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Puffbesuche und Parfüm - VW zahlte

Rechnungen aus dem Puff, Quittungen aus der Parfümerie: Die Spesenabrechnungen belegen, dass man bei Volkswagen mehr über den Sex-Skandal wusste, als bisher bekannt.

Von Johannes Röhrig

  • Johannes Röhrig

Das Etablissement K5 in Prag ist auf ausgefallene Wünsche eingestellt. Wer sich wie ein orientalischer Pascha fühlen will, gern zwischen Ritterrüstungen entspannt oder sich mal auf einem Bett in Mondkrater-Optik ausstrecken möchte, für den gibt es hier entsprechende Separées. Stets seien 40 Frauen in dem "Restaurant" für die Gäste verfügbar, wirbt der Club. Die Stunde kostet 4000 tschechische Kronen, rund 140 Euro.

Das K5 war eines der Stammlokale jener Manager und Gewerkschafter des Volkswagen-Konzerns, die mit dem Skandal um die Abrechnung von Prostituierten auf Firmenkosten und die Begünstigung von Betriebsräten das Unternehmen erschütterten. Gezahlt hat in der Regel der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer. VW erstattete ihm die Ausgaben anstandslos und - wie sich jetzt zeigt - teilweise nach Einreichung von Originalbelegen etwa aus dem K5. Auch private Präsente wurden so abgerechnet.

939.766 Euro über Eigenbelege abgerechnet

An diesen Bordell- und Geschenkquittungen, die nun der stern einsehen konnte, zeigt sich erstmals deutlich die Fahrlässigkeit, mit der solche Spesen bei Volkswagen intern behandelt wurden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat im Auftrag von VW alle Abrechnungen Gebauers seit 2001 zusammengestellt. Alles was davorliegt, ist bereits verjährt. Die Prüfer haben die Quittungen sortiert und versucht, den Zweck der Ausgaben nachzuvollziehen. Insgesamt rechnete Gebauer 939.766 Euro über sogenannte Eigenbelege ab. Bei solchen "Vertrauensspesen" gibt es keine Anhaltspunkte, unzulässige Praktiken aufzudecken.

Das schien zu erklären, warum die VW-Revision dem fidelen Treiben auf Firmenkosten jahrelang tatenlos zusah. Tatsächlich aber fand die KPMG gleich im Dutzend Rechnungen aus dem K5. Auch Schmuckkäufe, bei denen die Staatsanwaltschaft ebenfalls den Tatbestand der Untreue erfüllt sieht, wurden der VW-Zahlstelle damals nicht verschleiert. Klaus-Joachim Gebauer hat also bei seinen Abrechnungen weniger vertuscht, als man bislang annehmen musste. Dass vieles nicht korrekt sein konnte, war nicht zu übersehen. Das ist unangenehm für den Konzern: Die Frage der Mitverantwortung stellt sich stärker denn je.

"Bewirtungsaufwendungen" für Puffbesuche

Abgerechnet wurden beim vorgeblichen Restaurant K5 meist pauschal "Bewirtungsaufwendungen". Dass diese häufig mehrere Tausend Euro betrugen, hat offenbar bei VW niemanden irritiert, obwohl auf den Quittungen Adresse und Telefonnummer des Etablissements ordnungsgemäß vermerkt waren. Am 27. Februar 2002 etwa vergnügten sich die Herren von Volkswagen für umgerechnet 1308,92 Euro; am 27. November 2002 waren es 1987,20 Euro; am 3. Juni 2002 schlug das K5 mit 4425,59 Euro zu Buche. Auch in der Anklageschrift gegen den Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert spielt das K5 eine Rolle.

Der Prozess gegen ihn und Gebauer beginnt frühestens im Herbst. Bei Volkert geht es unter anderem um Sonderboni in Höhe von 1,95 Millionen Euro und eine von VW alimentierte Geliebte. Auch Präsente, die er von Dienstreisen nach Gebauers Aussage gern seiner Frau mitbrachte, ließ sich Volkert offenbar von VW bezahlen. In den Gebauer-Abrechnungen finden sich entsprechende Kreditkartenbelege: Er kaufte bei Juwelieren in Brasilien, Antiquariaten, Schmuckläden und einer Parfümerie in Prag Mitbringsel für viele Tausend Euro.

Hartz selbst höhlte Kontrolle aus

Der bereits verurteilte frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz selbst war es, der die Kontrolle der Spesen, die über sein Vorstandskonto 1860 liefen, mit der Zeit immer mehr aushöhlte. Gebauer rechnete stets über dieses Konto ab. Möglichst wenige bei VW sollten davon etwas mitbekommen. Er sorgte für Volkerts Annehmlichkeit und sollte "dabei nicht kleinlich sein", wie es im Hartz-Prozess hieß. Ganz unbemerkt blieben die dubiosen Ausgaben innerhalb von VW allerdings nicht. Das lässt sich an einer Gesprächsnotiz aus dem Juni 1997 ablesen. Darin stellt der Leiter der Zahlstelle bereits intern fest, für Gebauers Reisekosten lediglich die Zahlungsabwicklung zu übernehmen, jedoch "keine Verantwortung für Inhalt und Umfang".

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