Auf Schnäppchenjagd im Schlecker-Lager

28. November 2012, 19:00 Uhr

Benutzte Putzkellen, alte Regale, Werkzeug: Handwerker und Einzelhändler hofften bei der Versteigerung des Schlecker-Inventars auf Schnäppchen. Drei Frauen hielten die Auktion jedoch für unwürdig.

Versteigerung, Schlecker, Drogeriemarkt, Hammer, Industrieverwertungsgesellschaft HT, Insolvenzverwaltung

Alles kommt unter den Hammer: Der Insolvenzverwalter von Schlecker hat im Zentrallager in Ehingen das übrige Inventar versteigern lassen.©

Es sieht aus wie auf einem riesigen Flohmarkt. In Wühlkisten liegen alte Regale, Einkaufskörbe und ein paar übrig gebliebene Fliesen - mehrere tausend Einzelstücke insgesamt. Das ist alles, was vom Inventar des Drogerie-Imperiums von Anton Schlecker noch übrig ist. Am Mittwoch hat der Insolvenzverwalter das verbliebene Anlagevermögen von Schlecker versteigern lassen, um für die Gläubiger zumindest ein bisschen Geld einzutreiben. Doch viel rauszuholen gibt es nicht.

Hunderte Menschen sind in das Schlecker-Zentrallager nach Ehingen gekommen. Viele aus reiner Neugier, einige Gewerbetreibende in der Hoffnung auf ein Schnäppchen. In den großen Lagerhallen sind die Waren vor der Versteigerung ausgestellt. Handwerker interessieren sich für Bohrmaschinen, Kabelrollen und Werkzeugkoffer, die bei Schlecker früher in Werkstätten und Lagern genutzt wurden. "Ich hoffe, dass man hier günstig was bekommen kann", sagt ein Maler aus Biberach. Aus den Schlecker-eigenen Kfz-Werkstätten gibt es Hebebühnen, Reifenauswuchtgeräte und einen Bremsprüfstand.

Einzelhändler schauen nach Regalen, Kisten oder nach Einkaufskörben, in denen Schlecker-Kunden jahrelang Shampoo und Toilettenreiniger eingekauft haben. Aus den Büros gibt es alte Computer, Laserdrucker und durchgesessene Schreibtischstühle. "Die könnten wir mit ordentlich Gewinn bei Ebay wieder verkaufen", sagt einer der Interessenten.

Es gibt fast nichts, was es nicht gibt

Aber im Angebot ist auch Kleinkram: Pinsel und Farbeimer, benutzte Putzkellen und Mörteleimer, angebrochene Schmierölfläschchen und Teppichreste. Nichts scheint zu klein und zu alt, um bei der Auktion zumindest ein bisschen Geld dafür bekommen zu können. Ein wenig ist es wie früher: Es gibt fast nichts, was es bei Schlecker nicht gibt.

Die Versteigerung hat die Industrieverwertungsgesellschaft HT mit Sitz in Hamburg übernommen. Wer bei Auktionen bislang an das edle Ambiente gedacht hat, das man von manchen Kunst-Auktionen aus dem Fernsehen kennt, wird enttäuscht. In einer große Lagerhalle hat der Auktionator Bierbänke aufstellen lassen. In der Halle riecht es nach Bratwürsten, die ein Caterer hinten grillt.

Doch die Versteigerung kommt schnell in Gang. Mit einem Akku-Aufbruchhammer geht es los. "10, 20, 30, 40...", verkündet der Auktionator die Gebote. Die Handwerker treiben gegenseitig die Preise in die Höhe. Weit über 100 Euro bieten sie für die ersten Elektrogeräte. Einige schütteln den Kopf. "Zu teuer", sagt einer. "Den bekomme ich anderswo billiger." Nachdem der Auktionator die ersten hundert Positionen aufgerufen hat, verlieren die ersten die Geduld. Die Schlange am Bratwurst-Stand wird länger. Immer weniger bieten mit, die Preise sinken.

Ex-Verkäuferinnen trauern in der letzten Reihe

Wie viel Geld die Auktion am Ende bringt, ist auch für den Auktionator noch völlig unklar. Bei gebrauchten Gegenständen lasse sich das immer schwer abschätzen, hatte er im Vorfeld der Auktion gesagt. Hohe Gewinne hatte der Insolvenzverwalter ohnehin nicht erwartet - vor allem nicht, wenn man die gewaltigen Forderungen der Gläubiger gegenüberstellt. Sie verlangen Angaben der Insolvenzverwaltung zufolge mehr als eine Milliarde Euro. Die Versteigerung soll vor allem dazu dienen, die 13 Regionallager zu leeren, für die ein Makler im Moment nach Käufern sucht.

Ganz hinten im Versteigerungssaal sitzen drei Frauen, die einmal bei Schlecker gearbeitet haben, und beobachten das Geschehen. Durch die Insolvenz haben sie genau wie ihre rund 25.000 Kolleginnen in Deutschland den Job verloren. Die Lichter bei Schlecker waren Ende Juni endgültig ausgegangen. "Wir wollten einfach schauen, was hier passiert", sagt eine. Doch die Stimmung ist gedrückt. "Das ist unwürdig", findet ihre Kollegin. "Schlecker war einmal mein Leben. Heute ist es nur noch Ramsch."

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Anton Schlecker Schnäppchen Schnäppchenjagd
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?