woche stieg der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic mit 50 Prozent bei "Dayli" ein. Gemeinsam wollen sie jetzt das Konzept nach Deutschland bringen.

Die Drogeriemarkt-Kette Schlecker war im Januar dieses Jahres in die Insolvenz gerutscht und hatte zu dem Zeitpunkt allein in Deutschland noch über 5000 Filialen.

Zielgruppe: Alte und junge Leute ohne Auto

"Es geht mir nicht nur ums Geldverdienen", sagte Haberleitner. "Dieses Investment hat für mich auch einen humanitären Aspekt – der eine spendet und ich lege mich eben ins Zeug dafür, dass die Leute am eigenen Orte einkaufen können und dadurch ein besseres Leben haben." Er wolle den Menschen den Nahversorger wiedergeben, da nach seiner Berechnung ein Drittel der Kunden keine Möglichkeit hätte, zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese zu fahren.

Seine neuen Shops sollen in Städten ab 5000 Einwohnern im Zentrum alles bieten, was man für das tägliche Leben braucht: Beispielsweise Drogerieartikel, Lebensmittel, Kleidung, Elektroartikel und Serviceleistungen wie eine Reinigung. Alles, was nicht im Laden vorrätig ist, soll laut Haberleitner über ein eigenes System dort für den nächsten Tag bestellt werden können: "Das haben wir uns schützen lassen." Zielgruppe seien neben älteren Menschen auch junge Leute ohne Auto. Außerdem habe er "das Drittel der Bevölkerung" im Blick, das aus unterschiedlichsten Gründen bislang kein Online-Shopping nutzt.

Von Schlecker übernimmt der Investor nichts als die Standorte, die er bei den jeweiligen Hauseigentümern anmietet. 484 habe er sich bereits gesichert, bis Ende 2013 könnten es bis zu 600 werden, sagte Haberleitner. Über die Vermieter habe sich sein Plan herumgesprochen und es hätten sich bereits zahlreiche Ex-Schlecker-Mitarbeiter bei ihm gemeldet. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres, abhängig von der Geschwindigkeit unserer Expansion, in Deutschland bis zu 3000 Mitarbeiter beschäftigen werden", sagte Haberleitner. Versprochen habe er nichts: "Wir werden die besten Leute akquirieren, die wir kriegen können." Die neuen Läden sollen im kommenden Jahr zunächst in Südbayern, dem südlichen Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und Brandenburg entstehen.

Geiwitz bietet seine Unterstützung an

Der Schlecker-Insolvenzverwalter, der das einst milliardenschwere Drogerie-Imperium im Moment abwickelt, hat mit dem Vorhaben nichts zu tun. Die Mietverträge für die Läden seien gekündigt, die ehemaligen Filialen seien leergeräumt, sagte ein Sprecher. Wie die Ladenflächen in Zukunft genutzt würden, sei allein Sache der Vermieter.

Trotzdem bot Verwalter Geiwitz seine Hilfe an. "Das Konzept, mit dem "Dayli" am Start ist, nämlich ein echter Nahversorger zu sein, ist recht nah an dem, was auch der Sanierungsplan des Insolvenzverwalters vorsah", sagte der Sprecher. Wenn er Haberleitner irgendwie helfen könne, werde Geiwitz das gerne tun. Er könne zum Beispiel Kontakte zu den Vermietern der alten Schlecker-Läden herstellen.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Deutschland Handelsblatt Schlecker
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?